Video: Red Bull Sea to Sky, Sieger geben nicht auf

Das Red Bull Sea to Sky zeigt, warum Hard Enduro alles andere als ein Spaziergang ist.
Von Robert Lynn

Dougie Lampkin und Homero Diaz sind die besten Beispiele dafür, dass man alles tut, was nötig ist, um ins Ziel zu kommen. Ohne Entschlossenheit, Hartnäckigkeit und eine ebenso ausgeprägte Dickköpfigkeit hätten sie beim diesjährigen Red Bull Sea to Sky niemals das Ziel erreicht.

Homero Diaz, der eine 24-stündige Reise aus Mexiko auf sich genommen hatte, war sowohl beim Strandrennen als auch beim Waldrennen eine wahre Offenbarung. Diaz, der im tiefen, lockeren Sand bestens zurechtkommt, kämpfte sich beim Strandrennen vom fast letzten Platz auf den vierten Gesamtplatz vor. Am nächsten Tag setzte er seine Erfolgsserie fort und landete beim Waldrennen unter den besten Fünf.

Homero Diaz - ein Mann mit einer Mission.
Homero Diaz - ein Mann mit einer Mission. © Robert Lynn

Doch gerade, als Diaz richtig in Schwung zu kommen schien, kehrte ihm beim Bergrennen das Glück den Rücken zu. Im ersten Flussbett zertrümmerte er seinen Schalthebel an einem Felsen und steckte von da an im vierten Gang fest. Da er wusste, dass er so niemals in Ziel kommen würde, fuhr er zurück ins Fahrerlager – mehr als zehn Kilometer entfernt – und behob den Schaden. Eine Stunde später war er wieder im Rennen und nach fünf Stunden stand er endlich auf dem Berggipfel.

„Ich konnte es kaum fassen, als ich meinen Schalthebel brach“, erzählte Diaz. „Mir blieb nichts anderes übrig, als zum Lager zurückzukehren und eine Reparatur zu versuchen. Zum Glück hatte ich einen Ersatzhebel dabei und konnte wieder ins Rennen einsteigen – wenn auch eine Stunde später. Ich hätte auch aufgeben können, aber es hat mich 24 Stunden und drei Flüge gekostet, um hier her zu kommen – Aufgeben war keine Option.“

Dougie Lampkin wollte nicht umkehren.
Dougie Lampkin wollte nicht umkehren. © Robert Lynn

Was Diaz nicht wusste – auch Lampkin hatte weiter oben auf der Strecke mit Problemen zu kämpfen. Im Kampf um eine Platzierung unter den Top Fünf überhitzte sein Bike. Als er den Dark Canyon in Angriff nahm, ging der Tankdeckel ab und er verlor seine gesamte Kühlflüssigkeit. Da die Mountain Mile noch vor ihm lag, schwanden Lampkins Chancen, ins Ziel zu kommen.

Doch der Mann aus Yorkshire weigerte sich, umzukehren. Er war nicht in die Türkei gekommen, um aufzugeben. Er kämpfte sich bis in Sichtweite der Ziellinie, als sein Bike schließlich den Geist aufgab. Lampkin war gezwungen das Bike zum Gipfel zu schieben und belegte dennoch einen beeindruckenden siebten Platz.

„Ich hatte das Kühlgebläse nicht an und mein Bike begann schon früh zu überhitzen“, erklärte Lampkin. „Nach dem Dark Canyon riss der Kühlwasserschlauch ab und es war ganz schön schwer, weiterzufahren. Irgendwie schaffte ich es bis kurz vor die Ziellinie, bevor das Bike aufgab. Und zum Glück waren dort genug Jungs, die mir halfen, es bis ins Ziel zu schieben. Ich bin erleichtert, dass ich es bis ins Ziel geschafft habe, aber etwas frustriert, weil das Rennen wirklich Spaß gemacht hat.“

„Aber im Hard Enduro geht es manchmal darum, das Beste aus dem zu machen, was passiert. Heute war solch ein Tag – und Aufgeben stand nie zur Debatte.“

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