Report von der Rally d'Italia - Teil 2

Wir vollenden die Action von der Italien Rallye in Sardinien.
Rally d’Italia, Sardinien, 18. - 21. November, Petter Solberg, Ford Fiesta, WRC.
Solberg gewann die letzte Etappe der Rallye © Ford
Von Greg Stuart

Nachdem schlimmen Schock, ausgelöst durch Fords Abflug aus der Serie zu Beginn der Woche, muss es Malcolm Wilson ein ironisches Lächeln entlockt haben, als mit Evgeny Novikov and Ott Tanak beide M-Ford-Fiestas auf den Rängen Zwei und Drei einfuhren. Wilson könnte sich ein wenig gesorgt haben, dass der gelegentlich rücksichtslose Tanak in der gnadenlosen sardischen Landschaft ausfallen könnte – wenn es einen Loeb erwischen kann, ist sicherlich auch Tanak gefährdet. Doch es schien, als habe der junge estnische Fahrer an Bord seines Wagens während der Rallye auf den Rat seines Mentors Markko Martin gehört: „Wenn du keine Unfälle baust“, sagte er Tanak, „holst du bessere Resultate.“

Das war sicher auch die Strategie von Hirvonen, als er begann seine Minute Vorsprung vor Novikov zu verteidigen. „Natürlich konnte ich es beständig fahren, ohne Drücken zu müssen“, sagte Hirvonen. „Aber auch das ist nicht einfach, weil man seinen Rhythmus halten muss.“

Thierry Neuville fährt anstelle von Nasser Al-Attiyah, der sich Zeit erbat, um sich auf die 2012er-WRC-Schlacht in Dakar zu fokussieren. Der Belgier rollte mit seinen Wagen auf SS3 raus und verbrannte sich seine Finger an einer heißen Felge während er versuchte das Auto zurück zu schieben. Die Verbrennungen waren so schwerwiegend, dass Beifahrer Nicholas Gilsoul gezwungen war, das Auto über die Ziellinie zu fahren, ehe Neuville medizinisch versorgt werden konnte. Er versuchte weiter zu machen, um schließlich die Rallye im 18. zu beenden.

Ein anderer Youngster, der Skoda-Fahrer Sebastien Ogier, hatte es deutlich leichter. Der Franzose machte in seinem Fabia viel Druck und wurde in SS5 zum ersten Fahrer überhaupt, der eine WRC-Etappe in einem S2000-Spec-Auto gewann. Das verheißt Gutes für das nächste Jahr, wenn er, Latvala und sein aktueller Skoda-Teamkollege Andreas Mikkelsen im neuen Volkswagen Polo-WRC-Auto antreten.

Rally d’Italia, Sardinien, 18. - 21. November, Sebastien Ogier, Skoda Fabia S2000.
Sebastien Ogier gewinnt Etappe mit dem S2000 © Volkswagen Motorsport

Würden Punkte für Nächstenliebe vergeben – was sie leider nicht werden – dann hätte Yuri Protasov die Gruppe N-Klasse sicher noch komfortabler gewonnen, als er es ohnehin schon tat. Nachdem er am abgekommenen Ford von Martin Prokop vorbei war, beschloss der Ukrainer anzuhalten und zu helfen, anstatt weiter zu fahren.

„Jeder war an ihm vorbeigefahren. Das fand ich nicht nett.“, sagte Protasov danach. „Also habe ich angehalten, ihm ein Abschleppseil gegeben und ihn herausgezogen. Ich hoffe, andere Leute würden dasselbe für mich tun – aber wahrscheinlich würden sie das nicht!“ Prokop war von der Aktion von Protasov so berührt, dass er den Ukrainer nach der Etappe suchte und ihm eine Flasche Prosecco schenkte.

Vor dem letzten Tag sah Hirvonens Sieg sehr sicher aus, führte er doch nach der ersten Etappe mit 1min 28,2sek vor Novikov. Der Finne entschied die Rallye locker zu Ende zu fahren, was Mads Ostberg erlaubte, einen Sieg in dem Gallura SS15 Power-Etappe Probelauf zu verbuchen, während Petter Solberg die eigentliche Power Etappe SS16 gewann. Ostberg beendete schließlich den Tag auf dem Vierten, dank seiner höheren Taktung sammelte er in der gesamten Rallye mehr Siege als Hirvonen. Doch es war das beständige Tempo des Finnen, der kaum Fehler macht und auf eine solide Mechanik vertrauen kann, was ihm den Sieg sicherte.

„Wir sind hierher gekommen, um zu gewinnen. Wir taten das ohne die Fehler zu machen, die die anderen machten“, sagte Hirvonen nachdem er die Ziellinie von SS16 überquert hatte. „Mir der entschiedenen Meisterschaft, ging jeder einfach raus, um zu gewinnen – und genau deshalb sind so viele Leute gecrasht.“

Nur noch ein weiterer Event, in Spanien, steht in drei Wochen im World Rally Championship-Kalender aus. Ein Rennen, das sogar der ewig-lässige Loeb sicher verzweifelt gewinnen will, ist es doch das letzte Mal sein, dass der Franzose in der WRC als Vollzeit-Konkurrent gegen die anderen antritt. Heute gilt der Applaus aber seinem Teamkollegen Hirvonen, der sich auf das Auto Nummer eins von Citroen freuen darf, wenn die WRC im Januar nächsten Jahres in Monte Carlo ankommt.

Mikko Hirvonen und Jarmo Lehtinen bei der Rally d’Italia in Sardinien.
Mikko and Jarmo lassen sich bejubeln © Citroen Racing
read more about
Zur nächsten Story