Neu in der WRC: Elfyn Evans

Gestatten: Shooting Star Elfyn Evans – überraschend bei der WRC auf Sardinien dabei.
Rallye Sardinien Elfyn Evans WRC
M-Sport-Pilot Elfyn Evans © McKlien
Von Carl McKellar

Von solch einem Anruf träumt wohl jeder junge Fahrer, der sich in der Rangliste der Rallye-Weltmeisterschaft nach oben arbeiten möchte: „Du, bei uns hat sich was geändert, wir brauchen einen Fahrer für eines unserer Autos, willst du einspringen?”

Der walisische Youngster Elfyn Evans konnte sein Glück kaum fassen, als er letzte Woche von Malcolm Wilson, dem Boss von M-Sport, das OK bekam. Er wird am kommenden Wochenende auf Sardinien den Quatar Ford Fiesta mit WRC-Spezialausstattung fahren, nachdem der feste Teamfahrer Nasser Al Attiyah sich vom Event zurückzog.

Das schien uns der richtige Moment, um dem 24-jährigen Evans ein paar Fragen zu stellen.

Zuerst wollen wir aber eins klarstellen. Wir werden auf KEINEN Fall fragen: „Bist du Großbritanniens beste Chance auf Ruhm in der WRC seit den Zeiten von Colin McRae und Richard Burns?”

Rallye Sardinien Elfyn Evans WRC
Takeoff © McKlien

Das wäre nicht nur langweilig, sondern auch dämlich. Aber … bist du‘s?
Ich glaube, ich kann keine Pluspunkte sammeln, wenn ich dieses Wochenende versuche, ein Held zu sein. Bei den Etappen würde das vermutlich ein absoluter Reinfall werden! Aber klar, ich will schon irgendwann auch so erfolgreich sein, wie die beiden es waren.

Nennt mit nicht Elvis.
Elfyn ist ein walisischer Name, den die Engländer in den benachbarten Landesteilen nicht richtig aussprechen können. Du solltest hören, wie sie einige der Etappennamen der Rallye von Großbritannien verunglimpfen! Also, damit du Bescheid weißt – nicht Effin, El-fin und auch nicht Elvis. Einfach El-vin.

Ich bin mit dem Sport aufgewachsen. Ich konnte schon mit acht Jahren fahren.

Wer bist du also?
Mein Vater Gwyndaf war 1996 britischer Meister und nahm mit Ford und SEAT an einigen WRC-Events teil. Der Sport gehörte zu meiner Kindheit dazu. Schon mit acht Jahren lernte ich zu fahren, aber meine erste Rallye fuhr ich mit 17 in einem 1-Liter Nissan Micra. Ich habe mich nach oben gearbeitet, wurde Zweiter in der britischen Meisterschaft, Sieger der WRC Academy letztes Jahr und dann gewann ich ein Shoot-Out. Die Belohnung war ein WRC2-Programm für dieses Jahr mit M-Sport. Und dann kam erst vor einigen Tagen die Anfrage, den WRC-Fiesta des Teams hier auf Sardinien zu fahren.

Wie hast du davon erfahren?
Es war an einem PR-Tag von M-Sport und ich saß gerade für Shakedown-Fahrten im neuen R5 Fiesta. Malcolm kam zu mir und überbrachte mir die News. Das hat mich fast umgehauen, aber ich musste wieder einsteigen und mich erstmal um meine Passagiere kümmern.

Jetzt fährst du mit einem Mal gegen Ogier, Latvala, Ostberg und Co. …
Das wird eine riesige Herausforderung. Das Auto ist neu für mich, ich kenne Sardinien nicht und ich werde zum ersten Mal mit Giovanni Bernacchini (Al Attiyahs Beifahrer) zusammenarbeiten. Bisher hatten wir uns nur mal kurz ein “Hallo” zugerufen! Er sagt die englischen Pace Notes mit italienischem Akzent an, und das machte mir am Anfang bei der Recce Mitte dieser Woche einige Schwierigkeiten…

Wie schnell kann man sich an ein 300 BHP WRC-Fahrzeug gewöhnen?
Es ist mächtig. In Portugal bin ich den WRC2 Fiesta gefahren, aber man merkt immer noch einen gewaltigen Leistungsunterschied. Letztes Jahr saß ich in der Academy in einem 170 BHP-Fiesta mit Zweiradantrieb! Jetzt hab ich fast doppelt so viel Power und einen Vierradantrieb. Es wird einige Zeit dauern, sich daran zu gewöhnen.

Sind die Erwartungen wegen deines Vaters hoch?
Ganz am Anfang spürte ich den Druck, gute Leistungen zu bringen und schnell zu sein. Doch mittlerweile setze ich mich selbst viel mehr unter Druck, als alle anderen es tun. Mein Vater hat in der WRC nie den großen Durchbruch geschafft, aber es hilft mir zu wissen, dass ich mich auf seine Erfahrung und sein Wissen stützen kann.

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