Ein Gespräch mit Julian Stevens von KTM

Motorradtechniker und Mechaniker zitieren häufig die berüchtigten '7 Ps' - und die wären...?
Von Jonty Edmunds

Im Englischen stehen sie für „Proper Planning & Preparation Prevents Piss Poor Performances”, was soviel heißt wie: richtige Planung und Vorbereitung verhindern miese Leistungen! Das gilt heute genauso wie früher. Es bringt auch den Ansatz von KTMs Fabrikmechaniker Julian Stevens auf den Punkt. Julian blickt auf jahrelange praktische Erfahrung als Mechaniker zurück. Er ebnete Paul Edmondson und David Knight den Weg zum Erfolg in der Enduro World Championship und gewann das Sieger-T-Shirt öfter, als er sich erinnern kann. Er ist heute der Mann hinter Johnny Walker, dem Sieger des Erzbergrodeo 2012. ‘Smooth’, wie er gemeinhin genannt wird, weiß so ziemlich alles, was man über die Präparierung eines Motorrads vor einem Wettbewerb wissen muss.

“Die Vorbereitung beginnt sofort nach dem Ende eines Events. Beim Waschen eines Motorrads, bei einer wirklich gründlichen Reinigung kann man jeden Zentimeter des Bikes sehen” erläutert Julian. “Wenn man alle Plastikteile abnimmt, erreicht man die mechanischen Motorradbereiche und kann sie genau inspizieren. Ich mache einfach eine Liste aller nötigen Eingriffe, vom Vorderreifen angefangen in Richtung Hinterreifen. Beim Durchgehen der Liste sieht man dann weitere Dinge, die zu richten sind und es wird nichts übersehen. Es ist alles eine Frage der Organisation und der systematischen Vorgehensweise. Vor allem muss man sich genügend Zeit nehmen.”

Die Vorbereitung beginnt sofort nach dem Ende eines Events.

Hard Enduro ist gegenüber dem Fahrwerk immer gnadenlos. Ohne mechanische Schwierigkeiten einen Event durchzustehen, liegt laut Julian in den Händen des Mechanikers und des Fahrers gleichermaßen. “Ich muss das Motorrad zunächst gut vorbereiten und sicherstellen, dass es für die Bedingungen und die Geländebeschaffenheit bereit ist. Aber der Fahrer muss sich genauso um das Bike kümmern. Egal, wie gut hergerichtet ein Bike ist, wenn der Fahrer es den Berg hinunterwirft, wird er kaum ins Ziel kommen. Moderne Motorräder sind solide gebaut, aber nicht unzerstörbar. Jonny schont das Motorrad und schützt die Maschine so gut es geht, wie viele der besten Fahrer, mit denen ich zusammengearbeitet habe.”

Was macht Julian also bei der Vorbereitung des Bikes speziell für den Erzbergrodeo anders als beispielswiese für The Tough One? “Grundsätzlich ist die Vorbereitung die gleiche – das Bike wird so eingestellt, wie Jonny es mag und so, dass alles läuft, wie es laufen sollte. Dann sehen wir uns die Art des Rennens, die Wetterbedingungen, die Bodenverhältnisse usw. an und stimmen das Bike dementsprechend ab."

“Für den Erzbergrodeo würden wir ein paar weitere Schutzbleche hinzufügen, um das Bike vor all den Felsbrocken zu schützen. Wird es nass, dann kümmern wir uns um zusätzliche Imprägnierung. Je nachdem, ob es kalt, heiß, staubig oder was auch immer ist, nehmen wir kleine Änderungen vor, um auf Wetter und Verhältnisse entsprechend eingestellt zu sein.”

Julians wichtigster Tipp für die Vorbereitung eines Bikes für einen Hard Enduro-Event? “Gründlich reinigen, aufschreiben, was man braucht und was man mit dem Bike machen will, und an das nächste Rennen denken. Die meisten Fahrer verbringen vielleicht einen oder zwei Abende in der Garage und schrauben an ihren Bikes herum, aber sie sind keine erfahrenen Mechaniker. Man sollte die Zeit, die man am Bike arbeitet, optimal nutzen, aber die Finger von Sachen lassen, mit denen man sich nicht wirklich auskennt. Man sollte alles einmal tun und es richtig tun - und vor allem früh in der Woche. Dann kann man bei einem gravierenden Problem rechtzeitig einen Fachmann hinzuziehen. Und man sollte das Bike im Wettbewerb immer im Auge behalten … das bedeutet weniger Arbeitsaufwand vor dem nächsten Event.”
 

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