6 unglaubliche Orte zum Eistauchen

Schnapp dir eine Kettensäge und entdecke Eisberge, Wracks und Wale unter dem Eis.
Von Brooke Morton

Bei keinem anderen Sport ist es so wichtig, dass du das richtige Timing hast wie beim Scuba-Diving - und durch das Eis wird dieses Leben-oder-Sterben Szenario nur noch intensiviert. Ist ja nicht nur so, dass du nicht jeder Zeit wieder auftauchen könntest und quasi einfach unter der Eisdecke gefangen bist - auch die Chancen auf Unterkühlung und Nervenschäden steigen durch die Kälte enorm. Wer sich dennoch traut, wird mit fantastischen Unterwasserwelten mit teilweise bis zu 60 Metern Sichtweite belohnt.

Unter dem Eis im Bikini

Die französische Freediverin Chloé Villaume beim Eistauchen im Päijänne See in Finnland.
Eistauchen im Bikini? Why not! © Pekka Tuuri

Wo: Päijanne See, Finnland
Warum: Um den Kick zu suchen
Gefährlichkeitsstufe: 8

Die Ärzte haben die französische Freediverin Chloé Villaume vorher gewarnt, dass lediglich ein Bikini-Tauchgang von 3 Minuten im 2 Grad kalten Wasser reicht um irreparable Nervenschäden zu provozieren. Sogar der für seine eigenen Unter-Eis-Missionen bekannte Stieg Severinsen, warnte die Französin.

"Natürlich gab es ein Risiko, aber ich habe einfach nicht darüber nachgedacht," so Chloé. Durch ein Seil war sie mit einem Team von fünf Sicherheitstauchern auf der Oberfläche verbunden, die sie im Notfall innerhalb von 10 Sekunden herausfischen würden. Villaume fand die Badesession einfach nur erfrischend: "Ich war vollgepumpt mit Adrenalin und fühlte mich danach fantastisch!"

Schneid ein Loch ins kanadische Eis

Eistaucher kommt am Morrison's Quarry in Wakefield, Quebec, Kanada, durch die Oberfläche.
Wie kommt man unters Eis? Mach ein Loch! © Jo-Ann Wilkins

Wo: Morrisson's Quarry, Wakefield, Quebec, Kanada
Warum: Um seine Fähigkeiten zu verbessern und die Ornamente, die andere ins Eis gekratzt haben zu bewundern.
Gefährlichkeitsstufe: 4

Um sich aufs Eintauchen vorzubereiten baut man vor allem Muskeln auf, aber man trainiert auch seine Einstellung. "Ich hatte Angst, dass es stockdunkel ist und dass ich unter dem Eis klaustrophobisch werde," erklärt Unterwasserfotografin Jo-Ann Wilkins. "Es war aber alles total erleuchtet."

Wer sich einmal an die Umgebung gewöhnt hat, akklimatisiert sich dann an das Seilsystem, welches einen mit den Tauchpartner an der Oberfläche verbindet.
"Der Taucher an der Oberfläche wird am Seil ziehen und will dass du ihm signalisierst, dass alles okay ist," erklärt Jo-Ann. Das Schlimmste was passieren kann, ist wenn der Taucher unten nicht den Zug beantwortet. "Deshalb ist immer oben ein zweiter Taucher, der bereit ist nach unten zu gehen."

Schau dir Schiffe unter dem Eis an

Ein Eistaucher erforscht dieses Alice Schlepper Wrack in Tobermory, Ontario, Kanada
Das Wrack ist das halbe Jahr unter dem Eis © Jerzy Kowalczuk

Wo: Fathom Five National Marine Park, Tobermory, Ontario, Kanada
Warum: Hier kann man Schiffswracks entdecken, unter anderem einen Alice G Schlepper
Gefährlichkeitsstufe: 8

Wenn das Eis bricht, beruft man sich auf seine verlässlichste Quelle: Den Wetterkanal. Nur so kann man die Windkonditionen einschätzen. "Fünfzehn Knoten sind zum Beispiel viel zu viel," so Unterwasserfotograf Jerzy Kowalczuk. Starke Winde treiben die Eisformationen in eine Richtung, wo sie sich dann anhäufen. "Dann bist du auf einmal unter dem Eis ohne einen Ausgang. Sollte das passieren, muss man einfach weiter schwimmen - und das Eis nach links und rechts wegschieben. Die Leute denken, dass es einfacher ist unter gebrochenem Eis zu schwimmen, aber das ist ein Trugschluss. Es ist sehr viel gefährlicher."


Darf ich vorstellen, der Beluga Wal!

Ein Eistaucher begegnet einem Beluga Wal in russischen Gewässern
Beluga Wal © Franco Banfi

Wo: Weißes Meer, Russland
Warum: Begegnungen mit Beluga Walen
Gefährlichkeitsstufe: 5

Die Eisdecke im russischen Meer kann bis zu eineinhalb Meter dick werden, aber in der Nähe von Kandalaksha ist sie niemals ganz geschlossen: Hierher kommen die Beluga Wale um Luft zu holen. Weil sie immer gegen die Decke bollern, sorgen sie dafür, dass sie nicht fest wird. Hier liegt das Risiko nicht unter dem Wasser sondern, wie man hinein kommt. Das Gefährlichste ist die ein Kilometer lange Snowmobil-Anfahrt.

"Es ist kein sehr angenehmes Gefühl, wenn du merkst dass das Eis anfängt zu brechen und du aus dem Schlitten hüpfen musst, " erzählt Franco Banfi. "Das größere Problem ist, dass sich der Schnee über die Risse legt," warnt er. Deshalb lässt er sich von einem erfahrenen Snowmobiler begleiten. "Wer alleine fährt, läuft Gefahr, hinein zu fallen."

Unter den Eisbergen in Grönland

Riesige Unterwasser-Eisberge im Tasiilaq Fjord, Grönland
Riesige Unterwasser-Eisberge © Tobias Friedrich

Wo: Im Fjord von Tasiilaq, Grönland
Warum: Eisbergformationen
Gefährlichkeitsstufe: 9

"Niemand ist hier jemals getaucht - es gibt keine Tauchkarten," erzählt der Unterwasserfotigraf Tobias Friedrich über Grönland, das Land in dem es die größten und gefährlichsten Eisberge gibt.

Die größte Gefahr ist ein kollabierender Eisberg. "Wir tauchen nur unter den kleineren, bei den großen ist das Risiko einfach zu groß," so Friedrich. Jeder von ihnen wird natürlich vorab auf seine optischen Qualitäten, seine Überhänge, Brücken und Ritzen, geprüft.

"Sollte ein Eisberg brechen, kann ein einziges Stück, das Boot umwerfen," erklärt der Fotograf weiter. Dennoch, ist das dauernde Knacken und Brechen, auch das was einen Eisberg so schön macht. "Man kann einen Eisberg an einem Tag tauche und dann kehrt man später dorthin zurück und er sieht ganz anders aus. Es ist wie Zauberei!"

Durchquere einen Eistunnel unter Wasser

Ein Taucher entdeckt einen Eistunnel im Sassolo See in der Schweiz.
Eistunnel in der Schweiz © Franco Banfi

Wo: Sassolo See, Schweiz
Warum: Erforsche die Unterwassertunnel
Gefährlichkeitsstufe: 8

"Solches Eis kann immer jeden Moment zusammenbrechen," warnt der Unterwasser Shooter Franco Banfi über die Eisberge, die im Frischwasser in dem See nahe seines Zuhauses treiben. Das abtreibende Eis gräbt Tunnel in den soliden Schnee, kann aber auch dafür sorgen, dass es zum Kollaps kommt - meistens auch noch provoziert durch die Atmung des Tauchers.

Banfi's Model hatte daher seine Vorbehalte hier zu posen. Ein Zusammenbruch kann in nur 30 Sekunden passieren und den Taucher unter einer Lawine aus Schnee und Eis begraben.
"Man kann zwar hören wie das Eis bricht, " schaudert Banfi. "Aber dann ist es meistens zu spät!"

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