Die Lady mit kühlem Kopf: 40 Marathons in 7 Wüsten

7 Wochen, 7 Wüsten, 40 Marathons – Mina Guli im Marathon über ihre unfassbare Leistung.
Mina Guli running in Australia during her Thirst for Water chalenge to raise awareness of global water scarcity
Mina Guli läuft in Australien © www.thirstforwater.org
Von Will Gray

Die Australierin Mina Guli hat sich in ihrer unglaublichen 7-Wüsten-Marathon-Challenge eine der härtesten Landschaften der Welt vorgenommen: die Wüste. Punktgenau am Welt-Wasser-Tag, am 22. März, endete ihre Reise, auf der sie 40 Marathons auf 7 verschiedenen Kontinenten in 7 Wochen gelaufen ist.

Guli eroberte auf ihrem Trip nacheinander die Wüste Tabernas in Spanien, die arabische Wüste in Jordanien, die antarktische Kältewüste, die Simpsonwüste in Australien, das Richtersveld-Gebiet in Südafrika, die Atacamawüste in Chile und die Wüste Mojave in den USA.

Dich hat Gulis Trip inspiriert und du hast Lust bekommen, den Winterschlaf deiner Laufschuhe zu beenden? Keine Angst, dazu brauchst du keine sieben Wüsten! Der Wings For Life World Run ist Herausforderung genug.

Mina Guli lief innerhalb von 7 Wochen in 7 Wüsten, auf 7 Kontinenten.

Mina Guli takes on her first desert in Spain during her Thirst for Water chalenge to raise awareness of global water scarcity
Die erste Wüste für Guli: Spanien © www.thirstforwater.org

Warum hast du dich dieser Herausforderung gestellt?
Ich wollte auf den härtesten Terrains dieses Planeten laufen und habe mir deshalb vorgenommen, mich in sieben Wüsten auf sieben verschiedenen Kontinenten selbst zu testen. Nachdem es bei dem Ganzen aber vor allem darum geht, auf die globale Wasserkrise aufmerksam zu machen, bin ich 40 Marathons gelaufen, als Symbol dafür, dass bis 2030 ein 40 prozentiger Unterschied zwischen der Nachfrage und dem Angebot von Wasser bestehen wird.

Du hast früher einmal beim Marathon des Sable mitgemacht – lässt sich das irgendwie vergleichen?
Aus physischer Perspektive gesehen ist das etwas ganz anderes. Zum einen haben wir sieben Wochen, nicht nur eine! Und jeder Tag endete nicht damit, dass ich mich ins Zelt legte und relaxen konnte, nein, ich musste Geschichten erzählen und mir Notizen machen, um herauszufinden, wie ich die Message über die globale Wasserknappheit am besten vermitteln kann. Außerdem war ich auf verschiedenen Kontinenten und innerhalb verschiedener Zeitzonen – das ist also schon ein ganz anderer Level.

Die Challenge soll auf die globale Wasserknappheit aufmerksam machen.

Mina Guli ran her final marathons in the USA during her Thirst for Water chalenge to raise awareness of global water scarcity
Ihre letzten Marathons rannte sie in den USA © www.thirstforwater.org

Was waren die größten Herausforderungen, mit denen du zu kämpfen hattest?
Spanien war mein erstes Ziel und da hat mir die Realität gleich einmal fest ins Gesicht geschlagen. Den größten Schock aber musste ich in der Antarktis wegstecken. Es war das erste Mal, dass ich ohne mein Team gelaufen bin und es war so vollkommen anders, als alle Locations, an denen ich bisher angetreten bin – so weiß und so verdammt hart, zwischen Himmel und Boden zu unterscheiden. In Australien viel es mir schwer, mit der extremen Hitze zurecht zu kommen, nachdem ich kurze Zeit zuvor in der Kältewüste gelaufen bin. Die Entfernung und die Zeitunterschiede zwischen den Locations waren ebenfalls unfassbar schwer wegzustecken.

Wie groß waren die Temperaturunterschiede?
Wir sind von -20° Celsius in der Antarktis nach Australien gereist – dort hatte es +47° Celsius.

Den größten Schock musste ich in der Antarktis wegstecken.

Mina Guli

 

Welche Arten von Terrains sind dir unter die Füße gekommen?
Die meisten Leute denken, wenn sie Wüste hören, zuerst einmal an Sanddünen, aber eigentlich waren die Terrains extrem verschieden. In der Antarktis lag viel lockerer Schnee, an manchen Stellen war die Decke so hoch, dass sie mir bis zu den Knien reichte und ich hinfiel. Die anderen Wüsten hatten von steinigen Trails bis hin zu Gesteinsbrocken, die manchmal größer als ich waren, so gut wie alles zu bieten. Und natürlich gab es auch viele, viele von diesen Sanddünen.

Die Terrains waren extrem verschieden

Mina Guli braves the cold in the Antarctic desert during her Thirst for Water chalenge to raise awareness of global water scarcity
Guli trotzt der Kälte in der antarktischen Wüste © www.thirstforwater.org

Wie fühlt es sich an, auf Sand zu laufen?
Stell dir einfach vor, du hängst dir ein paar Kilo Gewichte an deine Knöchel und läufst damit durch knöcheltiefem Matsch. So in etwa fühlt sich das an. Es ist so, als würdest du nicht vorankommen, als würden sich deine Füße in vier verschiedene Richtungen bewegen. Während du dann versuchst, eine Stabilität in das Ganze zu bringen, entsteht eine massive Spannung auf den Oberschenkeln.

Wie hast du dich auf deine Challenge vorbereitet?
Ich bin gelaufen. Viel gelaufen. Und ich habe viel Krafttraining betrieben – mein Physio Justin hat mir klar gemacht, dass das nur ein starker, kräftiger Körper durchhalten wird und dass Verletzungen mein größter Feind sind. Also hat mein Coach Nathan ein Trainingsprogramm zusammengestellt, das nicht nur mit Laufen zu tun hatte, sondern auch meinen Körper belastbar machen sollte.

Einen Großteil der Vorbereitung nahm das Krafttraining ein.

Mina Guli running in the Australian Outback during her Thirst for Water chalenge to raise awareness of global water scarcity
Mina Guli im australischen Outback © www.thirstforwater.org

Was waren die größten Gefahren bei der ganzen Sache?
Dehydrierung, Überhydrierung – meine Körperflüssigkeit musste immer ausgeglichen sein – und die Belastung in der extremen Hitze. Und dann gab es noch einen Berg voller Gesteinsbrocken in Südafrika. Da hatte ich richtig Angst davor, zu fallen und eine Verletzung davonzutragen.

Minas Halbzeit-Video:

Was war dein emotionalster Moment?
Eine enorme emotionale Challenge war es, die meiste Zeit alleine, ohne meine Laufkumpel und ohne mein Support-Team durch die Antarktis zu laufen. Mein erster Tag in Chile war auch richtig, richtig hart – es war extrem heiß und ich war müde, da ich einen langen Flug hinter mir hatte. Da war ich am Ende meiner Kräfte.

Gab es einen Tag, an dem du dir dachtest, dass du es nicht schaffen würdest?
Da gab es viele Tage. Wie viele Leute, bin ich oft von Selbstzweifel erfüllt. Aber solange du dich nicht überwindest und ausprobierst, wirst du nie wissen, ob du es schaffen kannst oder nicht.

Alleine in der Antarktis zu laufen war eine große emotionale Herausforderung.

Mina Guli

 

Wie haben deine Mahlzeiten ausgesehen?
Ich dachte, ich würde viele Zusatzmittel zu mir nehmen müssen, aber da es ein langer Event war, habe ich eigentlich nur echte Nahrung gegessen – vor allem Früchte und Gemüse. Ich bin Vegetarierin, also habe ich viel sehr nahrhaftes Essen gebraucht.

Und wie geht es deinen Füßen?
Die sind ok. Ich habe einen fabelhaften Fußspezialisten, Brock, der sich gut um sie gekümmert hat! Während meinem letzten großen Lauf, bevor ich mit der Wüstengeschichte losgelegt habe, waren meine Füße übersäht mit Blasen und die Zehennägel sind mir teilweise abgefallen. Dieses Mal hatte ich solche Beschwerden aber nicht.

Hauptnahrungsmittel: Früchte und Gemüse

Mina Guli runs Chile's Atacama desertMina Guli running in the Australian Outback
Die Atacamawüste in Chile © www.thirstforwater.org

Welche Erinnerungen wirst du nicht mehr vergessen?
Ein großer Teil von dieser Sache war es, über das Wasserproblem zu sprechen und viele meiner Erinnerungen haben daher mit Menschen zu tun. Wir haben australische Ureinwohner getroffen, die mir gesagt haben: „Ohne Wasser haben wir gar nichts“. Und in Südafrika haben wir Leute gesehen, die kämpfen mussten, um irgendwie zurecht zu kommen, da der Fluss, von dem sie sich ihr Wasser holten, aufgrund der Feldbewässerungen um ganze sechs Meter gesunken ist.

Ohne Wasser haben wir gar nichts!

 

Mina Guli celebrates ending 7 weeks of running during her Thirst for Water chalenge to raise awareness of global water scarcity
Sieben Wochen lang laufen: Mina Guli darf feiern! © www.thirstforwater.org

Was möchtest du mit diesem Lauf erreichen?
Ich möchte wirklich, dass den Menschen klar wird, wie tief wir in dieser Wasserkrise jetzt schon stecken. Da ich in Australien aufgewachsen bin, wusste ich relativ bald, dass das Wasser geschützt werden musst. Wir wurden immer angewiesen, während dem Zähneputzen, den Hahn abzudrehen, kürzer zu Duschen und so weiter. Bis 2012 war mir die Dringlichkeit dieses Problems aber weit nicht bewusst. Die Klimawandelthematik ist wichtig, keine Frage, aber die Wasserkrise ist absolut akut. Ohne Wasser haben wir gar nichts – mit rasender Geschwindigkeit wird es immer weniger.

Das zweite Problem ist das Konzept des "unsichtbaren Wassers". 95 Prozent des Wassers, das wir jeden Tag benutzen, finden wir nicht in unseren Duschhähnen, sondern wird dazu verwendet, die Dinge herzustellen, die wir tagtäglich benutzen und konsumieren. Eine ziemlich erschütternde Erkenntnis.


Auf @thirst4water findest du mehr über Mina und das Wasserproblem heraus.

Klick auf die Story unten und du lernst das männliche Pendant zur Lady mit dem kühlen Kopf kennen – den eisernen Cowboy:

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