Gestern und Heute: Eli Tomac

Was schon 2010 geschehen sollte, geschah erst 2013.
Eli Tomac in Aktion am Budds Creek
Eli Tomac in Aktion in Budds Creek © www.geicohonda.com
Von Aaron Hansel

Am 22. Mai 2010, einem brütend heißen Tag in Nordkalifornien, wurde die Motocross-Welt Zeuge eine ganz besonderen Ereignisses, als der neueste Rookie von GEICO Honda, Eli Tomac, sich den Gesamtsieg im Hangtown Motocross Classic-Rennen holte. Alle Rennsiege sind etwas Besonderes, vor allem im Profisport, doch dieser war besonders beeindruckend – und zwar aus verschiedenen Gründen: Erstens, weil es Tomacs erster Sieg als Profi war. Zweitens, weil es der Saisonauftakt war, generell eines der wichtigsten Rennen des Jahres. Aber vor allem war es Tomacs allererstes Rennen überhaupt als Profi.

Im Unterschied zu vielen seiner Mitstreiter entschied sich Tomac, die Supercross-Saison auszusitzen und auf den Beginn der Motocross-Saison zu warten, um sein Debüt im Profirennsport zu geben – und umso spektakulärer war es dann. Für Tomac waren zu dem Zeitpunkt noch keinerlei Zeiten in der Profi-Rangliste registriert worden. Verständlicherweise zog er alle Blicke auf sich, als er im ersten Moto-Rennen trotz eines Sturzes Dritter wurde. Im zweiten Motorennen kam er noch energiegeladener vom Start weg und lieferte sich mit seinem Teamkollegen Trey Canard ein Kopf-an-Kopf-Rennen, bei dem mal der eine, dann der andere die Führung übernahm, bis sich schließlich Tomac souverän an die Spitze setzte und sich gegen den hartnäckigen Trey Canard entschlossen durchsetzte. Für einen Rookie zeigte er eine tadellose Haltung. Seine Unerfahrenheit konnte man nur einmal erkennen, als er sich auf dem Podium an Canard wandte und um Hilfe beim Öffnen der Champagnerflasche bat, die er als Sieger in den Händen hielt. Weitere Siege, und vielleicht gar ein Titel in diesem Jahr, schienen unausweichlich.

Alles änderte sich in der darauffolgenden Runde beim feurigen Freestone National in Texas, das für seine unerbittliche Hitze berüchtigt ist. Tomac erlitt an diesem Tag einen Hitzschlag und schaffte es in der verbleibenden Saison nicht mehr, an seine Form vom Eröffnungstag anzuknüpfen. Nach seinem Sieg in Hangtown konnte Tomac das ganze restliche Jahr über keinen Podiumsplatz mehr ergattern. In der darauffolgenden Saison gewann Tomac kein einziges Rennen. Der Ruhm jenes ersten Siegs ganz am Anfang verblasste nicht nur, er geriet langsam in Vergessenheit.

Eli Tomac sicherte sich in Washougal zwei Siege
Eli Tomac sicherte sich in Washougal zwei Siege © Garth Milan/Red Bull Content Pool

Ironischerweise konnte Tomac endlich im Jahr 2012 wieder siegen, und zwar beim Freestone National, dem gleichen Ort, der ihn in der Saison 2010 aus der Bahn geworfen hatte. Tomac konnte in dieser Saison vier Gesamtsiege holen und zu Beginn des letzten Rennens der Saison in Lake Elsinore hatte er noch eine Außenseiterchance auf die Meisterschaft. Ein Sturz und dazu eine herausragende Leistung des späteren Champions Blake Baggett machten Tomacs Jagd auf den Titel ein Ende, doch diese Saison war für ihn insgesamt erfolgreich gelaufen; er hatte Rennen gewonnen und bewiesen, dass er ein ernstzunehmender Anwärter auf den Meisterschaftstitel war. Der Junge war endlich wieder da, wo ihn alle nach seinem atemberaubenden Debüt drei Jahr zuvor erwartet hatten.

Machen wir einen Sprung nach vorne ins Jahr 2013, zur Lucas Oil Pro Motocross Championship. Nach einer großartigen ersten Saisonhälfte, in der Tomac und der frühere MX2 Weltmeister Ken Roczen die klaren Spitzenreiter in der 250MX–Klasse waren, steigerte sich Tomac in der zweiten Hälfte in erstaunlichem Maße: er führte in 97 Runden, gewann zehn von zwölf Moto-Rennen und holte sich fünf von sechs Gesamtsiegen. Mit dieser Leistung entschied er die 250 National Championship schon eine Runde vor Saisonende für sich.

Kein Zweifel, Tomac hat seinen Weg gefunden. Gott sei Dank, denn nächstes Jahr startet er auf einer 450 gegen Größen wie Ryan Villopoto, Ryan Dungey, James Stewart, Justin Barcia, Josh Grant und viele andere unglaublich schnelle Veteranen. Wenn man seine unglaubliche Leistung in seiner letzten Saison auf einer 250 gesehen hat, muss man sich fragen, wie es ihm nächstes Jahr auf einer 450 im Hangtown Motocross Classic ergehen wird, wo er wieder als Rookie am Start sein wird.

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