So funktioniert Robert Kubicas WRC-Wippenschaltung

Diese Technik steckt hinter der Gangschaltung im Ford Fiesta RS WRC des polnischen Fahrers.
Robert Kubicas Wippenschaltung in seinem RK M-Sport Ford Fiesta RS WRC-Wagen.
Kubicas Wippenschaltung links vom Steuer © Thomas Butler
Von Richard Rodgers

Zum Schalten braucht Robert Kubica 50 Millisekunden in dem Ford Fiesta RS WRC, den er in der World Rally Championship fährt – fragt einfach diejenigen, die die Regeln in diesem Sport machen.

Die FIA hat Kubica eine Sondergenehmigung erteilt, zum Schalten einen speziellen Kippenschaltmechanismus zu verwenden. Doch um sicherzustellen, dass der ehemalige Formel-Eins-Pilot keine ungerechtfertigten Vorteile genießt, wird die Geschwindigkeit, mit der er schalten kann, während seine linke Hand auf dem Lenkrad liegt, streng durch Datenaufzeichnung überwacht.

Kubica leidet noch an den Folgen seines Unfalls im Jahr 2011

Kubica benutzt ein pneumatisches Wippenschaltsystem einfach deshalb, weil er in seinem rechten Arm nicht genug Kraft hat, um einen normalen Schalthebel wie seine Rivalen zu bedienen. Diese dürfen aus Kostengründen seit 2011 keine Wippenschaltung mehr benutzen. Das ist die Nachwirkung des schlimmen Unfalls vor drei Jahren auf dem Ronde di Andora, bei dem Kubicas Arm halb durchtrennt wurde und der seine Formel-Eins-Karriere vorzeitig beendete.

Robert Kubica fliegt in seinem RK M-Sport Ford Fiesta RS WRC bei der Rallye Portugal 2014 durch die Luft.
Kubicas Wippenschaltsystem erlaubt ihm so etwas © M-Sport

„Es handelt sich um ein druckluftbetätigtes System, das einem 2006 Ford Focus entstammt, also ein ziemlich gängiges System”, erklärt Nigel Hoogeveen, Robert Kubicas Ingenieur im britischen Team M-Sport. „Er hat links vom Steuer einen Steuerknüppel, den er zum Hochschalten zum Körper hinzieht, oder zum Schalten in einen niedrigeren Gang vom Körper wegdrückt. Roberts rechter Arm ist nur sehr eingeschränkt bewegungsfähig und nicht sehr kräftig und das Ziehen fällt ihm sehr schwer. Daher ist auch die Handbremse so eingestellt, dass er sie niederdrücken muss, anstatt sie nach oben zu ziehen.“

Kein unlauterer Wettkampfvorteil für Kubica

Die Wippenschaltung arbeitet mit einem Luftkompressor, der Druckluft erzeugt, um einen Auslöser im Getriebe zu aktivieren. Der von der FIA vorgeschriebene Zeitbegrenzung von 50 Millisekunden entspricht tatsächlich genau der Zeit, die man braucht, um in einer herkömmlichen Gangschaltung den Gang zu wechseln, indem man die rechte Hand vom Lenkrad nimmt. Das System kostet etwa 12.000 Euro. Vor der Installation mussten die anderen WRC-Teams seiner Benutzung zustimmen.

„Natürlich gab es Fragen, weil die Teams wissen wollten, wie lange man für das Schalten brauchen würde“, erklärt Malcolm Wilson, der Teamchef von Kubicas Team M-Sport. „Aber sobald sie erfuhren, dass die Zeit kontrolliert würde, waren sie zufrieden und die Frage hatte sich erledigt.“

Robert Kubicas Handbremsensystem in seinem RK M-Sport Ford Fiesta RS WRC-Wagen.
Die Handbremse (mit Überzug) ist ein Druck-System © Thomas Butler

Der Einbauprozess ist zwar laut Wilson „recht aufwändig“, doch für das Team seiner Ingenieure ist es technisch keine allzu große Herausforderung. Sie entwickelten ihre Version des Systems für den Start der Saison 2013, als M-Sport neben dem Konkurrenzteam Citroën um Kubicas Gunst als Teamfahrer warb. Kubica entschied sich schließlich für Citroën – und dessen hydraulische Version des Systems. 2013 wechselte er jedoch zu M-Sport und die diesjährige World Rally Championship.

Wie die meisten Teile in einem Rallyewagen ist auch der Wippenschaltmechanismus recht störanfällig. Am ersten Tag der Rally Mexico gab es Probleme, als das System zu heiß wurde und Kubica von Hand schalten musste. Das System hat kurvenreiche und technische Etappen nicht gerne, genauso wenig wie rutschigen Boden. Doch es erlaubt Kubica, an der Spitze in der WRC mitzufahren – die Alternative wäre, gar nicht anzutreten.

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