Der Vergleich: Project CARS 2 vs echte Rennstrecke

Wir haben uns aufs Glatteis begeben und die Eispiste in Sorsele nicht nur virtuell befahren.
Spielgrafik: Die Eispiste im schwedischen Sorsele.
Spielgrafik: Die Eispiste im schwedischen Sorsele.
Von Ulrich Wimmeroth

Rennsport-Simulationen wie DiRT 4 von Codemasters oder das für Ende des Jahres angekündigte Project CARS 2 der Slighlty Mad Studios, versprechen einen noch nie dagewesenen Grad an Realismus. Aber kann die optische Präsentation und - ganz wichtig - das Fahrgefühl wirklich mit einem echten Wagen auf einer echten Strecke mithalten? Bei einem Ausflug auf eine Eispiste in Schweden, haben wir uns nicht nur virtuell aufs Glatteis begeben und den neuen Icetrack in Project CARS 2 ausführlich ausgetestet, sondern sind die Strecke auch selber gefahren. Schaut euch unbedingt dazu auch das Video am Ende des Artikels an!

Mit der Mercedes C-Klasse auf die Eispiste.
Mit der Mercedes C-Klasse auf die Eispiste. © Ulrich Wimmeroth

Fahren auf Eis und Schnee

In Sorsele, einem kleinen Ort in Schweden, nur ein paar Kilometer entfernt vom Polarkreis, unterhalten nahezu alle namhaften Fahrzeughersteller Teststrecken. Mit Mercedes-Benz sind die Entwickler der britischen Slightly Mad Studios eine Kooperation eingegangen und haben das Testgelände der Stuttgarter in Project CARS 2 als besondere fahrtechnische Herausforderung integriert. Bevor wir uns aber gemütlich im Warmen vor den PC setzen, klemmen wir uns bei empfindlichen Minusgraden erst einmal hinter das Lenkrad einer C-Klasse Limousine. So ein bisschen Eis und Schnee kann doch eigentlich wirklich kein grosses Problem sein. Aber schon bei den ersten Proberunden in einem Rundkurs auf dem zugefrorenen See merken wir: Ohne die zahlreichen Lenk- und Bremshilfen und lediglich mit Spikes an den Reifen, ist es eine echte Aufgabe das Serienauto auf dem spiegelglatten Untergrund unter Kontrolle zu halten. Ordentlich Gas geben und wenn der Wagen beginnt auszubrechen Gegenlenken, bloss nicht bremsen, erschallt die Stimme unseres Fahrlehrers aus dem Bordfunk. Leichter gesagt als getan, immerhin kommen wir aus einer Grossstadt, in der bei Sichtung der ersten Schneeflocke der Verkehr zusammenbricht.

Um so elegant zu driften, braucht es Übung
Um so elegant zu driften, braucht es Übung.

In einer engen Kurve nehmen wir zu spät den Fuss vom Gas und landen trotz wilden Lenkbewegungen mit einem bedrohlich klingendem Krachen in einem Schneehaufen. Unser Wagen steckt hoffnungslos fest und muss von einem Pannenfahrzeug herausgezogen werden. Ärgerlich. Aber nach einigen weiteren Runden bekommen wir ein Gespür für die Piste und haben unseren Wagen auch in Extremsituationen unter Kontrolle. Trotzdem spüren wir immer noch bei jedem Drift und jedem Bremsmanöver das Adrenalin in uns hochsteigen. Ein richtig gutes Gefühl. Ob uns das die digitale Version des Icetrack in Project CARS 2 auch bieten kann?

Die Fahrzeuge in Project CARS 2 sind echte Hingucker.
Die Fahrzeuge in Project CARS 2 sind Hingucker

Wie gut ist die Simulation?

Grafisch macht die gezeigte PC-Version des Spiels bereits ordentlich was her. Die Fahrzeuge sehen nahezu hyperrealistisch aus und gleichen bis auf die letzte Radmutter ihren Vorbildern. Die Strecke wurde mit Laservermessung und Luftbildern, aufgenommen von eigenen Drohnen, penibel genau digitalisiert und tatsächlich erkennen wir markante Punkte, wie eine besonders tückische Kurve oder eine auffällige Baumgruppe sofort wieder. Dazu ein dynamisches Wettersystem, das vom gleissenden Sonnenschein bis zum wilden Schneetreiben unterschiedliche Witterungen simuliert und den Untergrund unberechenbar macht. Optisch gibt es wirklich nichts zu meckern, aber wie fühlt sich das Fahren an?

Nur mit einem Standard-Controller ausgerüstet versuchen wir uns an der vereisten Strecke und versagen kläglich. Was noch vor ein paar Stunden in der Realität gelang, vor dem Bildschirm geht gar nicht mehr. Das diffizile Spiel von Gas, Bremse und Lenkung will einfach nicht gelingen, wir schlingern und schleichen um die Kurven und geben dabei wohl ein klägliches Bild ab. Erheblich besser wurde es, als wir in einem Racing-Seat Platz nehmen konnten, ein Lenkrad in die Hand und ein Gaspedal unter den Fuss bekamen. Jetzt wurde es endlich richtig authentisch und das Fahrgefühl kommt schon sehr nahe an das echte Erlebnis ran. Wenn es jetzt noch mit der VR-Unterstützung was wird, können wir ohne Angst vor einem Blechschaden kräftig Gas geben und trotzdem den Adrenalinschub geniessen. Nur mit einem Standard-Bildschirm und Controller ausgestattet, fällt unser Urteil aber deutlich aus: An ein echtes Rennen reicht die Simulation emotional nicht heran.

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