Geh auf Erkundungstour: Die besten Wracks der Welt

Ob vor Schottland oder im Great Barrier Reef, Wracks einstiger Kriegsschiffe sind überall zu finden.
Tauchgang nah am Bug des Wracks der U.S.S. Kittiwake.
U.S.S. Kittiwake © Predrag Vuckovic
Von Brooke Morton

Schiffswracks haben etwas Geisterhaftes an sich, das sich nur schwer beschreiben lässt. Vielleicht ist es der schreckliche Gedanke an ein sinkendes Schiff und die vielen verlorenen Leben – oder es liegt an der Vorstellung, dass einst ruhmreiche Schiffe, die scheinbar mühelos über die Weltmeere glitten, zerstört am Grund des Ozeans liegen. Doch egal, worin ihre Anziehungskraft liegt – für abenteuerlustige Taucher und Fotografen sind Schiffswracks das perfekte Ziel für einen Tauchgang. Wir stellen euch jetzt ein paar Wracks vor, die nur darauf warten, erkundet zu werden.
 

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Das Wrack, das am leichtesten zu erreichen ist

U.S.S. Kittiwake

Warum: Seichtes Wasser ermöglicht Tauchgänge rund um die Uhr.
Wo: Cayman Islands

Das Schiff eignet sich hervorragend für Taucher auf ihrer ersten Wrack-Erkundung: Die 76,5 Meter lange Kittiwake wurde 2011 vor dem Seven Mile Beach von Grand Cayman absichtlich versenkt. Zuvor wurde alles entfernt, was eine Gefahr darstellen könnte, wie beispielsweise Türen und Luken, um in jedem Raum einen Ausgang zu schaffen.

Jeder zertifizierte Wracktaucher kann alle fünf Ebenen des Wracks erkunden. Das Ruderhaus liegt im seichtesten Teil. Dort befinden sich auch heute noch das Steuer und der Kompass. Zu den Highlights gehören auch die zwei Dekompressionskammern und die künstliche Tauchglocke.

Ein Taucher schwimmt aus dem Schiffswrack hinaus.
U.S.S. Kittiwake © Stephen Frink

Das längste Wrack der Welt

S.S. President Coolidge

Warum: Militärische Ausrüstung, leichter Zugang, ausgewiesene Routen im Angebot
Wo: Vanuatu

Die Coolidge ist vergleichbar mit einem Ski-Resort. Der 200 Meter lange ehemalige Luxusliner und späteres Truppenschiff bietet Anfängern ebenso wie Fortgeschrittenen viele ausgewiesene Routen. Es ist das grösste Wrack der Welt und liegt zudem noch in Reichweite vom Strand der Insel Espiritu Santo, Vanuatu. Damit zählt es auch zu den am leichtesten zugänglichen Schiffwracks der Welt.

Anfänger sollten das Vorschiff in Angriff nehmen, das auf etwa 20 Metern Tiefe zu finden ist. Auf dem Promenadendeck gibt es hingegen Gewehre, Gasmasken und Helme zu bestaunen. Wer danach noch nicht genug hat, kann mit seinem Tauchguide das Wrack penetrieren und die beiden Frachträume sowie den Sanitätsraum besichtigen.

Taucher an der U.S.S. President Coolidge
S.S. President Coolidge © National Geographic/Getty Images

Tauchgang durch eine Satellitenschüssel

U.S.N.S. General Hoyt S. Vandenbarg

Warum: Aufzugsschächte für den freien Fall
Wo: Key West, Florida

Für erfahrene Taucher startet das Abenteuer an der 158 Meter langen „Vandy“ mit einem freien Fall in einen der elf Aufzugsschächte, die von jeder Ebene aus zu erreichen sind. Doch auch ohne umfangreiche technische Taucherfahrung kann man einen der Aufzüge oder Frachtschächte dieses Raketen-Beobachtungsschiffes der Air Force vor der Küste von Key West (Florida) im freien Fall erkunden.

Das Schiff wurde 2009 versenkt und dient nun als künstliches Riff. Türen wurden entfernt, um die Gefahren zu minimieren, und es wurden verschiedene Ausgänge geschaffen. Die Highlights dieses Wracks sind der zwei Meter lange Zackenbarsch, der sich hier angesiedelt hat, sowie die Satellitenschüsseln des Schiffes, durch die man es nach dem Tauchgang wieder verlässt. Oh, das Schiff diente übrigens als Drehort für den Sci-Fi-Film „Virus“ – was die russische Beschriftung in den Korridoren erklärt.

Ein Taucher durchschwimmt den riesigen Satelliten des Schiffes.
U.S.N.S. General Hoyt S. Vandenberg © Marko Wramén

Bestes Wrack in kalten Gewässern

S.M.S. Cöln

Warum: Ein Hauch von Geschichte
Wo: Schottland

„Wer die Kälte nicht mag, sollte sich vielleicht ein anderes Hobby suchen“, sagt Kieran Hatton, Tauchlehrer bei Scapa Scuba, über das kühle Wasser an den „Scapa Flow“-Wracks vor den Orkney Islands in Nordschottland. Scapa Flow ist der Unterwasserfriedhof deutscher Marineschiffe aus dem Ersten Weltkrieg, die 1919 versenkt wurden.

Hatton empfiehlt einen Tauchausflug zur 155 Meter langen S.M.S. Cöln, einem noch intakten deutschen Kreuzer, der heute in 36 Metern Tiefe auf seiner Steuerbordseite liegt.

Warum sollte man dort tauchen?

„Man kann die anmutigen Linien eines Kriegsschiffes aus dem 20. Jahrhundert bestaunen“, sagt Hatton. „Ausserdem befinden sich dort noch immer ein paar Waffen – so gross wie dein Arm.“

Das Wrack der S.M.S. Cöln liegt auf Steuerbordseite.
Animation der S.M.S. Cöln © 3deep Media

Wrack mit den besten Meeresbewohnern

S.S. Yongala

Warum: Die Vielfalt an Fischen beschert einen faszinierenden Tauchgang.
Wo: Australien

Adlerrochen liegen en masse auf dem Deck der S.S. Yongala. Riesenzackenbarsche patrouillieren das Heck. Seeschlangen, Schildkröten und Clownfische versammeln sich ebenfalls an dem 106 Meter langen Dampfer, der 1911 von einem Zyklon dort versenkt wurde, wo sich jetzt Australien Great Barrier Reef Marine Park befindet. Er liegt zwölf Seemeilen vor Cape Bowling Green, Queensland. Aufgrund der Tiefe von 28 Metern und der hohen Wahrscheinlichkeit einer Strömung – die Schulen von Stachelmakrelen anzieht – eignet sich dieser Tauchgang eher für sehr erfahrene Taucher.

Das Schiffswrack der S.S. Yongala umgeben von kleinen Fischen.
S.S. Yongala © Liz Rogers

Bestes Wrack für Fans alter Motorräder

S.S. Thistlegorm

Warum: Dieses Handelsschiff hat noch immer WW2-Ausrüstung an Bord.
Wo: Ägypten

Dieses Wrack ist nichts für Klaustrophobiker – doch man kann hier auf einem Tauchgang zahlreiche Räume mit Kriegsausrüstung besichtigen. 1941 wurde dieses bewaffnete Schiff der britischen Handelsmarine durch zwei Bomben im Roten Meer nahe Sharm el-Sheikh in Ägypten versenkt. Das Besondere an diesem Kriegswrack? Es ist noch mit dem Grossteil seiner Fracht beladen.

Taucher müssen über die Bedford-Lastwegen und eine Flotte von Norton 16 H-Motorrädern hinweg tauchen und dabei den Auftrieb kontrollieren, um nicht die Raumdecke zu berühren, an der sich mittlerweile die Luftblasen der Ausatemluft der Taucher spiegelartig sammeln. Dieser Tauchgang ist nicht nur eine mentale Herausforderung, sondern auch körperlich anstrengend: Das Wrack liegt in einer Tiefe von 30 Metern und das Heck neigt sich Richtung Backbord – was das Risiko der Orientierungslosigkeit erhöht.

Ein Motorrad im Wrack der S.S. Thistlegorm.
S.S. Thistlegorm © Bullspress / Solent News

Bestes Wrack mit WW2-Fracht

San Francisco Maru

Warum: Alte Panzer und ein vielfältiges Biotop
Wo: Mikronesien

Die San Francisco Maru, auch als „Millionen-Dollar-Wracke“ bekannt, wurde 1944 samt ihrer Fracht (Panzer, Lastwagen, Minen und Bomben) in Eten Anchorage versenkt. Das Wrack wurde 1969 vom legendären französischen Taucher Jacques Cousteau entdeckt und geniesst seitdem unter Tauchern grosse Popularität.

Zu den beeindruckensten Frachtstücken gehören die drei japanischen Type-95 Leichtpanzer, die noch immer an Deck sind. Zudem befinden sich auch noch Minen und Torpedos im Wrack. Also, Finger weg!

Ein Panzer bedeckt mit harten und weichen Korallen.
San Francisco Maru © Adam Horwood

Das beste Wrack für Nicht-Taucher

Eduard Bohlen

Warum: Beeindruckende Verdeutlichung der Kraft des Meeres
Wo: Namibia

Lass dich nicht täuschen. Nur weil man zu diesem Wrack nicht tauchen muss, heisst es nicht, dass es leicht zu erreichen ist. „Es ist so gut wie unmöglich, das Wrack zu erreichen. Für gewöhnlich kann man nur darüber hinwegfliegen. Man benötigt eine Genehmigung und einen Guide mit einem besonderen Fahrzeug, um dort hinzugelangen“, sagt der Fotograf Christian Ghammachi.

Das Wrack lief 1909 südlich von Namibias Skelettküste, einem berüchtigten Schiffsfriedhof, bei dichtem Nebel auf Grund. Mittlerweile liegt es etwa 800 Meter landeinwärts, da sich die Wüste immer weiter ins Meer gefressen hat – als Mahnmal, wie sehr der Mensch der See ausgeliefert ist.

Das Schiffswrack der Eduard Bohlen ist bereits mit Sand bedeckt.
Schiffswrack der Eduard Bohlen © Christian Ghammachi
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