«In Fussballgarderoben ists meist feuchtfröhlich»

Fotografin Romina Amato gewann beim Red Bull Illume. Hier gibt sie Tipps fürs perfekte Actionbild.
Red Bull Illume
Von David Cappellini

Romina, du hast 2013 als Schweizerin beim renommierten Fotografie-Contest Red Bull Illume gewonnen. Kurz vorweg: War das Gewinnerbild dein bestes Bild?

Nein!

Sondern?

Ich habe immer wieder mal ein Bild, das mir am besten gefällt. Dann, spätestens nach ein paar Wochen, verliert es seinen Reiz und ich möchte ein neues, bestes Bild machen. Das finde ich aber auch ganz gut so – es gibt mir den Kick, immer wieder mein Bestes zu geben.

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Dein Hauptaugenmerk liegt auf Action Fotos. Bewegende Motive, ist das nicht ziemlich anspruchsvoll?

Absolut. Jeder, der schon einmal versucht hat, etwas zu fotografieren, dass sich bewegt, kennt das ja selber. Bei Sportbildern, wie ich sie schiesse, ist es wichtig dass du die jeweilige Sportart auch verstehst.

Wieso das?

Die Regeln und der Ablauf helfen dir, damit du den richtigen Moment findest, um abzudrücken. Je mehr Erfahrung man hat, desto leichter wird es

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Du tauchst also richtiggehend in die Welt der Athleten ein?

Ja, am liebsten werde ich gleich vor Ort inspiriert, vom Athleten, dem Sport und der Natur.

Da kann es gut und gerne vorkommen, dass du mal in einer Fussballgarderobe landest und verschwitzte Männerkörper beim Trauern oder Feiern ablichtest.

Besonders beim Gewinnen eines Titels lässt man die Fotografen gewöhnlich auch in die jeweilige Garderobe. Das gehts dann meist feuchtfröhlich zu, die Kamera musste ich danach jedenfalls jedesmal reinigen.

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Klassische Porträts kamen für dich nie in Frage?

Ich habe mich früh für die Sportfotografie entschieden und dies keinen Tag bereut. Porträt-Fotografie ist meistens gestellt. Das entspricht mir nicht.
Aber klar – ich mag nicht nur das volle Abenteuer, schaue mir auch Fotografie-Bücher an, schöne Schwarzweiss-Bilder und auch im Internet finde ich immer wieder tolle, andere Sachen. Das Netz ist sozusagen das Schlaraffenland der Inspirationen.

Du bist relativ jung. Was ist deine langfristige Vision, Star-Knipserin – oder doch eher Kriegsfotografin?

Lustig, dass du das ansprichst. Ich bin ein grosser Fan von James Nachtwey und hätte immer gerne aus Kriegsgebieten berichtet. Als ich endlich alt genug gewesen wäre, habe ich meinen Mann kennengelernt – auch er ist Fotograf und auch ihn hätte es interessiert. So wars dann immer wieder eine Diskussion daheim. Letztlich haben wir uns aber beide dagegen entschieden. Und ja, meine Familie war sehr erleichtert (lacht).
 

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Heisst, du fühlst dich ziemlich wohl in dem was du gerade machst?

Absolut. Mein Ziel ist es genau so weiter zu machen, von der Fotografie gut zu leben – und Spass daran zu haben. Etwas vom Grössten zum Beispiel sind die Red Bull Cliff Diving World Series, rund um den Globus. Diese möchte ich noch ganz lange fotografieren.

Klippenspringen? In deinem Siegerbild steckt also viel Leidenschaft für den Sport?

Ja, Klippenspringen ist eine Randsportart – aber ich bin total fasziniert davon. Die Athleten springen aus fast 30 Metern Höhe. Dazu braucht man einiges an Power, körperlich wie auch mental. Nur der Athlet und die Natur, keinen Motor, keine Ausrüstung. Die Geschichte und die Naturverbundenheit der Sportart gefallen mir sehr gut. Ich selber schaffte es bislang aber nur aus 12 Metern, den Rest überlasse ich den Profis.

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Dein Enthusiasmus lässt darauf schliessen, dass du selber auch ziemlich sportlich bist.

Sport und Fotografie sind meine zwei Leidenschaften. Natürlich habe ich viel in Studios und bei Events gelernt – aber beim Sport blühe ich hinter der Kamera richtiggehend auf. Ich liebe es, um die Welt zu reisen und verschiedene Anlässe zu fotografieren. Ob Tennis, Formel 1, Ski-Weltcups oder sonstige Anlässe. Schon mit 14 Jahren habe ich bei einem Fussballspiel der Bayern gemerkt, wie toll es ist, die athletischen Geschehnisse festzuhalten. Es geht dabei um viel mehr als nur um den Moment.

Auch Roger Federer hattest du schon vor der Linse. Und?

Ich kann bestätigen, was alle sagen: Federer ist ein Vorbild. Er ist nicht nur ein fantastischer Athlet, sondern auch ein sehr sympathischer Mensch. Ihm ist der ganze Ruhm nicht zu Kopf gestiegen, da können andere Sportler noch viel lernen.

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A propos lernen. Was empfiehlst du Hobby-Fotografen in Sachen Bildkompositionen?

Wenn man neu in der Fotografie ist, ist es sicher gut, wenn man weiss, was der goldene Schnitt ist und dass man sich mit Bildkompositionen auseinander setzt. Am schnellsten lernt man, wenn man die Arbeit berühmter Fotografen immer wieder anschaut – das schult das Auge. Aber letztlich ist es wichtiger, dass das Bild einem selbst gefällt. Es braucht eine persönliche Note. Man sollte immer mal wieder einen neuen Blickwinkel auf Objekte entwickeln und auch mal gewagte Sachen auszuprobieren.

Beim Red Bull Illume werden wieder Bilder gesucht. Reichst du erneut eines ein?

Ich werde sicher wieder dabei sein, habe aber noch kein konkretes Bild im Kopf das ich einschicken werde. Natürlich freue ich mich auch als Betrachterin schon wieder auf die Gewinner-Aufnahmen. Irgendwie ziemlich unglaublich, dass ich da mal dabei sein durfte.

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