Vierkampf im Sturzflug

Der zweite Red Bull Aces Wingsuit Cross ist Geschichte. Der Schweizer Michi Schwery war mittendrin.
Michi Schwery © Balazs Gardi/Red Bull Content Pool
Von Stefan Michel

Michi, ist dir Wingsuit-Fliegen allein nicht mehr extrem genug, dass du mit drei anderen Springern um die Wette fliegst?

Es geht bei Red Bull Aces nicht darum, dass es besonders extrem ist. Das Spezielle ist der direkte Vergleich mit den anderen Springern und der dynamische Kurs.

Der Kurs ist dynamisch – was bedeutet das?

Die vertikalen Tore werden von Helikoptern gehalten, natürlich stehen die still in der Luft. Trotzdem ist der Kurs in jedem Durchgang ein bisschen anders. Zudem sind die Tore in unregelmässigen Abständen platziert: Zum Ersten geht es eher flach, zum Zweiten muss man in die Tiefe stechen, das Dritte umfliegt man in einem weiten Bogen, dann geht es nochmals steil hinunter zum vierten und letzten Tor. So zu fliegen ist extrem spannend.

Der Absprung ist immer ein spannender Moment. Wie ist es zu viert und als Konkurrenten abzuspringen?

Ich war immer extrem auf mich und auf die nächsten zwei Tore fokussiert. Während des Flugs passte ich auf, dass ich niemandem zu nahe komme, und dass mir niemand zu nahe kommt.

Fliegt man einfach möglichst steil hinunter, um schnell zu sein?

Nein, steil ist nicht gleich schnell. Man muss den dynamischen Auftrieb des Wingsuits nutzen um Speed aufzubauen. Den Winkel passt man im Flug immer wieder an und merkt sofort, ob man schneller wird oder langsamer. Nimmt man eine Kurve zu eng, verliert man zu viel Tempo. Das Schwierige bei Red Bull Aces: der Flugwinkel von einem Tor zum nächsten ist vorgegeben.

Die Tore werden von Helikoptern gehalten, ihr duelliert euch also immer in der nähe von Rotorblättern. Wie gefährlich ist das Ganze?

Das ist überhaupt kein Problem. Die Tore sind 30 Meter hoch, man darf gar nicht zu nahe an die Flaggen ran, sonst wird man disqualifiziert. Jeder Pilot hat ein GPS-Gerät, so wird kontrolliert, dass er durch das vorgeschriebene Fenster fliegt. Ausserdem sind alle, die hier mitmachten sehr erfahrene Wingsuit-Piloten.

Hast du einen besonderen Wingsuit verwendet?

Ja, meinen Rennanzug. Der hat mehr Fläche zwischen den Beinen.Wenn ich mit meinem normalen Wingsuit fliege, mache ich vor dem Öffnen des Schirms eine kleine Aufwärtsbewegung, einen Flair, dann bin ich langsam genug. Würde ich das mit dem Rennanzug machen, würde sich das anfühlen wie eine brutale Vollbremsung. Da muss ich fünf bis sechs Sekunden lang bremsen, bis ich langsam genug bin, um den Schirm zu öffnen.

Was war deine Taktik in den Heats?

Ich schaute immer die nächsten zwei Tore an. Man muss das erste Tor richtig umfliegen, damit man das zweite gut erwischt, wie man dieses ansteuert, entscheidet über das dritte und so weiter. Zudem passte ich auf, dass ich nicht in die verwirbelte Luft hinter einem anderen Piloten geriet, denn schnell ist man nur in «sauberer», das heisst unverwirbelter Luft.

Die Finalrunde der besten 32 hast du um zwei Hundertstel verpasst. Wie kam das?

Nach dem ersten Qualifikationslauf lag ich gut im Rennen und dachte, ich hätte es geschafft. In der zweiten Runde konnte ich mich aber, im Gegensatz zu vielen anderen nicht steigern. Derjenige, der zwei Hundertstelsekunde schneller flog als ich, wurde am Schluss Dritter.

Wie war es, zuschauen zu müssen?

Natürlich war ich enttäuscht, aber die Heats anzuschauen war trotzdem extrem spannend. Alle am Boden fieberten mit, feuerten ihren Favoriten an. Es war ein super Event. Cool war, dass auch ich am Finaltag ausser Konkurrenz Vierer-Heats fliegen konnte.

Mit welchen Gefühlen reist du nach Hause?

Auch wenn ich mit meinem Abschneiden nicht zufrieden bin, war es eine super Zeit. Ich hoffe, es gibt in Zukunft mehr solche Rennen und ich darf wieder dabei sein.

read more about
Zur nächsten Story