Spielzeug für knallharte Kerle

Modellsegelkunstflieger Andi und Tim Schaerer: Vom Versuch, die Grenzen des Machbaren auszureizen.
Modellsegelkunstflieger Andi und Tim Schaerer
Von Manuel Risi

Wer als Laie Modellflugzeug hört, denkt an grüne Wiesen, auf denen Erwachsene mit kindlicher Freude, summende Flugobjekte durch die Luft sausen lassen, an Bastelei und Hobbykeller; kurzum an Spielzeug. Sprechen Andi und Tim Schaerer von Modellflugzeugen, geht es um knallharte Wettbewerbe und um actiongeladene Formationsflugshows vor Zehntausenden von Zuschauern. «Was wir tun, hat nicht mehr viel mit Modellen zu tun. Wir sind Piloten, nur dass wir während des Flugs mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben», erklärt Andi. Seit vier Jahren begeistert er mit seinem Sohn Tim Zuschauer auf der ganzen Welt. Ihre Segelflugzeuge des Typs Swift S1 wiegen 20 Kilo und haben eine Spannweite von sechs Metern. Ihre Flughöhe beträgt bis zu 900 Meter.

Hinter dem Erfolg des Duos steckt maximale Präzision und hartes Training. «Die körperliche und mentale Belastung ist sehr hoch», erzählt Tim und Andi ergänzt: «Zwei Modelle dieser Grösse synchron zu steuern, erfordert höchste Konzentration.» Die beiden sind ein eingespieltes Team, auch abseits des Flugplatzes.

Modellsegelkunstflieger Andi und Tim Schaerer


Das Fliegen in die Wiege gelegt

Die Begeisterung für das Modellfliegen entdeckte der heute 48-jährige Andi im Alter von zwölf. Wie alles in seinem Leben verfolgt er die Fliegerei mit viel Ehrgeiz. Zuerst als Ausgleich zum Tennissport, dann immer ambitionierter und immer erfolgreicher. «Mir ging es dabei nie gross um das Bauen der Modelle», erinnert sich Andi. «Für mich stand immer das Fliegen im Vordergrund. Vor allem das Segelfliegen, weil man direkt den Elementen ausgeliefert ist.» Sohn Tim führte er im Alter von fünf Jahren ein. «Mein Vater hat mir die Fliegerei in die Wiege gelegt», meint Tim schmunzelnd.

Wie sein Vater, beginnt auch Tim an Segelflug-Wettkämpfen teilzunehmen. Die Fussstapfen des Vaters sind gross. Doch Tim lernt schnell, wird immer besser. Heute meint sein Vater neidlos: «Tim ist der beste Modellsegelflugpilot, den es gibt.» Der Konkurrenzgedanke stand nie zwischen den beiden. In den Einzelwettkämpfen coachen sie sich gegenseitig, auch wenn am Ende nur einer als Erster vom Flugplatz gehen kann.

Modellsegelkunstflieger Andi und Tim Schaerer


Die Meistertitel in Familienhand

Es macht kaum Sinn, die Erfolge der beiden einzeln aufzuzählen. Seit es in der Disziplin des Modellsegelfluges eine Schweizermeisterschaft gibt, ist der Titel immer in Hand der Schaerers. Eine Auflistung ihrer weiteren Titel wäre seitenfüllend. Andi und Tim geht es längst nicht mehr um Medaillen und Preise. Als grösstes Erlebnis ihrer Karriere beschreiben beide die Athens Flying Show: «Wir flogen unsere Show zwischen dem Auftritt einer F16– und einer MiG19-Staffel», erzählt Tim. Bei der anschliessenden Autogrammstunde werden die beiden von den Zuschauern überrannt. «An diesem Tag spürten wir die volle Akzeptanz der Flugcommunity. Das war ein wahnsinniges Erlebnis».

Die Diskussion selbst auf manntragende Flugzeuge umzusteigen, führten die beiden schon öfters. Lieber wollen sie aber die Modellfliegerei weiter voranbringen und «die Grenzen des Machbaren ausreizen», erklärt Andi. Am Ende sind sie selbst ihre grössten Fans: «Wir haben die Perspektive des Publikums. Wenn die Flieger in perfekter Formation durch den Himmel schiessen, die Sonne sich in den Tragflächen spiegelt und farbiger Rauch die Flugbahn nachzeichnet, da spürt man pure Glückseligkeit.» So wird das Team Schaerer auch künftig mit beiden Füssen fest auf dem Flugplatz stehen, die Augen zum Himmel gerichtet.

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