Jonny Walker – Richtung Erzberg

Ein Gespräch mit dem jungen Briten, der seinen Titel beim Red Bull Hare Scramble verteidigen will.
© Philip Platzer/Red Bull Content Pool
Von Robert Lynn

RedBull.com: Freust du dich, als Titelverteidiger wieder beim Red Bull Hare Scramble anzutreten?

Jonny Walker: „Das Erzbergrodeo ist der Höhepunkt meiner Saison. Ich liebe alles daran. Dort zu siegen, war unglaublich, und ich hoffe, dass ich das dieses Jahr wieder schaffe.”

RB: Wie sahen deine Vorbereitungen für das Rennen aus, auf welche Elemente hast du dich beim Fahren am meisten konzentriert?

JW: „In Erzberg kommt es darauf an, Strecken fahren zu können, die du dir schwieriger gar nicht vorstellen kannst. Man darf nichts dem Zufall überlassen. Nur, weil du letztes Jahr am Karl’s Diner gut warst, bist du nicht zwangsläufig dieses Jahr genauso schnell.”

Jonny Walker zeigt seine Kriegswunden
Jonny Walker zeigt seine Kriegswunden © Mathias Kniepeiss/Red Bull Content Pool

RB: Wie fühlt man sich an der Startlinie, wenn man auf das Startsignal wartet?

JW: „Für mich war es das bisher intensivste Gefühl überhaupt. Es ist fast schlimmer als das eigentliche Rennen. Du konzentrierst dich vollkommen auf die vor dir liegenden Stunden. Du versuchst, dir in Gedanken jeden Kursabschnitt vorzustellen. Es ist laut, da über dir Hubschrauber knattern und die Kamerateams überall um dich herum sind. Dann wird es ganz still, Karl Katoch hebt die Flagge und das Rennen geht los.”

RB: Welcher Abschnitt gefällt dir am besten?

JW: „Ich liebe den Start und die ersten Anstiege über die Hügel - zum Teil, weil es so schnell geht, und zum Teil, weil es chaotisch ist. An diesen ersten fünf Hügeln bergauf bin ich wahrscheinlich am stärksten. Ich weiß, dass ich bei einem guten Start vorne mein eigenes Tempo bestimmen kann. Danach beginnen die Qualen: das Tempo lässt nach, die Felsbrocken werden immer größer und die Hügel immer steiler. Die nächsten 90 Minuten geht es nur darum, dich durch soviel Schmerzen durchzuschlagen, wie du auf einem Bike nur aushalten kannst.”

© Predrag Vuckovic/Red Bull Content Pool

RB: Karl’s Diner war der wohl entscheidende Wendepunkt im Rennen 2012. Dort hast du erfahren, dass Graham Jarvis disqualifiziert worden war. Was war geschehen?

JW: „Ich war mit Volldampf gefahren, um einen möglichst großen Vorsprung auf Graham herauszufahren, da ich wusste, dass er dort schnell sein würde. Leider bin ich böse gestürzt, war dann etwas in Panik und fuhr nicht mehr so gleichmäßig. Dann rief Jonty (Edmunds) mir zu, dass Graham disqualifiziert war. Für mich war das zwar eine riesige Erleichterung, aber es war auch enttäuschend. Ich wollte ein Kopf-an-Kopf-Rennen bis zur Start-Ziel-Flagge.”

RB: Was macht Graham so stark?

JW: „Er ist unerschütterlich. Er zögert nie und fährt einfach immer weiter. Ich glaube, dass ist seine eigentliche Stärke. Dazu kommt, dass er umso besser fährt, je technischer es wird. Er ist vermutlich der beste Fahrer durch Karl’s Diner hindurch.”

© Mathias Kniepeiss/Red Bull Content Pool

RB: Wann hat man das Gefühl, dass man es bald geschafft hat?

JW: „Wenn man erst einmal die Spitze vom Dynamite erreicht hat, geht es praktisch nur noch weiter bergab. Auf dem Weg nach unten über den letzten felsigen Hügel trifft man auf einen querliegenden Ast – wie eine letzte Bestrafung. Er ist zu hoch zum Drüberfahren und zu niedrig, um darunter durchzufahren. Man muss absteigen und zu Fuß weiter. Ich glaube, genau das wollte Karl damit bezwecken. Sobald man den Baum überwunden hat, sieht man die Ziellinie.”

RB: Was hast du beim Sieg empfunden?

JW: „Es war unglaublich. Vergangenes Jahr war ich der Außenseiter. Doch als Karl mir die Siegerflagge überreicht hat, traf es mich wie ein Blitz, dass ich gerade das größte und härteste Rennen des Hard Enduro Kalenders gewonnen hatte. Es war unbeschreiblich.”

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