Timur Timerzyanovs siegreicher Rallycross-Citroen

Timur Timerzyanow, mehrfacher Sieger beim europäischen Rallycross, über sein Citroen-Supercar.
© Pic: Rallycrossworld.com/Vid: Steven Clarey
Von Carl McKellar

550PS, von 0 auf 100 kmh in 2,5 Sekunden und entworfen für Rennen im „Mad Max“-Stil: Rallycross-Supercars gehören zu den beeindruckendsten Autos des Motorsports. Hier nehmen wir ein ganz besonderes Exemplar unter die Lupe: Timur Timerzyanovs Citroen DS3, umgerüstet von Hansen Motorsports.

Zwei „Schalthebel“?
Timur Timerzyanov: „Ja, der Erste ist der normale – sechs Gänge plus Rückwärtsgang. Der Zweite ist eigentlich die Handbremse. Wir haben kein zentrales Differentialgetriebe, also haben wir eine Handbremse mit einer Kupplung an der Antriebswelle, das ist schon ungewöhnlich.“

Start mit Handbremse?
„Ich berühre die Handbremse nicht, wenn ich starte. Stattdessen haben wir einen speziellen, elektrischen „Lock-System“-Knopf am Lenkrad, der alles zusammen steuert – er stellt die Bremsen fest, und das heißt, ich kann im ersten Gang sein und meinen Fuß bei einer Drehzahl von 7800 auf dem Gas haben. Das Auto fährt erst los, wenn ich auf den Knopf drücke, sobald ich die Lichter sehe. Die Handbremse ist für Kurven, wo man schlechte Bodenhaftung hat und die Richtung des Wagens ändern will. Sie ist wie ein Zeigestock!“

Aus 160PS-Dieselblock wird 550PS-RXRennmotor © Tom Banks

Anzeigen auf dem Armaturenbrett
„Alle Motorsensoren leiten Signale an die elektronische Steuereinheit weiter, und alle Informationen erscheinen auf dem Armaturenbrett. Ich kann meine Rundenzeiten, die Drehzahl und einige Warnleuchten sehen, und außerdem kann ich die Motoreinstellungen verändern.“

Glühender Auspuff
„Er glüht beim Starten, wenn der Katalysator sich aufheizt. Dann kommen Flammen aus dem Auspuff, wenn man nicht auf dem Gas steht… Da verbrennt überschüssiges Benzin. Wir nutzen den Benzinüberschuss, um den Motor zu kühlen oder Anti-lag zu verhindern, damit der Ladedruck hoch bleibt.“
 

Der raffinierte Überrollkäfig sorgt für Stabilität © Tom Banks

Benzin
„Das unterscheidet sich nicht so stark von normalem Benzin, es hat 102 Oktan. Wir verbrauchen ungefähr sechs Liter auf 10 Kilometer. Der Tank fasst nur etwa 20 Liter, und zwar aus Sicherheitsgründen und um das Gewicht niedrig zu halten.“

Bremsen & Federung
„Die Scheiben messen nur 310 Millimeter, um Gewicht zu sparen, aber ihre Bremskraft ist enorm. Die Federung ist ein großes Thema… Das Bremsen, die Reibung und die Krafteinwirkung von den Seiten belasten die Federung stark, und die Räder sollen in vollem Kontakt mit dem Untergrund bleiben. Ein normaler Stoßdämpfer für eine Ecke kostet 4.000 Euro, und dann kommt noch die Entwicklung dazu. Es gibt unzählige Möglichkeiten bei der Einstellung, und man lernt immer etwas dazu.“
 

Der DS3 wird zu einer beeindruckenden Rennmaschine © Tom Banks

Räder & Reifen
„Wir fahren mit Speedline-Rädern. Die wurden extra entwickelt, um den Kräften und Einwirkungen der Strecke standzuhalten, dabei aber flexibel zu bleiben. Die Cooper-Reifen, die wir verwenden, messen 43,18 Zentimeter und sind etwas ganz Besonderes – sie sind alle handgefertigt.“

Überrollkäfig
„Der dient natürlich der Sicherheit, aber es gibt komplexe Anfertigungen, die daneben auch die Leistung des Wagens unterstützen. Die Streben führen absichtlich zu den Aufhängungspunkten. Das Fahrgestell soll so stabil wie möglich sein, aber es wird immer ein wenig nachgeben.“

Die Federung ist entscheidend und kompliziert © Tom Banks

Karosserie
„Die Kotflügel und die Beifahrertür sind aus Karbon-Kevlar, dürfen aber nicht dicker sein als 2 Millimeter. Sie sollen den Seitenaufprall abfangen, aber sie können auch schnell von den Mechanikern ausgewechselt werden. Die Fahrertür muss hohen Sicherheitsstandards standhalten, also ist sie ziemlich schwer.“

Motor
„Unser Motor basiert auf einem Zwei-Liter-Diesel-Motorblock von Citroen, der auf der Straße vielleicht 160PS macht. Unser Motorbauer ORECA macht daraus fast 600PS! Beispielsweise durch eine spezielle Kurbelwelle. Der Lufmengenbegrenzer leistet 45 Millimeter Maximum, und man braucht eine gute elektronische Steuereinheit, um das Benzin richtig einzuspritzen. Der Motor wird nach jedem zweiten Rennen neu aufgebaut.“
 

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