Essen adé! GoPro-Shot vom Volvo Ocean Race

Gib dir das Video des härtesten Jobs der Welt. Hast du deinen Körper unter Kontrolle?
Von Corinna Halloran

Um dich ein wenig zu beruhigen: Auch die erfahrensten Segler werden seekrank.

Also, hier das Szenario: Du nimmst am Volvo Ocean Race teil und ziehst tausende Kilometer vom nächsten Landstück entfernt mit einer Geschwindigkeit von 30 Knoten über das Meer. Riesige Wellen treffen dein Boot von beiden Seiten und schütteln es kräftig durch. Du hast gerade vier lange Stunden auf dem Deck hinter dir und darfst dir für vier (kurze) Stunden eine Pause gönnen. Dein erster Gedanke: Essen.

Du schaufelst dir die Tiefkühlkost auf den Teller (auf der Verpackung steht Huhn mit Pasta, aber die Hühnerstückchen sehen eher so aus, als als stammten sie von einem alten, zerschlissenen Schwamm) und setzt dich hin, um zu essen. Jetzt wird es richtig lustig. Während du im Boot unter Deck bist, fühlt es sich so an, als säßest du in einer Waschmaschine bei Schleudergang. Und während du dein „Hühnchen“ Löffel für Löffel in deinen Mund verfrachtest, wird dir immer wärmer und wärmer.

Dein Magen schlägt plötzlich Purzelbäume und du beginnst zu schwitzen. Immer wieder gibst du deinem Körper den eindringlichen Befehl, sich zusammenzureißen und der Übelkeit keine Chance zu lassen. Du nimmst tiefe Atemzüge, immer und immer wieder, aber jedes Mal, wenn das Boot von der einen Seite auf die andere kippt, muss dein Körper härter gegen Drang ankämpfen, die Mahlzeit einfach wieder rauszulassen.

Du versuchst das Unvermeidliche zu vermeiden, aber dein Mund ist trocken und das zähe Hühnchen ist dabei auch nicht wirklich eine Hilfe. Wenn doch nur diese höllische Achterbahnfahrt ein Ende nehmen würde. Dann passiert es: Ein Bissen zu viel, eine Welle zu heftig und das Essen bahnt sich den Weg zurück aus deinem Körper. Gott sei Dank hast du es irgendwie noch geschafft, deinen Kopf rechtzeitig aus dem Niedergang bekommen – die nächste Welle erledigt dann den Rest und spült das Hünchen mit sich in die Tiefen des Meeres. Du trauerst ihm nicht wirklich nach...

Team Alvimedica fight through seasick-inducing heavy seas during the Volvo Ocean Race
Team Alvimedica stellt sich auf heftige Wellen ein © Amory Ross/Team Alvimedica/Volvo Ocean Race

Unter solch nassen, kalten, an Waschmaschinen erinnernden Verhältnissen zu leben, ist mit Sicherheit nicht angenehm – „brutal“ und „unbarmherzig“ sind Adjektive, die da wohl eher angebracht wären. Dennoch: Neben den Tagen (oder Wochen), die du mit Übelkeit und den peitschenden Wellen verbringst, gibt es während dem Rennen über das Meer auch positive Momente – Momente von monumentaler Schönheit und unvergesslichem Spaß. Während du dich so fühlst, als wären du und dein Team die einzigen auf dem ganzen Planeten, erlebst du Momente, an denen du schneller durch die Gegend ziehst, als mit einer Corvette - Albatrosse und Delphine leisten dir dabei Gesellschaft. Es sind diese Momente, die dich die schrecklichen Erlebnisse, die du im Kampf mit deinem Körper gesammelt hast, vergessen lassen.

Und es sind diese Momente, die dich  auf das Meer zurückbringen  und dich die Tortur ein weiteres Mal überstehen lassen – die Übelkeit geht vorüber, diese einzigartige Perspektive aber, aus der du die Welt betrachtest, die du einnimmst, während du dich auf das neunmonatige Abenteuer des Volvo Ocean Race begibst, bleibt dir für immer.

The Dongfeng Race Team sail towards the sunrise in rough seas during the Volvo Ocean Races
Das Dongfeng Race Team genießt den Sonnenaufgang © Sam Greenfields/Dongfeng Race Team/Volvo Ocean Race

Falls du also für das heldenhafte, neun Monate andauernde Abenteuer bereit bist, wenn du glaubst, dass du deinen Körper, das Essen und die heillose Erschöpfung im Griff hast, wenn du eine Geschichte über ein knallhartes Team erzählen willst und wenn du dein Leben verändern willst, dann mach dich auf und gib dir den härtesten Job der Welt!

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