«Für diesen Event muss man sich neu erfinden»

OL-Profi Martin Hubmann über die Tücken des Red Bull Alpitude, das am 8. Oktober Premiere feiert.
Martin Hubmann im Interview © Remy Steinegger
Von Palomino Tango

Martin Hubmann, du hast schon je eine Goldmedaille an Welt- und Europameisterschaften gewonnen. Ab wann war für dich klar, dass OL dein Sport ist?

Meine beiden älteren Brüder haben schon vor mir damit begonnen – und so lag es auf der Hand die Familiensportart zumindest mal auszuprobieren. Zuerst hab ich im Alter von 10 bis 12 aber neben-bei auch noch Fussball gespielt, war in der Jugi sowie in der Leichtathletik aktiv. Bis ich 15 war, zog ich die Leichtathletik-Wettkämpfe dem OL gar vor. Dort wurde ich aber immer erfolgreicher, bis ich nur noch auf die Karte OL gesetzt habe.

Für das Red Bull Alpitude können sich Hobby- wie auch Profi-Läuferinnen und -Läufer noch bis am 26.09.2016 um 23:59 Uhr hier anmelden.

Martin Hubmann © Remy Steinegger

Dein Bruder Daniel gilt ebenfalls als einer der erfolgreichsten Schweizer OL-Läufer. Wie muss man sich den Wettkampf innerhalb der Familie vorstellen?

Die Erfolge von Daniel haben mich natürlich stets angespornt. Als er seine erste WM-Medaille ge-holt hat, begann ich auch davon zu träumen, so etwas zu erreichen. Dank des Altersunterschieds von sechs Jahren konkurrenzierten wir uns aber lange Zeit nicht – in meiner Juniorenzeit war Dani sogar mein Trainer. Und dann, als ich ihm langsam das Wasser reichen konnte, stachelte ich ihn vermutlich damit auch an – um die Familien Hierarchie aufrecht zu erhalten. Das macht er bis heute ganz gut (lacht).

Nun läufst du am 8. Oktober am Red Bull Alpitude gegen Profis und Amateure – was erwartest du?

Das Red Bulll Alpitude wird ein exklusiver Anlass mit ungewöhnlichen Regeln, was zu Überra-schungen führen könnte. Da werden sich sowohl Amateure, aber auch Profis neu erfinden müssen.

Was macht die Regeln derart ungewöhnlich – und inwiefern unterscheidet sich das Red Bull Alpitude von anderen Wettkämpfen?

Normalerweise gewinnt beim OL derjenige, der die Posten in vorgeschriebener Reihenfolge am schnellsten angelaufen hat. Beim Red Bull Alpitude gibt es aber ein Zeitlimit. Dabei müssen die Pos-ten in beliebiger Reihenfolge angelaufen werden. Zudem geben sie unterschiedlich viele Punkte. Wer am meisten Punkte sammelt, gewinnt.

Dein Fokus?

Die Schwierigkeit liegt darin, die richtige Taktik zu wählen und die Planung unter Zeitdruck zu voll-ziehen. Meine Strategie verrate ich aber keineswegs.

Martin Hubmann © Remy Steinegger

Was hat dich am Event gereizt, weshalb deine Zusage?

Für mich war sofort klar, dass ich dabei sein muss. Ich bin offen für Neues und mag den taktischen Faktor bei den Rennen – wie dies beispielsweise auch bei der Staffel der Fall ist.

Hat jemand, der noch nie einen OL lief, Chancen mitzuhalten?

Es ein taktisches Rennen. Wer läuferisch im alpinen Gelände mithalten kann, darf sich auch Hoff-nung auf einen Spitzenplatz machen. Das Finden der verschiedenen Posten kann man auch ande-ren Läufern überlassen, jedoch gibt man so die Kontrolle in fremde Hände. Aber wer weiss, ob die Profis wirklich immer die beste Strategie wählen? Und dies ohne Fehler?

Der simpelste Trick, den du den Amateuren mitgeben kannst?

Beim allgemeinen Orientierungslauf: Wo bin ich, wo will ich hin, los geht’s! Beim Red Bull Alpitude: Gut geplant ist halb gewonnen.

Ein unangenehmes Thema: Mitte Juli wurdest du beim Training von einem Auto angefahren. Wie ist das passiert?

Beim Training in einem verwinkelten Dorf prallte ich nach einer Hausecke im vollen Lauftempo mit einem Auto zusammen. Ich dachte, ich könne die WM begraben. Doch ich hatte Glück im Unglück und Knochen aus Stahl. Ich hatte mir beim Zusammenprall nichts gebrochen und nur eine Prellung am Wadenbein eingefahren. Wenn auch eine ziemlich heftige.

An der WM in Schweden hast du dir dann mit dem Team trotzdem Silber geangelt…

Ja, mit Silber habe ich mein WM-Ziel einer Medaille erfüllt – und bin sehr glücklich darüber. Auch weil die Ungewissheit über meine Form nach dem Unfall gross war und die Schmerzen bis wenige Tage vor der WM anhielten.

Und was ist nun das Ziel am Red Bull Alpitude?

In erster Linie geht um das Erlebnis im alpinen Gelände. Aber natürlich werde ich mein Bestes ge-ben – und um den Sieg mitkämpfen.

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