Dieser CH-Banker kündigte für ein Leben auf Reisen

„Vagaboom“ ist das Traum-Projekt eines Zürchers und seiner Frau. Hier erzählt er seine Story.
Demis mit seiner Frau – alias Vagaboom
Von Demis von Vagaboom

«Ich glaube, dass man im Leben nichts wirklich planen kann. Das Leben ist ein Momentum, man muss Dinge so nehmen, wie sie kommen. Mein Vater kommt aus Spanien, meine Mutter aus Italien und ich bin in der Schweiz geboren. Die Familienkonstellation hat dazu geführt, dass ich mich nie wirklich an einen Ort binden konnte und ständig unterwegs war. Nichtsdestotrotz muss man auch als kleiner Knirps gewissen Anforderungen gerecht werden. In meinem Fall war dies eine Ausbildung.

Erst nach meinem Lehrabschluss konnte ich mich finanziell von meinen Eltern entbinden und mich mit folgenden Fragen auseinandersetzen: Wie geht es nun weiter? Arbeiten, Geld anschaffen? Oder ist nun bereits der Moment gekommen, in dem ich mit meinen ersparten 5’000 Franken losziehe und den Traum meiner Weltreise erfüllen kann? Irgendwie hatte ich im Verlauf der Lehre bei einer Schweizer Grossbank an ein finanzielles Polster gewöhnt – und die feste Arbeitsstelle im Private Banking, die mir angeboten wurde, hat mir den Abschied aus der Schweiz auch nicht leichter gemacht. Also biss ich (ein wenig knirschend auch) auf die Zähne, nahm die Stelle an und habe berufsbegleitend die Berufsmittelschule BMS nachgeholt.

Ein Leben auf Reisen.

In diesen anderthalb Jahren bin ich durchgedreht. Die Branche, die Leute und generell diese Arbeit ergaben und ergeben für mich keinen Sinn. Wie kann ich mich selber wertschätzen und meinen Mehrwert zum menschlichen Dasein beitragen? Diese Fragen in mir konnte kein materielles Gut stillen. So habe ich ein Studium definitiv ausgeschlossen und habe mir gegen den Willen meiner Familie und meines Umfelds ein One-Way-Ticket nach Hong Kong gelöst.

Dies war der erste wichtige Schritt, den ich mit 21 Jahren vollzogen habe, um in die Fussstapfen meiner Kindheitshelden zu treten. In den darauffolgenden zwei Jahren konnte ich meine Reiselust mit diversen Trips befriedigen. Ich war in China, Laos, Kambodscha, Indonesien, Neuseeland, Kuba, Panama, Nicaragua, Ecuador, Kolumbien, auf den Osterinseln, in Guatemala, Indien und vielen Ländern mehr.

Ein Leben auf Reisen.

Obwohl diese Phase ziemlich nahrhaft für Geist und Seele war, hatte ich in der Schweiz noch eine Angelegenheit offen: Meine Einbürgerung! Der Schweizer Pass war aufgrund der Militärpflicht (beziehungsweise der dazugehörigen Steuer) nie ein Thema. Doch die Situation hatte sich geändert, der Schweizer Pass war sinnvoll geworden, ins Militär wollte ich dennoch nicht. Zwei bis drei Jahre lang war ich also zurück, nutzte die Zeit, um bei der Bank Geld zu verdienen und gleichzeitig viel zu reisen. Als ich den Schweizer Pass bekam, war ich dann aber definitiv weg. Und als das Militär auf mich aufmerksam wurde, war ich in der Schweiz bereits abgemeldet und arbeitete auf Ibiza.

Mit dem erwirtschafteten Geld tat ich mir ein neues Fahrrad zu – und entschloss, die Erde mit dem Velo zu umfahren. Auch wenn ich noch nie zuvor ein Rad gewechselt hatte und alles andere als ein Velonarr gewesen bin, ist es nun doch schon über ein Jahr her, seit ich mit meinem Zweirad den Weg angetreten habe. In diesem Jahr bin ich nach Spanien gefahren und von Madrid dann weiter nach Cancun mit dem Flugzeug. In Mexiko durchfuhr ich dann mehrere Staaten, ehe ich meine alte Liebe in Zipolite wieder traf. Blitzartig hatte es zwischen uns erneut gefunkt. Eine Woche später verliess sie die Ortschaft bereits wieder und ging nach Hause - nach Monterrey. Ich war fest entschlossen, den gleichen Weg mit dem Velo in Angriff zu nehmen.

Ein Leben auf Reisen.

Kurz nach meiner Ankunft haben wir geheiratet, ihr ein Fahrrad gekauft und sind gemeinsam losgezogen. Wir integrierten uns in verschiedenen voluntären Projekten und haben gemeinsam eine neue Art zu Reisen entdeckt. In Monterrey erlitt meine Frau leider einen Unfall und war für längere Zeit ausser Gefecht gesetzt. Diese Zeit nutzten wir, um VagaBoom ins Leben zu rufen. VagaBoom ist ein Lebensstil, abseits von jedem materiellen Reichtum. Mit dem Minimum, aber absoluter Freiheit entdecken wir nun die Welt neu – und lassen Freunde und Freundesfreunde per Facebook, Instagram und Tumblr daran teilhaben. Unseren Unterhalt verdienen wir unterwegs mit diversen Arbeiten. Die meiste Zeit packen wir mit an, um jeweils einen Schlafplatz und Essen zu ergattern. Das funktioniert ganz gut.

Falls wir mal auf Geld angewiesen sind, orientieren wir uns nach saisonalen Arbeitsmöglichkeiten in den jeweilgen Ortschaften. Dies variiert zwischen Ernten von Trauben oder Marihuana über Strassenkunst bis hin zum Barkeeper-Job. Jeder Tag ist ein Geschenk. Die Schweiz trage ich im Herzen, dennoch spürte ich, dass ich mein Potential und meine persönliche Entwicklung dort nicht ausschöpfen kann. Es ging mir in der Schweiz zu gut. Und dies schadete mir eher, als dass es mir etwas brachte. An eine Rückreise denke ich drum nicht. »

Ein Leben auf Reisen. Weitere Bilder von Vagaboom:

Zur Facebook-Seite des jungen Zürchers und seiner Frau geht es hier.

Lerne diese jungen Schweizer kennen, die im Ausland ihr Ding durchziehen. Angefangen hat es immer mit einem Traum. Den haben sie zur Realität gemacht. Wir haben sie mitten in ihren Abenteuern besucht.

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