Völlig abgehoben: Paragleiten über dem Mont Blanc

Den höchsten Gipfel Europas im Flug erobern – das klingt nach einem echten Abenteuer!
Von Josh Sampiero/Astrid Heinz

30.000 Flugzeuge fliegen täglich über Europa – doch dieser eine Flug ist mit keinem anderen zu vergleichen! An einem sonnigen Sonntag im April machten sich die Paragleiter Tim Alongi, Francois Ragolski und Martin Schricke auf, um das Abenteuer ihres Lebens zu wagen – einen Flug über den 4.809 m hohen Mont Blanc. Gut, dass die Drei ihre GoPros dabei hatten!

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Über dem Dach von Europa

An der höchsten Stelle Europas © Satori Factory

Begonnen hat das große Abenteuer mit einem Sprung aus dem Helikopter – für Skydiver ist das eine ganz normale Sache, für Paragleiter jedoch nicht. Alles musste genau geplant werden, die Bedingungen mussten passen.

Luftige Akrobatik

So schaut ein Fullstall aus © Satori Factory

„Wir haben alles gegeben, um die beste Akrobatiknummer abzuliefern“, sagt Martin Schricke, der als Kind oft bei seinen Großeltern in Chamonix/Mont Blanc war. „Es ist ein mystischer Ort. Schon als kleiner Bub hat mich dieser Berg vor der Haustür fasziniert. Es war immer mein Traum, einmal dort oben zu fliegen. So eine Show hat es über dem Massiv sicher noch nie gegeben. Ich schätze mal dass wir die ersten waren, die über dem Mont Blanc Flugakrobatik gemacht haben“, so Martin Schricke weiter.

Um hier zu fliegen, musst du zuerst springen

Ich bin dann mal weg … © Satori Factory

Welcher Erfindung verdankte das Trio dass es geklappt hat? Benzin! „Wenn du 700 Meter über dem Mont Blanc Akrofliegen willst, dann gibt es nur eine Möglichkeit dort hin zu gelangen, nämlich mit dem Hubschrauber“, erklärt Francois Ragolski. „Wir hatten einen supermotivierten Piloten, aber uns da rauf zu bringen, war grenzwertig.“ Zum Aussteigen verwendeten die Drei eine Technik namens „d-bagging“: Dabei ist der Schirm in einer separaten Tasche verpackt und wird vom „Drop Master“ gehalten.

Über dem Gipfel des Mont Blanc

Ein blauer Himmel ist ein guter Himmel © Satori Factory

Nach dem Absprung wehte den Gleitschirmakrobaten eine steife Brise um die Nase. Bei einem Wind dieser Stärke würden wir nicht einmal einen Spaziergang machen, doch die Drei flogen damit über den höchsten Punkt Europas. „Ich glaube nicht, dass das vor uns schon einmal jemand probiert hat“, meint Francois Ragolski. „Es gehört natürlich auch etwas Glück dazu, dass alles gut geht.“

Der Glacier des Bossons

Wie die drei Musketiere über dem Gletscher © Josh Sampiero

Dass bei dieser Unternehmung eine Menge Glück im Spiel war, denkt auch Tim Alongi. „Ich krieg schon beim Gedanken daran, da oben herumzufliegen, Gänsehaut. Aber es geht alles so schnell. Man kriegt irgendwie gar nicht mit was man tut, bis es vorbei ist. Das liegt daran, weil man total fokusiert sein muss. Aber die Landung auf dem Mont Blanc war echt cool.“ Warum die Zeit wie im Flug vergangen ist, lässt sich sogar erklären: Große Höhe bedeutet dünne Luft und das wiederum heißt, dass der Schirm viel schneller ist, als weiter unten.

„Gleitschirmakrobatik ist in dieser Höhe viel schwieriger, weil alles doppelt so schnell geht“, erklärt Francois Ragolski. „Wenn man dann noch dazu zu Dritt fliegt, muss man wirklich aufpassen. Denn während man mit dem Finger schnippt, fliegt man 200 Meter weit.“ Umso erstaunlicher ist es, dass Francois Ragolski dieses Kunststück gelungen ist: Er ist geschlagene zwei Minuten auf dem Schirm von Martin Schricke gesessen.

Gletscher-Checker

Ein kleiner Gletscher-Rundflug © Satori Factory

Und weil die drei Burschen schon mal da waren, nützten sie die Gelegenheit natürlich auch dazu, die schöne Landschaft zu genießen: Beim fliegenden Sightseeing bewunderten sie den berühmten Felsturm Aiguille de la République und den Glacier des Bossons mit dem Gletscherwasserfall und den überwältigenden Eisblöcken.

Zurück auf dem sicheren Boden

Wie begeistert sehen die Drei aus? Sehr begeistert © Josh Sampiero

Überraschenderweise war der unangenehmste Teil die Landung, beziehungsweise das, was danach kam. Nachdem sie so lange dem starken Wind in 5.000 Metern Höhe trotzten, waren ihre Hände blutig und gefroren. „Ich war jahrelang als Skilehrer unterwegs, aber ich hatte noch nie zuvor so kalte Hände“, lacht Francois Ragolski. Schmerzen, dünne Luft und Anstrengung hin oder her: Das Abenteuer hat sich allemal gelohnt.

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