Das ultimative Training für Ultra-Trail-Runner

Speed Rekord-Halterin Fernanda Maciel über steile Trails, hohe Ziele und eine App, die fit macht.
Fernanda beim Training in Brasilien. © Marcelo Maragni/Red Bull Content Pool
Von Sissi Pärsch

Fernanda Maciel vom The North Face-Athletenteam ist frische Rekordhalterin als Speed-Begeherin des höchsten Berges Südamerikas – eigentlich des höchsten Berges außerhalb Asiens: dem Aconcagua in Argentinien (6.962 m). Vom Base Camp bis auf den Gipfel brauchte sie 14 Stunden und 20 Minuten. Insgesamt war die Brasilianerin 22 Stunden 52 Minuten unterwegs und legte dabei gewaltige 81 km und 8.124 Höhenmeter zurück. Und das in dünnster Luft. Wir haben sie zu hohen Zielen und effektivem Training befragt.

Start mit Sternen – und großer Kälte © Gustavo Cherro/Red Bull Content Pool

Fernanda, Glückwunsch! Wie stolz bist Du auf Deine Leistung?

Schon recht stolz. Vor allem darauf, dass ich diese Leistung in solch einer Höhe ohne Sauerstoff durchziehen konnte. Jeder Schritt ist dabei so schwer und beim Start zum Sonnenaufgang war es extrem kalt. Die Kombination aus Kälte und Höhe hat brutal an meinem Körper gezehrt. Dazu kamen dann noch Schnee und ein starker Wind. Und es war natürlich auch mental eine Herausforderung: Im Dunkeln ganz allein zu laufen und schlammige Flüsse zu durchqueren – das war hart. Der Kopf muss immer mitarbeiten. Manchmal muss man auch langsam machen, um Herz, Lunge und Gehirn zu schonen.

Ultra-Leistung: Trail Run über 6.000 m Meereshöhe. © Gustavo Cherro/Red Bull Content Pool

Bist Du mit hohen Zielen geboren?

Vielleicht, ja. Ich setze mir gerne Herausforderungen, ob nun sportlicher Natur oder anderweitig. 2012 habe ich ein persönliches Projekt gestartet, das ich White Flow nenne. Es geht um große Lauf-Challenges, aber auch um soziale Themen. Der Aconcagua war dabei der vierte Teil. Ziel war: schnellster Auf- und Abstieg in unter 24 h. Und gleichzeitig habe ich eine Aufklärungskampagne gestartet, um die Bergsteiger dort für das Thema Müll und Recycling zu sensibilisieren.

Gipfel erreicht, doch das Ziel noch lange nicht. © Gustavo Cherro/Red Bull Content Pool

Wie sah denn Dein Training aus?

Ich hatte meine Laufeinheiten und schlief einige Nächte in einem Höhentrainingszelt. Aber sehr effektiv war sicherlich auch mein funktionelles Training, das ich mit der Mountain Athletics-Appdurchgezogen habe.

Du hast mit einer App trainiert?

Sozusagen. Mountain Athletics ist eine etwas andere App, die auf diverse Bergsportarten ausgerichtet ist. Wir haben sie als Athleten-Team von The North Face zusammengestellt. Die Kletterer haben ein spezifisches Training ausgearbeitet, genauso die Freerider und eben wir Trail Runner. Wir haben Übungen und Einheiten zusammengestellt, die speziell auf unseren Sport abgestimmt sind. Und damit habe ich tatsächlich zwei Monate vor meinem Projekt intensiv begonnen.

Wie muss man sich das vorstellen?

Viele Squats! Squats in der Ebene und bergauf an langen Treppen. Dazu viel Stretching und propriozeptives Training, also Stabilitäts- und Balance-Übungen für die Tiefenmuskulatur. Und dann habe ich meine Mountain Athletics-Übungen in einer Höhe von 6.000 m absolviert. Akklimatisierung der anderen Art...

Eine Trainingseinheit für uns zum nachmachen – in normaler Höhe:
30 Min. aufwärmen, 12x 2 Min. schnelle Bergeinheiten und dazwischen 1 Min. langsam wieder runter. Zum Abschluss 10 Min. auslaufen. Dann 10x Air Squats + 10x 30 Sit-Ups + 10x Push-Ups und Stretching. Ach, holt Euch einfach die App. Sie kostet nix und bringt so viel.

Dehnbar, ausdauernd, schnell: Fernanda Maciel. © Gustavo Cherro/Red Bull Content Pool

Deine Top 3 Trail-Running Spots:

Neuseeland, Nepal und Spanien.


Deine Top 3 Trail-Running Events:

Ultra Trail du Mont Blanc, Everest Trail Race, Ultra Trail Mont Fuji.

Brasilianischer Jubel in Argentinien. © Gustavo Cherro/Red Bull Content Pool
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