Eine Landkarte vom höchsten Trail der Welt

Robin Boustead kartografiert 150.000 Meter Auf- und Abstiege im Himalaya.
Robin Boustead am West Col, Himalaya
Robin am West Col © Robin Boustead
Von Alison Mann

Einen Trail mit insgesamt 150.000 Metern Auf- und Abstiegen und einem höchsten Punkt von 6.200 Metern, der sich auch noch im hinterletzten Teil der Erde befindet, kartografisch zu erfassen, ist eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Denkt man.

Robin Boustead ist da anderer Meinung, denn er nahm sich vor den Great Himalaya Trail auf einer Karte festzuhalten: Dieser Trail verläuft 4.500 km durch das Himalaya Gebirge in Bhutan, Nepal, Pakistan, Indien und Tibet.

In der letzten Woche kehrte Boustead von seiner Mission zurück und erzählte uns, was es bedeutet eine Landkarte von einem der abgelegensten Erdstriche unseres Planetens zu machen.

Die 7 längsten Wanderwege der Welt.

Robin macht mal Pause vom "Mapping''

Robin Boustead relaxt im Himalaya
Man darf auch mal die Füße hochlegen. © Percy Fernandez

Erstmal das Naheliegende: Warum macht man sowas?

Ich war das erste Mal 1993 im Himalaya und seitdem jedes Jahr. 96/97 war ich mit Freunden und Führern unterwegs und wir haben schon von der Idee des Trails rumgesponnen. Zu dieser Zeit waren viele Gebiete nicht für Touristen zugänglich und ich auch viel zu unerfahren, also blieb es bei dem Traum.

Die Himalayas sind atemberaubend und sehr wechselhaft.

Robin Boustead mit Gebetsfahnen, Nepal, Himalaya
Typisch Tibetisch: Robin mit Gebetsfahnen © Robin Boustead

Wann wurde aus deinem Traum Realität?

2004 wanderte ich zum Mount Kailash via Nepal vom Kangchenjunga kommend. Das ist der dritthöchste Berg der Welt und wir machten uns daran wie wir die Strecken am besten verbinden könnten. Ich habe sehr viel nachgeforscht, ob das überhaupt möglich ist. 2008 machte ich mich dann zum ersten Mal auf den Weg und stellte fest, dass es sehr viel schwieriger ist als ich dachte. Ich habe außerdem nicht geglaubt dass sich jemand außer mir für die Strecke interessiert, aber ich lag falsch.

Ich dachte die Leute wären nicht interessiert an dem Weg, aber sie waren es doch!

Der Himalaya Trek ist ein großes Netz an Wegen.
Der Himalaya Trek ist ein großes Netz an Wegen. © Alex Treadway

Also dauert dieses Projekt schon Jahre an?

Die Landkarten der Himalayas waren nicht sehr gut und ich empfand es als Herausforderung selbst eine zu erstellen. Ich habe mit Himalayan Map House zusammengearbeitet und mit ihnen verlinkte Karten erstellt. Es gab natürlich auch ein Erdbeben in der Zeit, also gibt es bis jetzt drei verschiedene Versionen - die vierte stelle ich gerade fertig!

Es gibt sehr viele Herausforderungen beim Kartografieren.

Robin Boustead überquert einen kleinen Fluss im Himalaya
Breites Grinsen - Schmale Brücke! © Robert Rosenbaum

Welche Schwierigkeiten gibt es sonst noch?

Eigentlich ist alles eine Schwierigkeit. Die Navigation ist ein Problem und dass man die ganze Zeit die Klimazonen wechselt. Hier wandert man aus den Tropen in die Subtropen, in alpine Zonen und dann wieder in irgendwas dazwischen. Weil sich das Klima ändert, ändert sich natürlich auch der Weg. Auch wenn du ein Trekker mit Erfahrung bist, gerätst du hier an deine Grenzen.

Man passiert auf seinem Weg kleine Dörfer.

Robin Boustead trifft auf zwei Laya Frauen auf seinem Trek
Robin mit zwei Laya Frauen © Raj Loja

Es ist sicher wunderschön...

Erst nach vier Wochen beginnst du es zu genießen, dann "floatest" du nur so durch die Landschaft. Das dauert dann so 90 - 100 Tage an und dann merkst du, wie dein Körper dich langsam  verlässt. Aber so lange du in diesem Zustand bist, ist es wie fliegen.

Noch mehr spektakuläre Bilder vom GHT hier

Welche Tipps kannst du Jemandem geben, der den Trail gerne gehen möchte?

Ich sehe es nicht als meine Aufgabe, den Leuten zu sagen, wie sie gehen sollen - ich möchte ihnen Strecken anbieten, so dass sie selber entscheiden können. Die Hälfte aller Menschen die den Trail jemals gegangen sind, haben ihre eigene Route genommen. Am höchsten Punkt ist man auf 6200 Metern und beim tiefsten auf 400 Metern. Wenn man den oberen Weg geht, wandert man 150.000 Meter hoch und runter! 3000 Höhenmeter Unterschied jeden Tag sind die Regel. Das ist ein straffes Programm, aber wenn du es versuchen willst, dann mach es. Egal, was ich jetzt sage, wie hart es wird, es wird sowieso härter! Es wird eine einschneidende Lebenserfahrung sein, hier kehrst du als anderer Mensch zurück.

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