Fast Talk: Ilka Minor, WRC Beifahrerin

In Griechenland kam Ilka dem Sieg nahe. Nächster Stopp ist Italien, wo sie letztes Jahr Zweite war.
Ilka Minor ist beängstigend intelligent
Ilka Minor ist beängstigend intelligent © McKlein Image Database
Von Carl McKellar

Ilka Minor mag ihrem Namen zwar alle Ehre machen - sie spricht sanft und ruhig und ist im Vergleich zu den meisten Konkurrenten in der Rallye-Weltmeisterschaft winzig – aber man sollte ihre Beharrlichkeit nicht unterschätzen.

Sie fährt zusammen mit Evgeny Novikov im Ford Fiesta von M-Sport. Das Paar setzte sich in der gerade ausgetragenen Rallye Akropolis an die Spitze, bevor ein Felsbrocken sie aus der Bahn warf. Nach der Reparatur fuhren sie mit einem Tempo weiter, mit dem sie vermutlich ohne weiteres die Endsieger Jari-Matti Latvala und Miikka Anttila in ihrem VW hätten schlagen können.

Als Nächstes steht Sardinien an (20. – 22. Juni), wo die Bodenverhältnisse ähnlich wie in Griechenland sind und wo Minor als Beifahrerin mit Novikov vor zwölf Monaten auf den zweiten Rang und damit den bisher besten Platz fuhr.

Zeit für ein kurzes Gespräch mit Minor. Vermutlich haben wir auf unseren WRC-Reisen keine andere Person getroffen, die so beängstigend intelligent und absolut bezaubernd ist (was nicht immer zwangläufig zusammenpasst) wie Minor.

„Am Fahren liegt mir nichts"
„Am Fahren liegt mir nichts" © McKlein Image Database

Wann hast du beschlossen, Beifahrerin zu werden?

„Ich habe niemals irgendeine Leidenschaft für den Motorsport gehegt. Es war ein Sprung ins kalte Wasser. 1994 fuhr mein Freund Rallyes, doch sein Beifahrer hörte auf und sie brauchten einen Ersatz. Also fragten sie mich und es schien mir zu gefallen.“

„Es kommt alles zusammen: die technische Seite des Autos, die Zusammenarbeit mit dem Fahrer und dem Team, das Lesen der Pace Notes, das Tempo auf der Strecke.”

Wie fühlt man sich auf dem Beifahrersitz?

„Ich glaube nicht, dass man diese Erfahrung jemandem beschreiben kann, der das noch nie versucht hat. Es ist vielleicht ein bisschen so, wie wenn man zum ersten Mal in den Weltraum fliegt. Die Leute glauben manchmal, die eigentliche Arbeit mache nur der Fahrer, dabei machen beide gleichviel. Wenn der Beifahrer nicht richtig arbeitet, arbeitet der Fahrer nicht richtig.

„Wenn ich jetzt aufhören müsste und mich jemand in 20 Jahren auffordern würde, wieder Beifahrerin zu sein, dann würde ich Ja sagen. Es ist wie eine Droge. Das Fahren interessiert mich nicht. Ich fahre ziemlich gut, aber ich weiß, dass ich niemals an diese Kerle heranreichen könnte.”

„Ich trainiere ziemlich hart, um fit zu sein"
„Ich trainiere ziemlich hart, um fit zu sein" © McKlein Image Database

Was ziehst du vor – Rallyes auf Asphalt oder Schotter?

Mit machen die Schotterstrecken mehr Spaß… das Auto bewegt sich mehr und es ist aufregender. Auf Asphalt geht es nur darum, zu stoppen, zu drehen und weiterzufahren. Das ist nicht gerade außergewöhnlich.”

Bist du nicht so etwas wie ein Vorbild für Konkurrentinnen, die auch an die Spitze wollen?

„Ich sehe mich selbst nie als Vorbild, doch natürlich bin ich es, denn in Österreich haben wir viele Frauen als Beifahrer. Die orientieren sich an mir. Das hatte ich mir zwar nicht vorgenommen, aber es ist einfach so gekommen.”

Welches war dein schlimmster und welches dein bester Moment beim Rallye-Fahren?

“Der beste war mein erstes WRC-Podium mit Manfred Stohl auf Zypern (2005). Danach stand ich noch mehrmals auf dem Siegerpodest, aber so aufregend wie das erste Mal war es nicht mehr.

“Das absolute Tief … 2010 habe ich mir in einer Rallye in Österreich bei einer sehr harten Landung einen Rückenwirbel gebrochen. Der Rückenwirbel wurde in meine Wirbelsäule hineingepresst. Mein Arzt in Wien sagte zu mir, dass ich es nie Anfang 2011 nach Monte Carlo schaffen würde, doch ich sagte zu ihm ‘Warten Sie es ab und wir werden sehen…’ Ich erholte mich schneller, als alle für möglich gehalten hatten, weil ich mich ganz auf die Heilung konzentrierte. Nach dreieinhalb Monaten saß ich wieder im Auto.”

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