Mentaltraining: So hilft es Jari-Matti Latvala

Mentalcoach Christoph Treier verrät, wie er VWs finnischen Star in eine Siegesmaschine verwandelt.
Jari Matti Latvala Rallye Sweden 2014 Sieg Volkswagen Christoph Treier
Rallye Schweden 2014: Latvala feiert seinen Sieg © McKlein Image Database
Von Greg Stuart

Als Jari-Matti Latvala bei der Rallye Schweden 2014 Anfang des Monats seine Nerven behielt und zum Sieg fuhr, schrieb der finnische Volkswagen-Fahrer seinen Erfolg schnell einem einzigen Mann zu: Christoph Treier.

Treier, der in der Schweiz geboren wurde, aber in Finnland lebt, ist Psychologe und arbeitete bereits mit dem zweifachen WRC-Champion Marcus Grönholm. Im November letzten Jahres begann er die Arbeit mit Latavala, und es sieht so aus, als hätten seine Mentaltechniken bereits starken Einfluss auf Latvala.

„[Christoph] hat mir sehr geholfen“, erklärte Latvala gegenüber WRC.com nach seinem Sieg bei der Rallye Schweden. „Ich glaube, Mentaltraining kann in jeder Sportart helfen.“

Redbull.com traf sich mit Christoph Treier und erfuhr, wie man es schafft, einen der besten Fahrer der Welt noch besser zu machen….

Symbolhafte Bilder sind wichtig

Christoph Treier: „Ich arbeite viel mit Bildern. Zum Beispiel arbeitete ich mit Jari-Matti für die Rallye Schweden viel mit der Symbolik des Tanzes. Da die Etappen sehr rhythmisch sind, stellte er sich vor, dass er mit seinem Wagen tanzen würde. So fand er den richtigen Rhythmus. Denn wenn man tanzt, tut man das reibungslos und mit Eleganz, nicht mit Kraft und Stärke. Das hat ihm sehr geholfen, denn wenn die Wetterverhältnisse sehr schlecht sind, neigen Fahrer dazu, zu hart und mit zu viel Kraft zu lenken.“

Jari Matti Latvala Rallye Sweden 2014 Sieg Volkswagen Christoph Treier
Rallye Schweden: Latvala "tanzt" mit seinem Auto © McKlein Image Database

Denk positiv!

„Fahrer müssen ein paar Techniken entwickeln, vor allem Atemtechniken, sodass sie wissen, wie sie sich entspannen können, selbst wenn sie im Auto sitzen. Eine weitere Methode zum Aufbau des Selbstvertrauens ist das Wiederholen von Schlüsselwörtern oder Sätzen und zwar fünf oder zehn Mal. Ein Beispielsatz wäre ‚Ich weiß, dass ich in jeder Situation die Ruhe bewahren kann‘. Diesen Satz wiederholt man dann in der Woche vor dem Wettkampf zehn Mal pro Tag. Dann ist man während eines Wettkampfes wirklich davon überzeugt, dass man jederzeit Ruhe bewahren kann und das hilft sehr.“

Selbstvertrauen steht an erster Stelle, Ergebnisse an zweiter…

„Viele Fahrer denken noch immer, mit guten Ergebnissen würden sie an Selbstvertrauen gewinnen. Aber so funktioniert das nicht. Zunächst muss man genug Selbstvertrauen haben und dann kann man sich um gute Ergebnisse bemühen. Deshalb haben wir bereits im November angefangen, Jari-Mattis Selbstvertrauen Schritt für Schritt aufzubauen. Zudem arbeitet Jari-Matti noch an seiner Konzentrationsfähigkeit. In der letzten Saison machte er aufgrund mangelnder Konzentration ein paar blöde Fehler. Also arbeiten wir sehr viel daran.“

Jari Matti Latvala Rallye Polen 2009 Crash
Rallye Polen 2009: Tränen nach dem Crash © McKlein Image Database

Ein Fahrer mit unglaublicher mentaler Stärke? Sébastien Loeb.

„Ich glaube, Sébastien Loeb war einer der Fahrer, die wirklich sehr stark waren. Es war unglaublich zu sehen, wie stark er mental war. Ich habe viel mit ihm darüber gesprochen und bin mir sicher, dass es mit seiner Jugend als Turner zu tun hat. Im Turnen trainiert man viel die Koordination und die wiederum lehrt einen, wie das Gehirn arbeitet. Aber leider ist es zu spät für Jari-Matti, um mit dem Turnen anzufangen!“

Visualisiere, was du willst, nicht was du nicht willst

„Ein Fahrer muss unbedingt lernen, zu visualisieren – egal ob er eine Rallye oder auf einem Rundkurs fährt. Die meisten Leute denken beim Visualisieren folgendes: ‚Ich muss das vermeiden und ich muss aufpassen, dass ich in der Kurve nicht die Konzentration verliere und da darf ich nicht vergessen, früh zu bremsen.‘ Und das ist vollkommen falsch. Man muss immer daran denken, was man tun will, nicht daran, was man nicht tun will. Wenn man in ein Taxi steigt, sagt man dem Taxifahrer ja auch, wohin man will und nicht, wohin man nicht will. Ebenso funktioniert es mit unserem Gehirn: Man muss seinem Gehirn immer sagen, was man erreichen will und nicht, was man vermeiden will. Das hilft wirklich sehr.“

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