Start-up: Schweizer erobert NYC mit Memberkarte

Die amerikanische Generation Y fährt auf eine schwarze Memberkarte ab – von einem jungen Zürcher.
Magnises 2 Jahr Feier © ZVG
Von Palomino Tango

Der 23-jährige Martin Howell sorgt mit seinen Geschäftspartnern derzeit für mächtig Auf-sehen in der amerikanischen Start-up-Welt. Dies aber nicht mit einer neuen Social-Media-App oder einer Idee für ein Hightech-Produkt, sondern mit einem Memberclub. Egal ob Künstler, Model oder Banker - die schwarze Magnises-Memberkarte ist derzeit ein Must-have für jeden New Yorker, der etwas auf sich hält. «Anfang 2014 haben wir in New York angefangen, im vergangen Jahr kam Washington D.C. dazu und bis Ende Jahr wollen wir unsere Dienstleistung in zehn weiteren US-Städten anbieten», so Howell, der in Zürich aufgewachsen ist. San Francisco, Boston und Chicago sollen bereits in den kommenden Monaten zum Magnises-Angebot gehören.

Angefangen hat das Projekt mit einer Idee von Magnises-CEO und Mitgründer Billy McFarland. Ein Tech-Genie, das im Alter von 13 Jahren seine erste Firma gründete, um diese bereits ein Jahr später gewinnbringend weiterzuverkaufen. McFarlands Idee: Eine x-beliebige Kredit- oder Debitkarte eines Finanzinstitutes auf eine neutrale und elegante-re Karte umzuleiten. «Wir wollten, basierend auf dieser Idee, etwas mit einem Mehrwert für den Kunden aufbauen und nicht nur eine Karte anbieten», so Howell, der anschlies-send die entscheidende Idee mitentwickelte. «Mit 14 Jahren verliess ich Zürich, um auf ein Internat in New Yorks Nähe zu gehen», erzählt der heute 23-Jährige, der einen US-Pass besitzt. In den vergangenen Jahren habe er sehr viel Zeit im Ausgang verbracht und sei somit fester Bestandteil der jungen New Yorker Szene geworden.

Magnises Card New York © ZVG

«Ich wurde zu einer Art New-Yorker-Reiseveranstalter für meine ganzen Freude aus Eu-ropa und deren Freunde und Freundesfreunde», so Howell weiter. Die Stadt sei extrem schnelllebig und vielseitig. Für Aussenstehende, die neu in die Stadt ziehen würden, sei es oft nicht einfach, interessante Leute ausserhalb der Arbeit kennenzulernen. Auch wüss-ten sie meist nicht, welche Lokale gerade populär seien und wie man letztlich in diese Lokale reinkomme oder eine Reservation tätige. «Obwohl es noch keinen Memberclub dieser Art gab, war ich überzeugt, dass es ein grosses Interesse an einer derartigen Com-munity geben könnte», sagt Howell.

Er sollte recht behalten: Nach zwei Jahren hat Magnises bereits 28 Vollzeitangestellte und über 15’000 Members - täglich kommen über 100 neue Bewerbungen hinzu, von denen aber nur ein Bruchteil angenommen wird. «Uns ist nicht der Kontostand oder der Bekanntheitsgrad der einzelnen Members wichtig - wir wollen in erster Linie junge Per-sonen, die etwas in ihrem Leben erreichen wollen oder dies bereits getan haben», sagt Howell. Mit einer jährlichen Gebühr von 250 Dollar sei man zudem eher im unteren Be-reich. «Wir habe sehr talentierte Künstler und Musiker, die auf den Durchbruch hoffen sowie Finanz-Führungskräfte im Durchschnittsalter zwischen 24 und 28 Jahren, die zu unseren Members gehören.»
Diese Zielgruppe weckte auch das Interesse der ganz grossen Firmen: «Unternehmen wie Tesla, Samsung oder Uber wollen mit uns zusammenarbeiten, um spezielle Angebote und Events für unsere Member zu entwickeln», so Howell. Weiter erzählt er: «Auch diverse Restaurants und Hotels melden sich und wollen ihre Räumlichkeiten für unsere Members kostenlos zu Verfügung stellen. Das sind Win-Win-Situationen, die aber zuerst streng kontrolliert werden, um den Ansprüchen gerecht zu werden.» Ein normaler Tag im Leben eins Magnises-Mitglied kann somit schnell unvergesslich werden. «Am Morgen kann man in einem unserer Memberspaces arbeiten und Meetings vereinbaren, am Nachmittag geht es zu einer Testfahrt mit dem neuen Tesla-Modell, am Abend organisiert unser Con-cierge-Team ein Abendessen in einem Szenelokal und anschliessend feiert man an einer members-only Party im angesagten Nachtclub Up & Down», so der junge Zürcher.

Martin Howell © ZVG

Die Zukunft für Magnises und Howell sieht vielversprechend aus. Alleine im vergangen Jahr stieg der Umsatz bereits um 75% auf 2.1 Millionen Dollar. Für die neuen Städte habe man schon tausende Interessenten und auch mit der eigenen App hat man grosse Pläne. «Derzeit haben alle Mitglieder die Übersicht über die populärsten Nightclubs, Restau-rants und Events. Ein Concierge-Team steht zudem für weitere Fragen und Wünsche 12 Stunden pro Tag zur Verfügung. Künftig soll aus der App eine ganze Community werden und so der erste Ansprechpartner, wenn man in einer Stadt ankommt», so Howell. Auch international soll Magnises bald ein Thema werden: «Ich würde mich über eine Magni-ses-Community in Zürich sehr freuen.»

Dort sieht er auch seine Zukunft. «Es wäre uns sicher nicht möglich gewesen, ein derarti-ges Projekt aus der Schweiz zu starten, aber Zürich ist mein Zuhause und für mich die schönste Stadt der Welt», so Howell. Zuerst will er sich aber noch weiter auf Magnises und Übersee konzentrieren – und auch ein künftiges Projekt im Bereich der alternativen Energie schliesst Howell nicht aus. Dabei vertraut er auf Werte wie Respekt, Ehrlichkeit und langfristiges Denken, die er aus der Schweiz mitgenommen hat: «In den USA arbei-ten viele nur für den kurzfristigen Erfolg und die eigenen Interessen - respektvoller Um-gang ist besondere in NYC nicht alltäglich.»

Lerne diese jungen Schweizer kennen, die im Ausland ihr Ding durchziehen. Angefangen hat es immer mit einem Traum. Den haben sie zur Realität gemacht. Wir haben sie mitten in ihren Abenteuern besucht.

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