Cool bleiben: Die Tricks der WRC-Teams

Wir erklären, wie die besten Rallyefahrer der Welt mit hohen Temperaturen umgehen.
Sébastien Loeb sorgt bei der Akropolis-Rallye 2007 für Abkühlung
Sébastien Loeb bei der Akropolis-Rallye 2007 © DPPI/Francois Baudin
Von Richard Rodgers

Ein 300 PS starkes World Rally Car zu steuern, ist schweißtreibende Arbeit, selbst wenn die Fahrer im verschneiten Schweden oder im vereisten Monte Carlo unterwegs sind.

Man kann sich also vorstellen, was es bedeutet, mit Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius zurechtkommen zu müssen, so wie bei der diesjährigen Rallye Mexiko. Wie gelingt es den Fahrern, einen kühlen Kopf zu bewahren und trotzdem Höchstleistungen zu bringen?

Um diese Frage zu beantworten, haben wir mit Dr. Paul Trafford gesprochen, der sich bei der Rallye-Weltmeisterschaft im Laufe der Jahre um die Fahrer von Ford, Mitsubishi und Subaru gekümmert hat.

1. Viel trinken

Trinken ist selbstverständlich das Beste, was Fahrer tun können, um Dehydrierung zu vermeiden. Erforderlich sind mindestens fünf Liter pro Tag, von denen der Körper jeden letzten Tropfen nutzen wird. Das musste bei der Rallye Zypern im Jahr 2003 auch Robert Reid erfahren: Der Co-Pilot von Ex-Weltmeister Richard Burns wollte in den Kühler des kränklichen Peugeot 206 pinkeln, um ein bisschen „Kühlflüssigkeit“ hinzuzufügen, war aber leider nicht dazu in der Lage. Die Crew war somit gezwungen, aufzugeben.

Hyundai-Pilot Thierry Neuville bei der Rallye Portugal 2014.
Leichte Rennanzüge helfen bei Hitze © McKlein Image Database

2. So oft wie möglich die Körpertemperatur senken

Hierfür gibt es zahlreiche Möglichkeiten - von den hochtechnisierten Kühlanzügen der Formel-1-Fahrer bis hin zum schlichten nassen Tuch, das um den Kopf gebunden wird. Zu den effektivsten Methoden zählt eine kalte Dusche: Bei der Akropolis-Rallye experimentierte Ford einst mit einer transportablen Duschkabine für die Fahrer. Damals dauerte der Mittagsservice lediglich 20 Minuten, und weil es nur eine Dusche gab, haben sich die Fahrer sehr gut kennengelernt…

3. Nicht nur Wasser trinken

Pures Wasser rehydriert den menschlichen Körper nicht so schnell wie ein elektrolythaltiges Getränk. Aus diesem Grund füllen die Fahrer ihre Camelbak-Trinksysteme auch nicht mit Wasser, sondern mit einem Getränk, das auf Natrium- und Kaliumsalzen basiert und jene Körperteile erfrischt, die gewöhnliches Wasser nicht erreichen kann.

Uns wurde aus verlässlicher Quelle zugetragen, dass der Geschmack - sowohl salzig als auch süß - fürchterlich sein soll, außer man ist so ausgetrocknet, dass selbst das Trinken von Geschirrspülmittel verlockend klingt. Zu allem Überfluss ist das Getränk meist schon warm, wenn die Fahrer endlich dazu kommen, einen Schluck zu nehmen.

Volkswagen-Pilot Sébastien Ogier auf dem Podium der Rallye Portugal 2014
Champagner ist Trick Nr. 6 © McKlein Image Database

4. Die Sonne meiden

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, die aber viele Fahrer nicht beachten. Auch wenn man sich nicht besonders erhitzt (oder durstig) fühlt, zehrt der Aufenthalt in der Sonne an den kostbaren Wasserreserven des Körpers: Hitze bringt den Körper zum Schwitzen, und diese Flüssigkeit muss irgendwie ersetzt werden.

Manche Teams haben in der Vergangenheit mit Air-Condition für die Wagen experimentiert, aber die Anlagen erwiesen sich als zu schwer und nicht besonders effektiv. Stattdessen wird bei heißen Events inzwischen verspiegeltes Glas an den Fenstern eingesetzt, um die Sonnenstrahlen abzulenken. Darüber hinaus nutzen die Crews ein deutlich primitiveres Air-Conditioning-System: Auf den Straßenabschnitten öffnen sie einfach die Türen, um ein bisschen Luft reinzulassen. Die Wagen verfügen zudem über einen Dachlüfter, aber auch der ist nicht besonders nützlich: An extrem warmen Tagen könnte man ebenso gut mit einem heißen Föhn ins Wageninnere blasen.

5. Leichte Rennanzüge tragen

Häufig hilft neue Technologie den Fahrern, einen kühlen Kopf zu bewahren. In Mexiko trugen die Fahrer von M-Sport erstmals die neuen Anzüge von Sparco, die deutlich weniger voluminös sind als traditionelle Modelle, ohne dabei den Feuerschutz einzuschränken. Die neuen Anzüge sind um ein Vielfaches dünner und für die Fahrer damit wesentlich komfortabler.

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