War 2014 die härteste Rallye Dakar aller Zeiten?

War die Rallye Dakar 2014 wirklich die härteste aller Zeiten? Wir haben die Statistiken gewälzt.
Paulo Gonçalves - Honda - Dakar 2014 - Stage 5
Paulo Goncalves gibt nach Etappe 5 auf © DPPI / Francois Flamand
Von Pablo Bueno

Dakar 2014: Die härteste aller Zeiten?

Nach der fünften und sechsten Etappe der Rallye Dakar 2014 wurden Stimmen laut, dass es die härteste Dakar aller Zeiten ist ... Stimmt das?

Zur sechsten Etappe hatten um die 70 Motorradfahrer das Rennen bereits aufgegeben. Zuvor hatten sie eine Marathon-Etappe und zwei Tage ohne Mechaniker fahren müssen. „Dieses Mal sind sie zu weit gegangen“, sagten sie und kritisierten damit die Organisatoren, die das härteste Rennen der Welt so hart werden ließen.

Dafür gab es vielleicht sogar Gründe - denn verschiedene Faktoren machten die diesjährige Ausgabe zu einem der härtesten Fights in der langen Geschichte der Dakar.

Dakar Übersicht Aufgaben 1979-2014
Prozentuale Aufgaben bei der Dakar 1979-2014 © Redbull.com / Quelle:ASO

Unüblich heißes Wetter trieb das Quecksilber auf 50°C, was der Gesamtsituation nicht gerade förderlich war. Die Etappen waren auch so angelegt, dass sie den Teilnehmern alles abforderten: Einige Etappen waren die längsten, die jemals seit dem Wechsel nach Süd Amerika gefahren wurden. Starke Regenfälle vor dem Start in Rosario hatten ebenso einiges am Aussehen der Piste geändert.

Mit steigender Zahl an Rennaufgaben stiegen auch die Bedenken an der Sicherheit. Unter den früh ausgeschiedenen Piloten befanden sich auch Größen wie Sam Sunderland und Francisco Lopez. Aber war es wirklich die härteste Dakar aller Zeiten?

Aufgaben

„Wenn jeder ins Ziel kommen würde, wäre das ja nicht die Dakar“, sagt David Castera, der sportliche Leiter der härtesten Rallye der Welt. Aufgaben, so sagt er, seien Teil des Rennens.

Laut den Geschichtsbüchern wurde der Rekord an Rennaufgaben bei der Rallye 2005 von Barcelona nach Dakar aufgestellt: Ganze 473 Teilnehmer sahen das Ziel nicht. Den zweit höchsten Wert erreicht die Paris-Algerien-Dakar Rallye von 1988, als 452 Racer das Ziel in Lake Rose nicht sahen. Aber in beiden Jahren nahmen in allen Klassen zusammen auch mehr Fahrer teil: 688 und 603.

Die längsten Distanzen der Dakar 1979-2014
Die längsten Distanzen der Dakar 1979-2014 © Redbull.com / Source: ASO

Mehr Teilnehmer, mehr Aufgaben. Aber wie sieht das prozentual aus? Kann man daraus besser herauslesen, welche Dakar die härteste war? 1986 sahen bei dem Rennen Paris-Algerien-Dakar von 486 Teilnehmern nur 100 Fahrzeuge das Ziel - damit gaben 80 Prozent der gestarteten Piloten auf.

Etappen-Länge

Bei aller Kritik ragte eine besonders heraus: Die an der Länge der Etappen. Die fünfte Etappe wurde ein Marathon von Chilecito nach Tucuman - über 911 Kilometer. Damit war dieser Abschnitt der längste seit 2006, aber kein Rekord. Der steht vom ersten Tag der ersten Paris-Dakar aus dem Jahre 1979 immer noch zu Buche. Die Teilnehmer mussten damals durch Algerien, von Algier im Norden nach Tamanrasset im Süden - etwas um die 2.370 Kilometer. Und das im Jahre 1979!

Carlos Sainz-VW-Touareg-Dakar-2006
Carlos Sainz 2006 bei seinem Debüt bei der Dakar © Pablo Bueno

Die zweitlängste Etappe in der Geschichte der Dakar war die 15. von 1986 zwischen Paris-Algerien-Dakar. Damals wurden von Kiffa in Mauretanien nach Saint Louis in Senegal 1.656 Kilometer zurückgelegt.

Wenn man sich die Gesamtlänge der Dakar anschaut, dann geht der Titel erneut an das Jahr 1986 - mit 15.000 Kilometern genau 1.000 Kilometer mehr als 1985, dem zweithöchsten Wert der Geschichte.

Seit 2001 betrug die Gesamtlänge der Paris-Dakar immer weniger als 10.000 Kilometer. Wenn man sich nur die Sonderwertungsprüfungen anschaut, dann ist die Paris-Tripoli-Dakar von 1990 ganz vorn: 8.564 Kilometer. Zweilängste ist hierbei die Paris-Algerien-Dakar von 1987, damals über 8.315 Kilometer, was fast so viel ist, wie auf den letzten zwölf Dakar-Ausgaben jeweils insgesamt gefahren wurde.

Die meisten Tragödien

Die Dakar scheidet die Geister: Entweder man liebt sie, oder man hasst sie. Als die Rallye von Europa nach Afrika umzog, sagten Kritiker, sie sei nur ein Spielplatz für reiche Playboys, die in armen Dörfern und Städten herumdonnern und die Einwohner missachten. Das Gegenargument hierzu lieferten die Teilnehmer selbst, indem sie eine ganze Reihe von Charity-Aktionen inszenierten. Außerdem wurde die Welt damit auf Länder und Regionen aufmerksam, die sonst in der westlichen Medienlandschaft kaum auftauchen. Schon gar nicht mit Schlagzeilen.

Thierry Sabine bei der Rallye Dakar 1986
Thierry Sabine kam 1986 bei der Dakar ums Leben © DPPI

Die Dakar Rallye wurde auch schwer vom Thema Terror getroffen. In der Dakar-Kairo-Rallye von 2000 wurden vier Etappen wegen Terrordrohungen gestrichen. Als es 2008 von Lisabon nach Dakar gehen sollte, musste die Rallye aufgrund von islamistischen Terrordrohungen komplett abgesagt werden. Man ließ Afrika hinter sich und zog nach Süd Amerika weiter.

1986: Die härteste Dakar aller Zeiten

In der Zusammenfassung bleibt kein Zweifel, dass die Paris - Algerien Rallye Dakar 1986 die härteste aller Zeiten war. Das Rennen im Ziel zu beenden war einfach Abhängig von einer großen Portion Glück.

Von den 486 Piloten, die in Versailles an den Start gingen, kamen nur 100 im Ziel an - das sind 21 Prozent. Diese 100 Zielankömmlinge fuhren insgesamt 15.000 Kilometer (längste Dakar) und Sonderwertungsprüfungen von insgesamt 7.731 Kilometern (drittlängster Abschnitt). Von den 18 gefahrenen Etappen gingen fünf über mehr als 900 Kilometer, der längste Tagesabschnitt wurde über 1.656 Kilometer gefahren.

Die Dakar von 1986 war auch die tragischste: Insgesamt sieben Teilnehmer kamen ums Leben, inklusive des Gründers der Rallye, Thierry Sabine. Er starb bei einem Hubschrauber-Unfall.

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