Video: Die Bezwingung der Ouninpohja Stage

Enorme Geschwindigkeiten und edler Mut gehören dazu, wenn die härteste WRC-Stage genommen wird.
© Citroen Racing
Von Carl McKellar

Ouninpohja - beim ersten Mal nicht gerade einfach auszusprechen, aber jetzt wo der Countdown zur Rallye Finnland läuft, hat es jeder auf den Lippen. Den Fans läuft ein Schauer über den Rücken vor lauter Vorfreude auf die besten Fahrer der World Rally Championship.

Der Mut, den es braucht, um dieses Rennen zu meistern, ist vergleichbar mit dem eines mittelalterlichen Kriegers, der sich kopfüber und schreiend in den Kampf stürzt. Das ist für uns Normalsterbliche einfach unverständlich.

Wir haben den Videobeweis! Steigt in den Wagen des Finnens Mikko Hirvonen und erlebt, wie er 2012 für Citroën durch Ouninpohja fuhr.

Präzision und Mut sind hier überdurchschnittlich © VW Motorsport

Es ist der Teil ab Minute 02:50, wo es anfängt wirklich verrückt zu werden. Mikko bleibt erstaunliche 23 Sekunden auf dem Vollgas und zischt wie eine Rakete durch die Bäume. Mit seinem DS3 Motor schon am Anschlag des Drehzahlbegrenzers, schaltet er dann doch einen Gang runter – muss er auch, denn eine Kurve taucht auf, die besser nicht im höchsten Gang genommen werden sollte.

Die 33 Kilometer lange Ouninpohja Etappe (gesprochen Oh-nin-poh-ki) wird am Samstag zweimal befahren, da das Rennen an diesem Abend zu Ende geht.

Aber wie macht Mikko das nur? "Du muss eben so sportlich an die Sache rangehen, wenn du auf dieser Etappe eine gute Zeit fahren willst", so Mikko gegenüber redbull.com. "Man muss sich voll reinhängen und alles geben. Es war früher wirklich unheimlich, vor allem am Anfang meiner Karriere, als ich die Strecke noch nicht so gut kannte."

"Es gibt Stellen, an denen fliegt man wesentlich länger als man sich vorstellen kann und die Pace ist sehr, sehr hoch. Aber jetzt kenne ich die Etappe und letztes Jahr hat sie mir zum ersten Mal keine Angst mehr gemacht. Ich konnte sie einfach genießen."

Sieht aus wie ein Computerspiel... "Ja, aber wenn man einen Fehler macht, tut es weh. Man kann nicht einfach einen Knopf drücken und die Strecke nochmal fahren und weitermachen... Wenn du auf Ouninpohja oder einer anderen Etappe der Rallye Finnland einen Fehler machst, wird es ein schwerwiegender sein."

Landsmann und VW-Rivale Jari-Matti Latvala stimmt zu: "Man braucht wirklich ein stabiles Auto, das die Sprünge meistern kann, aber man braucht auch wirklich gute Pacenotes, um präzise fahren zu können und die Absprünge zu kennen. Und natürlich auch etwas Mut, weil es so schnell ist. Die Durchschnittsgeschwindigkeit hier liegt bei über 130km/h."

Seppo Harjanne macht eine Pause mit Tommi Makinen © McKlein

Und wie ist es eigentlich für den Kopiloten, der - sind wir ehrlich - da sitzt und durchhalten muss? Sicherlich braucht er gute Vorbereitung und ein Verständnis davon, was der Fahrer möchte, wie uns Seppo Harjanne, dreifacher WRC-Meister als Kopilot (mit Timo Salonen 1985 und Tommi Makinen 1996/97) und jetzt stellvertretender Rennleiter bei der Rallye Finnland, erklärt.

"Man kann nichts anderes machen, als sich wie blöde zu konzentrieren und mit dem Fahrer mitzukommen, da alles so schnell passiert."

"Präzision ist lebenswichtig, aber auf dieser Etappe kann man einfach nicht alles in die Pacenotes schreiben – so viel könnte der Fahrer gar nicht aufnehmen."

"Man hat keine Zeit, um Angst zu haben, aber es ist natürlich erschreckend, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert, z.B. wenn das Auto springt oder anders landet. Doch jeder hält Ouninpohja für eines der besten Rennen."

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