Fast Talk: Davy Jeanney

Der Underdog des European Rallycross spricht mit uns über seinen Angriff auf den Titel.
Davy mit seinem veralteten C4 am Limit © Tom Banks
Von Carl McKellar

Wenn man sich einmal die Zahlen betrachtet, sollte Davy Jeanney sich eigentlich gar nicht im Kampf um die Euro RX-Krone befinden: Erst vor acht Jahren, im Alter von 18, hat er mit dem Rennsport begonnen und sitzt obendrein in einem veralteten Citroën C4. Aber es sind nur noch zwei Rennen zu fahren. Und Davy ist ganz vorne mit dabei.

Jeanney ist einer von vier Fahrern, die beim vorletzten Rennen der Meisterschaft am Wochenende in Greinbach bei Graz (Österreich) eine echte Chance auf den Titel haben.

Sowohl die beiden Führenden, Timur Timerzyanov und Timmy Hansen, als auch der nachfolgende Andreas Bakkerud gehören Multi-Car-Teams an und fahren alle den neuesten Citroën DS3. Den bescheidenen Jeanney jedoch – höflich, ruhig und immer mit der netten Familie an seiner Seite – lässt die anstehende Mörderaufgabe unbeeindruckt.

Jeanney führt vor Timerzyanov & Hansen © Tom Banks

Du hast sehr spät mit dem Rennsport angefangen. Woher wusstest du, dass du gut sein würdest?

Mit dem Auto zu driften und zu sliden macht mir einfach Spaß. Und für Rallycross habe ich einfach ein besseres Gefühl als für Asphalt, der ist zu griffig! Ich habe schon immer gerne die Handbremse benutzt, daher liegt mir das recht gut."

"Angefangen habe ich 2005 – da war ich 18. Okay, ich bin bereits vorher auf Supermarktparkplätzen und auf Feldern gefahren. Aber Rennen bin ich dann erst beim Rallycross gefahren. Das schien einfach der richtige Motorsport für mich zu sein."

"Ich habe ganz klein im Peugeot 206 angefangen und mich dann Schritt für Schritt hochgearbeitet. Zuerst habe ich in verschiedenen Klassen erste Podestplätze gewonnen und wurde dann 2010 französischer Meister. Bei der Euro RX 2012 wurde ich Vierter und jetzt bin ich auf dem dritten Platz."

Davys Konkurrenz kennt diesen Anblick © Tom Banks

Bei deinem Heimrennen in Loheac warst du der beste Franzose, vor Sébastien Loeb. Mit deinem dritten Platz im A-Finale konntest du auf Timerzyanov und Hansen aufschließen.

"Die französischen Fans unterstützen ihre Landsmänner beim Euro RX sehr. Das pusht ungemein und treibt an. Klar, dass ich da alles gebe, um sie glücklich zu machen."

"Sébastien Loeb ist ganz klar ein großartiger Fahrer. Er war schnell. Aber aus Gesprächen mit ihm wusste ich, dass er eventuell nicht die richtige Strategie zum Gewinnen haben würde. Ich habe sehr viel Respekt ihm gegenüber. Was er alles geleistet hat, ist der Wahnsinn. Er ist ein absolutes Vorbild für mich."

Davy testet den 208 © Albatec

Frankreich liegt hinter dir und jetzt heißt es, den Druck in Österreich und schließlich beim Finale in Deutschland aufrechtzuerhalten.

"In Frankreich stand ich ganz schön unter Druck, aber jetzt habe ich eine recht gute Position in der Meisterschaft. Wir sind uns sicher, dass wir in den letzten zwei Runden eine starke Leistung zeigen können. Und ich habe vielleicht nicht so viel zu verlieren wie die anderen."

"Natürlich schwebt uns da so ein zweiter Platz vor, oder sogar der Titel. Vier Fahrer auf der Jagd nach einem Titel. Das wird schwierig, aber wir werden unser Bestes geben."

Du sitzt im C4, die anderen im neueren DS3: ein Nachteil?

"Der C4 ist wohl jetzt an seiner Grenze. Aber wir kennen ihn sehr gut und wissen, was es braucht, um ihn sehr schnell zu machen. Der DS3 und der Peugeot 208 sind ziemlich gute Autos. Kompakt und ideal für Rallycross. Mal sehen, was für nächstes Jahr so ansteht."

Breaking News: Anfang dieser Woche testete Davy den Albatec Peugeot 208, den Kris Meeke in Loheac fuhr, um seine Optionen für 2014 abzuschätzen.

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