Überzeugungstäter: Cyril Despres beim Erzbergrodeo

Wir blicken auf den Durchbruch des Franzosen beim Hard Enduro-Klassiker zurück.
© Philip Platzer/Red Bull Content Pool
Von Tim Sturtridge

Das Millennium ging für Cyril Despres im Januar 2001 gleich richtig gut los, als ihm in der Wüste Senegals sein erster Etappensieg auf der Rallye Dakar gelang.

Wenige Monate später legte der Franzose noch einmal gewaltig nach, als er sich auf einem selbstfinanzierten Trip nach Österreich die Aufmerksamkeit der Entscheider von KTM sicherte. Das war der Beginn einer denkwürdigen gemeinsamen Reise des Bikers und der Marke.

Wusstest du, worauf du dich einlässt, als du dich 2001 für das Erzbergrodeo einschriebst?
Ich hatte es zuvor nur im Fernsehen gesehen. Deshalb wollte ich mir unbedingt selbst einen Eindruck verschaffen. In dem Jahr habe ich alles im Do-It-Yourself-Verfahren gemacht. Ich weiß noch, dass ich mir den Truck meines Chefs fürs Wochenende auslieh. Dann lud ich mein Honda-Bike ein und fuhr los, die ganze Strecke von Frankreich nach Österreich.

Am Ende wurdest du im Rennen Zweiter hinter Juha Salminen. Was war deine erste Reaktion? Überraschung oder einfach nur Genugtuung?
Es war ein unbeschreibliches Gefühl und ich war überrascht, was ich geleistet hatte. Und ich war wohl nicht der einzige, der überrascht war, denn am gleichen Tag sprachen Alfie Cox und Heinz Kinigadner noch mit KTM-Chef Stefan Pierer über meine Leistung. Pierer hatte den Durchblick: „Bei seiner ersten offiziellen Dakar Rallye 2001 gewann Cyril auf BMX eine Etappe als Wasserträger.

Jetzt ist er bei einem ganz anderen Rennen hier auf dem Erzberg gefahren und landete nur knapp hinter unserem großem Sieger. Der Mann muss zu uns ins Team!“

Du hast das Vertrauen, das KTM in dich setzte, gleich beim nächsten Erzbergrodeo auf einer KTM zurückgezahlt.
Das Erzbergrodeo liegt im Rennkalender immer kurz vor Beginn der Marathonrallye-Saison, daher hatte ich nie viel, Zeit gezielt für den Event zu trainieren. Da das Rennen in meiner Karriere aber so eine besondere Stellung hat, wollte ich unbedingt starten und um den Sieg mitfahren. Die Siege beim Erzbergrodeo 2002 und 2003 habe ich immer noch in bester Erinnerung.

Was hast du beim Red Bull Hare Scramble gelernt, dass du auch bei deinen späteren Siegen bei der Rallye Dakar anwenden konntest?
Gemeinsamkeiten zwischen dem Erzbergrodeo und der Rallye Dakar zu finden, ist nicht leicht. Wenn man zum Beispiel einen Marathonspezialisten bei einem Leichtathletik-Meeting über 110 Meter Hürden starten lässt, rechnet man nicht mit seinem Sieg. Für die Hürden braucht man explosive Schnellkraft und eine gute Hürdentechnik. Auf der anderen Seite erwartet man von einem Hürdensprinter nicht, dass er die Ausdauer hat, um einen einen Marathon in gut zwei Stunden zu laufen. Die Rallye Dakar ist ein Marathon über 15 Tage, während man beim Hard Enduro einige Stunden lang viel Kraft für technisch schwierige Abschnitte braucht. Gemeinsam haben die beiden Rennen nur, dass man sie auf einem Motorrad mit Lenker und zwei Rädern fährt.

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