Rallye Portugal: Perfekte Pace Notes sind ein Muss

In Portugal müssen die WRC-Piloten den Weg genau kennen - mehr als bei jeder anderen Rallye.
Einer der Beifahrer von M-Sport prüft die Richtigkeit der Aufzeichnungen bei der Rallye Portugal 2013.
Portugal verlangt perfekte Pacenotes © McKlein Image Database
Von Greg Stuart

Selbstverständlich will kein Pilot der World Rally Championship jemals bei irgendeinem Event Fehler in seinen Pace Notes haben. Aber es gibt eine Rallye im WRC-Kalender, wo es absolut unerlässlich ist, sich auf perfekte Streckennotizen verlassen zu können – wir sprechen von der Rallye Portugal.

Eine Mischung aus blinden Scheitelpunkten, engen und technischen Abschnitten und einigen Hochgeschwindigkeitspässen bei der Rallye Portugal sind für Fahrer und Beifahrer eine enorme Herausforderung.

„Die Rallye Portugal ist deshalb so schwierig, weil die meisten Etappen ein hohes Tempo verlangen, aber die Straßen eng sind”, erklärt Julien Ingrassia, der Mann, der neben dem Champion des Jahres 2013 Sébastien Ogier sitzt. „Dort gibt es so viele kleine Kuppen, an denen der Fahrer nicht weiß, wo seine Reifen aufsetzen.”

„Es ist eine knifflige Rallye“, bestätigt Jarmo Lehtinen, Beifahrer für M-Sport des finnischen Stars Mikko Hirvonen. „Da gibt es viele Stellen, die wir als ,sumppu’ bezeichnen, wo die Straße enger und enger wird. Viele befinden sich an den schnellen Kurven, die man im vierten, fünften und sechsten Gang nimmt, und da kann man leicht mit einem Reifen hängen bleiben, und dass bedeutet, man verliert man die Kontrolle!“

Blinde Scheitelpunkte machen das Leben schwer…

Lehtinen und Hirvonen sind zwar an die Kuppen der Rallye in ihrer Heimat Finnland gewohnt, aber die in Portugal stellen für die WRC-Crews eine ganz besondere Herausforderung dar.

„Oft sieht man hinter den Kuppen nur den blauen Himmel und hat nicht wie in Finnland Wälder oder Häuser, an denen man sich orientieren kann“, so Lehtinen. „Man muss sich also blind auf die Pacenotes verlassen, ob da nun steht, dass man nach der Kuppe nach rechts oder nach links fahren soll. Zweifel darf es da nicht geben, denn man kann wirklich nicht erkennen, wohin die Straße führt”.

M-Sports Mikko Hirvonen während der Rallye Portugal 2014 in seinem Ford Fiesta RS WRC.
Mikko Hirvonenbleibt in einem ,sumppu' stecken © M-Sport

Ogier und Ingrassia zahlen Lehrgeld

Sébastien Ogier und Julien Ingrassia mussten 2009 am eigenen Leib erfahren, wie gefährlich die Kuppen der Rallye sind. Ein Fehler in ihren Aufzeichnungen war die Ursache für einen typischen portugiesischen Unfall des französischen Paares in ihrem Citroën C4.

„Es war keine gefährliche Kurve, keine Stelle, an der wir einen Fehler machen konnten“, erinnert sich Ingrassia. „Aber die Pacenotes waren nicht präzise genug und sagten nichts über die Entfernung von der rechten Kuppe bis zur Linkskurve. Wir fuhren gerade über die Kuppe und verloren unsere Linie, also hatten wir keine Bodenhaftung mehr und landeten in einem Baum.

„Das war uns wirklich eine Lehre und im darauf folgenden Jahr gewannen wir in Portugal – es war unser erster WRC-Sieg überhaupt. Doch der Unfall machte uns klar, dass wir in Portugal unsere Pacenotes anders aufzeichnen mussten. Es war wirklich wichtig, all diese Scheitelpunkte zu vermerken.

Jari Matti Latvala fährt bei der Rallye Portugal 2013 über eine der blinden Kuppen
Die blinden Kuppen in Portugal sind problematisch © Volkswagen Motorsport

2014 gab es dann auch noch Überschwemmungen

Als sei es nicht schon schwierig genug, die Pacenotes für die Rallye Portugal zu schreiben, hat die Ralley 2014 die Fahrer bereits auf eine harte Probe gestellt, da sie während der Recce auf vielen Etappen von plötzlichen Überschwemmungen überrascht wurden. Der portugiesische WR2-Pilot Bernardo Sousa verlor sogar sein Auto, das durch einen Fluss weggeschwemmt wurde.

„Man kann seinen Aufzeichnungen nicht wirklich trauen, weil die Etappen nicht zu sehen waren“, sagte der Citroën-Fahrer Mads Østberg vor dem Start der Rallye. „Wir haben im Grunde nicht die Informationen, die wir brauchen. Normalerweise kann man auf den Etappen einige Linien, Einschnitte, Steine auf der Innenseite oder verborgen in den Linien sehen. Aber es war unmöglich, so was zu erkennen. Wir haben also nur elementarste Aufzeichnungen und müssen uns auf unsere Augen verlassen!”

Wir möchten nicht an ihrer Stelle sein…

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