Die Technik hinter Volkswagens Polo R WRC

Wir schauen uns an, was sich hinter dem dominantesten Rallye-Wagen der letzten Saison verbirgt.
Sebastien Ogiers und Jari-Matti Latvalas Volkswagen Polo R WRC Seite an Seite bei der 2013 Rallye Monte-Carlo.
Ogiers und Latvalas Polos - Seite an Seite © McKlein Image Database
Von David Robinson

Versetz dich mal in die Lage von Volkswagen. Was tust du, wenn du die Rallye Dakar – das selbsternannte „härteste Rennen der Welt“ drei Jahre in Folge dominiert hast und dich etwas langweilst? Du wendest dich natürlich der Rallye-Weltmeisterschaft zu.

Auch wenn kein WRC-Event so lang oder hart ist wie die berüchtigte Dakar, ist die FIA Rallye-Weltmeisterschaft doch vielseitiger, viel schneller und – so meinen manche – erfordert noch mehr Können. Bei den 13 Events der Saison müssen die Wagen Matsch, Schnee, Dreck, Asphalt und Kies überwinden, regelmäßig 60 Meter tiefe, steile Abhänge hinunterfahren, unsagbar rasante Wald-Etappen hinter sich bringen und gefährliche Gebirgspässe überqueren.

Nachdem Volkswagen also 2011 die Dakar hinter sich ließ, wandte es sich ganz der WRC zu – einer Meisterschaft, an der es seit 1987 nicht mehr als Werksteam teilgenommen hatte. Und der Wagen, den das Team für den Job entwickelte, war der Polo R WRC.

Der Volkswagen Polo R WRC wurde im Dezember 2012 in Monte Carlo präsentiert..
Der Polo wurde 2012 in Monte Carlo vorgestellt © Volkswagen

Der Polo basiert im Grunde auf dem Fabia Super 2000 des tschechischen Herstellers Skoda, der Teil der gigantischen Volkswagen-Gruppe ist. Doch aufgrund der geringeren Spezifikationen der Super 2000-Autos im Vergleich zu einem Wagen der Rallye-Weltmeisterschaft war etwas Arbeit nötig, um den Fabia in den WRC-fähigen Polo zu verwandeln, der dieses Jahr bei der Rallye Monte-Carlo am 16. Januar in die neue Saison startet.

Volkswagen ersetzte den 2-Liter-Saugmotor mit einem 1,6-Liter-Turboblock mit 320 PS und 425 Nm Drehmoment. Der Polo verfügt über eine verstärkte Stahlkarosserie, die das Gewicht auf 1200 kg bringt, sowie ein extremes Aerodynamik-Paket, das den Wagen bei hohen Geschwindigkeiten auf den Boden presst.

Das Getriebe besteht aus einem speziell gefertigten, sequenziellen Sechsgang-Renngetriebe, das die Kraft über zwei Ausgleichsgetriebe auf die vier Räder verteilt. Damit die Fahrer mit dem Terrain zurechtkommen, dem sie während der WRC-Saison begegnen, ist der Wagen mit McPherson-Federbeinen ausgestattet. Diese bieten auf Asphalt-Etappen 180 mm Federweg und auf lockerem Untergrund bis zu 275 mm Federweg. Die Bremsen des Wagens bestehen aus 255mm breiten, belüfteten Scheibenbremsen.

Jari-Matti Latvalas Volkswagen Polo R WRC hebt bei der Rallye Portugal 2013  ab.
2013 hob der Polo ab © McKlein Image Database

Offiziell wurde der Polo der Welt im Dezember 2012 präsentiert – nur einen Monat vor seinem offiziellen Wettkampfdebüt bei der Rallye Monte-Carlo 2013, wo er mit Sébastien Ogier hinter dem Steuer auf einem beeindruckenden zweiten Platz landete.

Ogier und sein Co-Pilot Julien Ingrassia sollten noch Uglaubliches vollbringen und für Volkswagen im ersten Jahr zurück in der WRC den Fahrertitel gewinnen. Und dank Jari-Matti Latvala – ebenfalls im Polo unterwegs – konnte das Team zudem auch die Konstrukteursmeisterschaft für sich entscheiden.

Carlos Sainz, der zweifache WRC-Champion – der sowohl die Dakar 2010 für Volkswagen gewann als auch bei der Entwicklung des Polo half – erzählte Redbull.com vor kurzem: „Der Polo R ist der Inbegriff des Rallyesports, ein Auto, das Meisterschaften gewinnt… Die Ergebnisse sprechen für sich.“

Es scheint also, dass die Dominanz von VW im Gelände nicht mit Volkswagens Rückzug aus der Dakar endete – aber was wird das Team tun, wenn es genug vom Gewinnen der WRC-Titel hat?

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