Bike: Fahrtechnik für Fortgeschritten

René Wildhaber zeigt, wie es richtig geht.
Spitzkehren - nur eine Frage der Technik © Valentin Müller
Von Valentin Müller via Duckstance.com

Nach den Basics des Parkfahrens im ersten Teil und der Einführung ins Springen im zweiten Teil, zeigt René Wildhaber im dritten Teil Techniken für fortgeschrittene Fahrer.

Surfen

Das Surfen stellt die fortgeschrittene Form des Pushens dar, welches wir bereits zu Beginn behandelt haben (Link). Dazu fährst du wie immer in der Grundposition auf die Welle an (Bild 1). Sobald du in der Hebung der Welle bist, bringst du deinen Körperschwerpunkt nach hinten über das Hinterrad (Bild 2). Somit entlastest du das Vorderrad, welches sich dadurch einfacher vom Boden löst (Bild 3). Bist du mit dem Hinterrad über den höchsten Punkt der Welle, nutzt du deine Beine, um das Hinterrad in die Mulde nach unten zu drücken (Bild 4). Du wirst dadurch eine Beschleunigung bemerken, die du mit deinem Körperschwerpunkt etwas ausgleichen musst. Wichtig dabei ist, dass der Ausgleich primär über den Körper und nicht über die Arme erfolgt. Halte deine Arme also die ganze Zeit gestreckt. Um zu vermeiden dass du mit zu viel Rücklage hinten raus fällst, solltest du immer einen Finger an der Hinterbremse haben, denn ein kurzes Ziehen bringt dein Vorderrad im Nullkommanichts wieder auf den Boden. Sobald die Hebung der nächsten Welle beginnt musst du deinen Körperschwerpunkt wieder nach hinten bringen (Bild 5). Von da geht das Spiel von vorne los. Hast du genug gesurft, reicht es das Gewicht nach vorne zu bringen (Bild 9).

Offcamber

Eine Offcamberkurve bezeichnet eine Kurve, die keinen Anlieger besitzt und nach unten abfallend ist. Du hast also nicht die Möglichkeit dich in die Kurve hineinzulegen. Dein Körperschwerpunkt liegt also immer senkrecht über deinen Rädern. Suche dafür noch in der Anfahrt die Linie mit dem besten Halt (Bild 1). Knicke deine Hüfte und somit dein Bike in die Kurve hinein (Bild 2). Nutze dein Knie um den Rahmen zu führen, das gibt dir etwas mehr Stabilität (Bild 3). Suche so früh wie möglich den Kurvenausgang mit deinem Blick. Das wird dir helfen deine Linie zu halten und nicht nach aussen abzudriften. Die Balance auf dem Bike hältst du , indem du deine Hüfte nach innen oder aussen bewegst. Wichtig ist, dass du während des gesamten Manövers den äusseren Fuss unten hältst. Dadurch verhinderst du den Bodenkontakt mit deinen Pedalen. Gegen Ende der Kurve wandert deine Hüfte wieder nach aussen (Bild 7), du kannst dein Bike danach entlasten.

Belasten/Entlasten

Mit dieser Technik überwindest du ruppige Streckenteile relativ leicht. Hast du zum Beispiel ein Stein- oder Wurzelfeld vor dir, kannst du dieses mit entlasten relativ gut passieren. Suche dafür schon in der Anfahrt nach Stellen am Boden, welche sanft zu fahren sind und guten Halt bieten (Bild 1). Diese Stellen nutzt du, um dein Bike voll zu belasten. Bringe dazu ordentlich Druck auf den Lenker und auf die Pedale, indem du dich streckst (Bild 2). Dadurch werden deine Federn vorgespannt. Kurz vor der ruppigen Passage machst du genau das Gegenteil und entlastest dein Bike, indem du dich klein machst (Bild 4). Dadurch hast du kaum noch Druck auf den Untergrund und du bist somit weniger anfällig auf Schläge, die vom Boden her kommen. Wichtig ist, dass du bereits im voraus eine Stelle anvisierst, auf welcher du dein Bike wieder belasten kannst. Denn ewig kannst du dein Bike leider nicht entlasten. Auf dieser Stelle streckst du dich wieder und suchst den Bodenkontakt (Bild 6).

Rad umsetzen

Das Umsetzen des Hinterrades benötigst du vor allem bei engen Spitzkehren. Fahre dazu weit aussen an, um den Kurvenradius so gross wie möglich zu halten (Bild 1). Denke daran, dass dein Hinterrad auch noch ein wenig Platz benötigt beim Versetzen. Suche auf der Innenseite der Spitzkehre einen Punkt, auf dem du dein Vorderrad gut platzieren kannst (Bild 4). Stelle dein Vorderrad dahin und ziehe kurz die Vorderbremse (Bild 5). Hole noch vor dem Ziehen der Vorderbremse mit deiner Hüfte nach innen etwas aus. Sobald du die Vorderbremse gezogen hast, bringst du dein Gewicht nach vorne und bewegst deine Hüfte nach aussen (Bild 6 und 7). Dadurch hebt sich dein Hinterrad und bewegt sich nach aussen weg. Wichtig dabei ist, dass du genügend Platz hast, um dein Hinterrad zu versetzen. Hast du dein Hinterrad in die richtige Position gebracht, kannst du die Vorderbremse loslassen und dein Gewicht wieder etwas nach hinten bringen(Bild 9). Dadurch setzt sich dein Hinterrad und du kannst aus der Kurve raus fahren (Bild 10). Nützlich bei dieser Technik ist es, möglichst früh den Blick in die Ausfahrt zu lenken, da es dir damit einfacher fällt dein Hinterrad im richtigen Winkel zu versetzen.

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