Fünf Dinge, die OL-Läufer nicht mehr hören können

Weltmeisterin Judith Wyder über Vorurteile, Fragen und Klischees in Sachen Orientierungslauf.
Weltmeisterin Judith Wyder in Thun © Emily Collinge / Red Bull Content Pool
Von Tobias Wedermann

Judith Wyder ist eine der besten OL-Läuferinnen der Welt – mit mehreren gewonnen Goldmedaillen bei Welt-, Europa- und Schweizermeisterschaften. Doch auch Wyder hat mit Vorurteilen und mühsamen Fragen zu kämpfen. Das sind die fünf nervigsten Themen, zu denen die 28-jährige Bernerin regelmässig Stellung nehmen muss.

Wieso schaut ihr euch die Routen nicht einfach vor dem Rennen an?
«Das werde ich immer wieder gefragt. Dabei macht es aufgrund mehrerer Faktoren keinen Sinn», so Wyder. Denn: Die Gebiete rund um die Rennrouten werden bis zu vier Jahren vor dem Event für Trainings gesperrt und von offizieller Seite immer wieder kontrolliert. «Wenn man erwischt wird, wird automatisch das ganze Team gesperrt», sagt Wyder. Dieses Risiko lohne sich auf keinen Fall. Zudem: «Wir kriegen die finale Karte erst wenige Minuten vor dem Start – man kann die exakte Route also so oder so nicht trainieren.» Aber, immerhin: Um mit sich mit der Landschaft vertraut zu machen, setzen sich Profis zumindest teils mit benachbarten Gebieten auseinander.

Wieso ist OL nicht olympisch?
«In erster Linie nervt mich diese Aussage. Es ist halt einfach so.», so die 28-Jährige. Viele Personen seien deswegen total überrascht. «Der OL-Verband bemüht sich sehr darum, ich bin jedoch sehr skeptisch, dass sich das in naher Zukunft ändern wird», fügt Wyder an. Zum einen sei das Programm der Sommerolympiade bereits sehr voll, zum anderen läge der OL-Fokus (trotz wachsendem Interesse aus der ganzen Welt) weiterhin klar auf und in Europa.

Orientierungslauf ist nicht TV-würdig!
Eine Behauptung, die Wyder null nachvollziehen kann: «Das stimmt einfach nicht! Wer das behauptet, hat noch nie einen OL im Fernsehen gesehen.» Besonders bei den Sprintdisziplinen gäbe es sehr attraktive, spannende und actionreiche Läufe, die auch Nichtinteressierte vor dem TV durchaus zu begeistern vermögen.

Der ewige Vergleich mit Simone Niggli-Luder.
«Mit ihren 23 Weltmeistertiteln hat Simone definitiv Grossartiges erreicht und viel zum jetzigen Stellenwert der Sportart beigetragen», sagt Wyder. Dennoch sei es teilweise gar nicht einfach gewesen für sie: «Besonders in meinen jungen Jahren war Simone stets im Fokus – ich konnte einen tollen Lauf machen und Zweite werden, doch niemand hat sich dafür interessiert.» Sie hätte sich teilweise schon bisschen mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit und den Medien gewünscht. «Mittlerweile kann ich das aber gut einordnen – und Simone ist eine gute Freundin von mir», so Wyder.

Das ist kein richtiger Sport – wieso hast du dich dafür entschieden?
Diese Frage findet immerhin (und einzig) darin ihre Berechtigung, als dass Wyder beinahe auch in Sachen Leichtathletik und beim Langlauf auf internationalem Niveau mitgemischt hätte. «Ich habe beide Sportarten lange und sehr aktiv verfolgt – fürs totale Commitment, um Profi zu werden, reichte es aber nicht», so die Bernerin. Diese Leidenschaft habe sie nur für den Orientierungslauf entwickeln können, obwohl andere Sportarten finanziell deutlich attraktiver wären. «Die Mischung aus körperlicher Belastung und Beanspruchung des Verstands macht es für mich einfach aus», sagt Wyder. Und nimmt damit auch gleich den Sport-Kritikern jeglichen Wind aus den Segeln.

Am Samstag 8. Oktober startet Judith Wyder am Red Bull Alpitude in Arosa - der Einzel-Score-OL für Amateure und Profis , bei dem die Teilnehmer in einer begrenzten Zeit auf zwei Höhenlevels mit zwei verschiedenen Karten so viele Punkte wie möglich sammeln müssen. Du willst mitmachen? Jetzt anmelden! 

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