Viladoms: Oskar für den besten Nebendarstelleller

Nach dem zweiten Platz bei der Dakar Rallye analysiert sich der Spanier selbst.
Jordi Viladoms auf dem Podium in Valparaíso
Jordi Viladoms auf dem Podium in Valparaíso © Marcelo Maragni/Red Bull Content Pool
Von Pablo Bueno

Es ist schon wieder einen Monat her, seit die besten und erfahrensten das kleine Örtchen Valparaiso erreichten. Die Dakar war wieder einmal geprägt von Härte, Stürzen und Ausfällen. Auf der anderen Seite war es für diejenigen, die das Glück hatten – egal auf welcher Position - bis zum Ziel zu kommen, mehr als nur ein Adrenalin-Kick. Das größte Ziel war ankommen, das Rennen zu beenden. Der Welt zu zeigen, dass man es geschafft hat. Aber auch da gab es Ausnahmen, Männer, die nicht einfach angetreten waren, um sicher und ordentlich in Valparaiso anzukommen. Männer, die gewinnen wollten, den großen Ruhm.

Einmal mehr war Marc Coma der beste Stratege. Er ist schnell, clever und vor allen Dingen kennt er die Kniffe bei der härtesten Rallye der Welt. Ja, der Sieger hieß Marc Coma, aber Jordi Viladoms war nach eigenen Gesetzen auch ein Gewinner: Er holte Rang zwei. Beide fuhren für das Red Bull KTM Team, die erfolgreichste Mannschaft. Leider fanden seine Leistungen aber nicht die große Beachtung, die sie verdient hätten – eine unschöne Überraschung für den Spanier und seine Mannschaft.

Jordi Viladoms (KTM), der zweite in Dakar 2014
Jordi Viladoms (KTM), der zweite in Dakar 2014 © Marcelo Maragni/Red Bull Content Pool

Es war ja klar, dass Comas Sieg die Schlagzeilen bestimmen würde, aber dein zweiter Platz schien fast niemanden zu interessieren...

„Das kann ich nicht einmal abstreiten. Ich verstehe nicht, warum die Medien der zweite Platz nicht sonderlich interessierte. Es scheint, dass ein Podest bei der Dakar nichts besonderes ist... Ich weiß, dass einige spanische Fahrer mehr im Rampenlicht stehen, aber der Fakt bleibt im Raum dass ich 2014 bei der Dakar Rallye Zweiter wurde. Man könnte bemängeln, dass ich keinen Etappen-Sieg eingefahren habe, aber ich habe meine Karten wohlüberlegt ausgespielt. Ich hatte einen guten Rhythmus und konnte meine Stärken maximal einsetzen, um meine Schwächen auszugleichen.“

Ich hoffe du bist nicht sauer...

„Nicht einmal. Das hat mir keine schlaflosen Nächte bereitet. Ich bin sehr stolz auf mich selbst und meine Leute haben mich toll gefeiert. Ich bin mir sicher, dass ich in Valparaiso der glücklichste Fahrer von allen war. Es war ein Traum der wahr wurde. Es ist ein kleiner Teil meines Lebens, der für immer bleiben wird.“

Deine Hauptaufgabe war, als Wasserträger Marc Coma zu helfen. Denkst du, dass daher dein zweiter Platz etwas unterschätzt wurde?

„Ich denke da hat man etwas falsch verstanden. Ich war nicht der Wasserträger von Marc (Coma). Wenn das der Fall gewesen wäre, wäre mein zweiter Platz noch schwerer geworden, denn ich hätte mich um ihn kümmern müssen. Mein Job war exakt der gleiche wie der von Coma: Für KTM zu gewinnen. Ja, auf einer Etappe habe ich ihm geholfen, aber das bedeutet ja nicht gleich, dass ich sein Wasserträger bin. Peterhansel hat auch Roma geholfen, macht ihn das gleich zum Wasserträger? Jeden Tag hat jeder die nächste Etappe studiert, es war einfach jeder für sich selbst unterwegs.

Dakar 2014 bewiesen Jordi Viladoms Stärke
Dakar bewiesen Jordi Viladoms Stärke © Marcelo Maragni/Red Bull Content Pool

Was sind deiner Meinung nach deine Stärken?

„Ich habe mir lange Erfahrung aufgebaut, nachdem ich in vielen Rallyes gefahren bin. Nachdem ich das offizielle KTM-Team verlassen hatte – dort war ich der Wasserträger – musste ich für Privat-Teams fahren, die nicht viel Wissen über die Dakar hatten. Das waren harte Zeiten mit vielen Problemen. Ich hatte keine andere Wahl als mir ein paar Kniffe anzueignen, die die offiziellen Fahrer nicht unbedingt brauchen. Ich musste lernen cool zu bleiben, immer weitermachen zu können und zu vermeiden, dass man bei einer Rallye aufgeben muss. Ich habe das ausgespielt.“

Der Schlüssel zu meinem Erfolg war, dass ich cool blieb, als es darauf ankam

Ich kann allerdings nicht richtig verstehen, warum du ein Team verlassen hast, in dem du alles hattest, um für kleinere Projekte anzutreten...

„In meinem letzten Jahr bei KTM gab es einige Spannungen. Coma und ich hatten ein paar Kommunikations-Probleme. Mein Hauptjob war, Marc als Wasserträger zu helfen. Ich muss zugeben, dass das der beste Weg war, um wichtige Erfahrung zu sammeln. Aber ich wolle mehr, ich war nicht glücklich damit, nur meinem Teamkollegen zu helfen. Ich brauchte die Freiheit meiner eigenen Entscheidungen. Es war dann an der Zeit etwas eigenes zu machen, neue Herausforderungen zu suchen.“

Vielleicht haben die Medien deinen Job nicht so geschätzt, wie du das gern gehabt hättest... aber du bist jetzt wieder Teil des erfolgreichsten Teams aller Zeiten...

„Ja, das ist richtig. KTM schätzt meinen Job und ich werde 2015 auch für den österreichischen Hersteller die Dakar fahren. Das bedeutet, dass ich auch die Cross-Country Rallies Weltmeisterschaft fahre und vor der Dakar an vielen Tests teilnehme. Ich bin ein Teil des Entwicklungsteams und das gibt mir die wichtige innere Ruhe. Ich möchte mich auf meinen Fahrstil konzentrieren und einfach weiter das machen, was ich am meisten Mag. Der Rest kommt dann schon von selbst.“

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