Fast Talk: Timmy Hansen

Wie der Vater erarbeitet sich der junge Schwede gerade den Megastar-Status im European Rallycross.
Timmy Hansen denkt an das bevorstehende Rennen © Tom Banks
Von Carl McKellar

Rallycross-Jungspund Timmy Hansen hat alles: das Aussehen, das Talent, die Ergebnisse und vermutlich auch die Aura eines Fahrers mit außergewöhnlichem Können.

Viele werden es sich leicht machen und sagen, er sei so schnell an die Spitze des European Rallycross gekommen, weil sein Vater und 14-facher Champion Kenneth das Familienteam leitet (das erstklassige Hansen Motorsport-Team). Aber diese Tatsache sollte nicht von seiner Begabung, Reife und Geschwindigkeit ablenken.

In Holjes hat er 2013 vor heimischem Publikum beinahe zum zweiten Mal gewonnen und liegt in der Tabelle nur vier Punkte hinter dem amtierenden Meister, Teamkollegen und Red Bull-Athleten Timur Timerzyanov.

Timmys und Petter Solbergs Citroëns kollidieren © Tom Banks

Also, wer ist er?

Ich habe den schwedischen Titel im Kartfahren gewonnen und war der Top-Privatpilot in der Weltmeisterschaft. Dann habe ich Rennen in der schwedischen und europäischen Formel BMW und dann im Formel Renault Eurocup gewonnen. Aber das Budget war immer knapp. Ich musste vermutlich härter als die meisten Fahrer arbeiten, um das zu kompensieren und Dinge ins Rollen zu bringen.

Sind die anderen Fahrer neidisch auf dich, weil du direkt in ein Top-Supercar steigen kannst?

Könnte sein. Ich wäre vermutlich neidisch. Aber nur weil mein Vater erfolgreich war, heißt das nicht, dass ich das kostenlos bekomme. Alles, was ich hinter dem Lenkrad gelernt habe, habe ich selbst gelernt und auf meine Art gemacht. Natürlich hilft er, aber das sind zwei verschiedene Herangehensweisen. Ich musste trotzdem sehr hart arbeiten, um an diesen Punkt zu kommen, und es war nicht einfach.

Ein großer Name im Euro Rallycross © Tom Banks

Wie hoch ist der Druck, dem Ruf deines Vaters gerecht zu werden?

Ich musste im Gegensatz zu ihm nicht mein eigenes Team starten oder meinen eigenen Wagen bauen, wie er es zu seiner Zeit getan hat. Es ist unglaublich, was er gemacht hat. Aber es hat sich geändert, was ein Fahrer heute können muss. Alles, was ich tun muss, ist ein großartiger Fahrer hinter dem Lenkrad zu sein und perfekt zu fahren. Ich denke, dass Fahrer heute in dieser Hinsicht beser sind, aber es vermutlich nicht hinkriegen würden, nebenbei noch Teamchef, Designer und Ingenieur zugleich zu sein. Der Sport hat sich sehr rasant entwickelt.

Deine Herangehensweise scheint sich auszuzahlen ...

Wenn man an die Meisterschaft denkt, ist es natürlich wichtig, schnell zu sein, aber auch mechanisch mit dem Wagen vertraut zu sein. Manche Fahrer gehen bis ans Limit und noch weiter und sind anfangs damit auch schnell. Aber dann geht etwas mechanisch schief. Momentan bin ich in der Meisterschaft Zweiter und das liegt an meiner Strategie.

Springt Hansen am Ende der Saison vor Freude? © Tom Banks

Wie ist es, mit vier oder fünf Rivalen an der Startlinie zu stehen und kaum Luft zwischen den Karosserien zu haben?

Da stellt sich auf jeden Fall heraus, wer die Sache ernst nimmt. Man muss ein bisschen verrückt sein, um aus so etwas als Erster herauszukommen, wenn fünf Wagen in einer Reihe stehen. In Holjes standen wir zu viert nebeneinander und prallten in der ersten Kurve alle voneinander ab. Wenn es ein Formelwagen gewesen wäre, hätte ich früher einen Rückzieher gemacht.

Zeichnen sich irgendwelche Rivalitäten ab?

Noch nicht, aber ich weiß, wem ich vertrauen kann und wem eher nicht. Ich habe keinen Erzfeind. Das kommt vermutlich noch. Alles, was ich weiß, ist, dass ich den Moment, als ich im vergangenen Jahr das erste Mal in einem Rallycrosswagen gesessen habe, liebte – ich mache jetzt die ganzen Sachen, die ich als Kind von der Haupttribüne gesehen habe, und es übertrifft meine Erwartungen.

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