Red Bull Wa'a: Kanu-Paddling extrem!

Wir präsentieren: Team Red Bull Wa’a – eine Gruppe hawaiianischer Paddler, die ihresgleichen sucht.
Von Beau Flemister

Es wäre ganz klar eine Untertreibung, zu sagen, dass die Beziehung der Hawaiianer zu ihren Auslegerkanus, oder anders Wa’a (vah-ah ausgesprochen), „nur“ eine tiefergehende ist. In früheren Tagen war immerhin die ganze Existenz der hawaiianischen Inseln von den schmalen Paddelbooten abhängig. Bilder von Menschen in Kanus, die einem glänzenden Horizont entgegen paddeln, wurden hier eher mit Emigration als mit Leistungssport verbunden.

Team Wa
Team Wa'a trainiert in hawaiianischem Gewässer © Brian Bielmann/Red Bull Content Pool

Bevor sich das Wa’a zu einer Freizeitaktivität entwickelte, wurde es zu Erkundungszwecken verwendet. Von Polynesien aus legten die Männer und Frauen in den Kanus ab und begaben sich in die Weiten des Meeres. Sie folgten unbekannten Strömungen, erstellten Sternkarten und jagten Vögel, Haie und Wale, bis sie der Wind hin zu unerforschten Inseln trieb. Viele Jahrhunderte, bevor die ersten europäischen Seemänner auch nur eine Ahnung von der Inselkette im Pazifischen Ozean hatten, waren es die Kanus, die eine Eroberung und Besiedelung unbewohnter hawaiianischer Gebiete erst möglich machte.

Die Crew bereitet Geschenke für Pele vor © Kaikea Nakachi

Aber das war damals. Heute zählt das Paddling (wie es zu gegenwärtiger Zeit genannt wird) in Hawaii – und in vielen Küstenregionen weit über Polynesien hinaus – zu den beliebtesten Sportarten. Das Wa’a hat ganz Hawaii eingenommen.

Alleine auf der Insel Oahu gibt es 18 verschiedene Kanu-Clubs – mit den Nachbarinseln zusammengenommen sind es insgesamt 30. Das regt natürlich den Wettbewerb an, der vor allem in der sechsmonatigen Saison zwischen April und Oktober ausgetragen wird. Seinen Höhepunkt feiert dieser in einem massiven Event, das sich Moloka’i Hoe nennt – ein Kanurennen, dass auf offenem Gewässer von Moloka’i bis nach O’ahu ausgetragen wird und durch den heimtückischen Ka’iwi-Kanal führt.

Wir präsentieren: Red Bull Wa’a!

Red Bull Wa'a © Kaikea Nakachi
Wenn Lava in das Meer fließt - Kalapana, Hawaii © Kaikea Nakachi

An der Westküste der Insel Hawaii, der Hauptinsel der Inselkette sozusagen, hat sich ein Super-Team von furchtlosen hawaiianischen Paddlern versammelt und das Team Red Bull Wa’a gegründet. Mehr als die Hälfte des Teams trat zuvor für Na Koa O Kona an, kein Wunder also, dass sich Red Bull Wa’a schnell zu einer starken Truppe heranreifte, die die Konkurrenz erstmal schlagen muss. Immerhin schaffte es das Team im Frühsommer die Hawaiian Airlines Liberty Challenge in New York für sich zu entscheiden. Ihr nächstes Ziel: Das Catalina Crossing, ein anstrengendes Rennen über 61 Kilometer, das durch das kalte Gewässer zwischen den Kanalinseln von Kalifornien führt. Wer oder was kann das Red Bull Wa’a Team dort neben dem erbarmungslosen Wind und den tückischen Gewässern noch aufhalten? Die Konkurrenz aus Tahiti ist da ganz gefährlich.

Hawaii vs. Tahiti – Rivalen aus Tradition

Während das Kanu-Paddling in anderen Ländern nur eine weitere Wassersportart ist, ist es in Hawaii und in Tahiti DER Sport schlechthin. In Tahiti sind die Athleten große Berühmtheiten, die von der ganzen Nation geliebt werden. Paddling ist dort ein Full-Time-Profi-Sport, der von vielen großen Marken unterstützt wird und laufend im Fernsehen übertragen wird. In Hawaii hingegen wird er zwar sehr ernst genommen, doch haben die Athleten daneben noch Jobs und Familie.

Da überrascht es auch nicht, dass bei vielen Events die Teilnehmer aus Tahiti dominieren. Auch das Moloka’i Hoe (eine Art von World Cup im Kanu-Paddling-Sport) gewannen die Tahitianer so ziemlich jedes Mal, seitdem sie vor 10 Jahren das erste Mal angetreten sind. Heute holen hawaiianische Teams (vor allem die Jungs von Red Bull Wa’a) aber immer weiter auf und schaffen es die Favoriten aus Tahiti mitunter auch zu schlagen.

„Ja, Tahiti hat die meisten Rennen in den letzten 10 Jahren gewonnen, aber als unschlagbar gelten sie heute nicht mehr, wenn man einen Blick auf die Entwicklung unserer Jungs wirft. Jahr für Jahr holten sie weiter auf die Tahitianer auf.“, erzählt Kaikea Nakachi, Team-Fotograf und Crew-Support im Team Red Bull Wa’a. „Vor vier Jahren gewann Tahiti das Moloka’i Hoe noch mit ganzen 10 Minuten Vorsprung, letztes Jahr waren es nur mehr eineinhalb bis zwei Minuten. Langsam aber sicher schließen wir diese Lücke.“

Man kann hier sicher von einer Art Underdog-Geschichte sprechen. Auf der einen Seite gibt es die Profi-Athleten aus Tahiti, die Paddling als Full-Time-Job betreiben und die darin echt gut sind. Auf der anderen Seite stehen die Familienväter und Arbeiter aus Hawaii, die mittlerweile fast genauso gut, wenn nicht sogar hungriger nach dem Sieg sind.

Kaikea Nakachi
Das Team und ihre Geschenke - bereit für den Kampf © Kaikea Nakachi

„Was bisher als nicht erreichbar galt, ist heute möglich. Wenn wir das Catalina-Rennen betrachten, ist die Konkurrenz zwar stark, aber einige hawaiianische Teams konnten dort bereits gewinnen. Und wir hätten auch letztes Jahr gewonnen, wenn sich das Kanu nicht gedreht hätte und die Jungs dadurch die paar Minuten Vorsprung nicht verloren hätten. Dieses Jahr aber sind sie richtig wild darauf, das wieder gut zu machen und sich den Titel zu holen.“

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