Leitfaden für Rallycross-Einsteiger

Rallycross erobert unseren Planeten gerade mit der ersten WM im Sturm - hier die wichtigsten Fakten…
Andreas Eriksson fährt in der World Rally Cross-Meisterschaft gegen einen Poller.
Andreas Eriksson nimmt einen Poller mit © World RX
Von Carl McKellar

Die Autos
Mit einer Leistung von 600bhp, die von ihren flammenspeienden 2-Liter Motoren mit Turboladern erzeugt wird, sind die Autos – Supercars genannt – brutal. Die meisten basieren auf beliebten Kompaktwagen wie Ford Fiesta, Citroën DS3, VW Polo, Peugeot 208 und Audi A1. Riesige Flügel und wulstige Radkästen lassen sie wie gedopt aussehen, aber sie haben einen guten Grund – noch mehr Leistung zu ermöglichen.

Schon am Start, noch bevor die Autos losfahren, meint man, ein Krieg sei ausgebrochen, so viel ohrenbetäubenden Lärm machen die Fahrer, wenn sie ihre Motoren bis zum Drehzahlbegrenzer aufheulen lassen. Das erzeugt einen kanonenartigen Knall und eine weiße, heiße Flamme tritt durch den Auspuff aus. Im wahrsten Sinne des Wortes haarsträubend…

Die Autos beschleunigen von 0-100 kmh in 1,9 Sekunden. Das ist schneller als ein F1-Auto, das heißt, sie sind die schnellsten Beschleuniger der Welt (ausgenommen Dragster).

Alle Autos fahren mit identischen Cooper Rennreifen und einem explosiven 102 Oktan-Treibstoff (gewöhnlicher Kraftfahrzeugkraftstoff hat die Oktanzahl 95).

Die Rennen
Es werden vier Heats gefahren – jeweils ein Sprint über vier Runden mit maximal sechs Autos am Start. Es geht darum, jeden Heat so schnell wie möglich zu fahren, da nur die zwölf schnellsten Fahrer das Halbfinale erreichen.

Auch im Halbfinale sind jeweils sechs Autos am Start, doch gehen die Rennen hier über sechs Runden. Die drei schnellsten Fahrer aus jedem Heat kommen ins Finale. Auch da sind es sechs Runden – das hört sich vielleicht nicht aufregend an, doch es bedeutet, dass es für die Fahrer auf jede Sekunde ankommt. Dementsprechend spektakulär sind mitunter die Zweikämpfe, die sie sich um ihren Platz auf der Strecke liefern.

Petter Solberg feiert den Sieg in der Auftaktrunde der World Rally Cross in Portugal
Wer viele Punkte holt, kann sich so fühlen © World RX

Die Punkte
Am Ende der vier Heats ergibt sich eine erste Rangfolge der Fahrer basierend auf folgender Berechnung: Rang 1 16 Punkte, Rang 2 15 Punkte, Rang 3 14 Punkte, Rang 4 13 Punkte, und so weiter bis zu Rang 16.

Im Halbfinale werden die Punkte wie folgt verteilt: Rang 1 6 Punkte, Rang 2 5 Punkte, Rang 3 4 Punkte, Rang 4 3 Punkte, Rang 5 2 Punkte und Rang 6 1 Punkt.

Im Finale schließlich erhalten die Fahrer je nach Platzierung die folgenden Punkte: Rang 1 8 Punkte, Rang 2 5 Punkte, Rang 3 4 Punkte, Rang 4 3 Punkte, Rang 5 2 Punkte und Rang 6 1 Punkt.

Alle Punkte, die ein Fahrer von den Heats bis ins Finale verbucht, werden addiert und diese Gesamtpunktzahl bestimmt das Ergebnis der Meisterschaft.

World Rally Cross-Autos in Action auf Asphalt und Schotter
Asphalt und Schotter sind problematisch © McKlein

Die Rennstrecken
Sie sind eine Mischung aus Schotter (mindestens 40 Prozent) und Asphalt – die Piloten müssen also auf beiden Böden ihre Fahrerqualitäten beweisen.

Jede Strecke ist etwas über eine Meile (1,6km) lang, die Fans kommen also auf ihre Kosten. Außerdem liegen alle Pisten entweder in einem natürlichen oder speziell angelegten „Amphitheater“, so dass die Zuschauer das Rennen über die gesamte Runde verfolgen können.

Der Austragungsort Holjes in Schweden ist vermutlich die beliebteste Veranstaltung im Kalender – das Dorf hat 150 Einwohner, doch jedes Jahr tauchen dort mehr als 40.000 Leute auf, um den sogenannten „Swedish Grand Prix“ mitzuerleben.

Norwegens Strecke dagegen gefällt uns am meisten wegen ihrem Namen: Hell.

Die Meisterschaft besteht aus 12 Runden, fünf davon neu in der Saison 2014: Türkei (auf der alten F1-Rennstrecke); Trois-Rivieres in Kanada; Mettet in Belgien; Franciacorta in Italien; San Luis in Argentinien.

Spannende Renn-Action bei der World Rally Cross-Meisterschaft
Die Joker-Runde sollte man gekonnt einsetzen © World RX

Wettbewerbsregeln
Fast alles ist erlaubt, wenn das Rennen losgeht: Die Fahrer haben nur wenige Runden, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Also gibt es eine Menge Kontakte, Streitereien und Verzweiflung.

In jedem Rennen – Heat, Halbfinale und Finale – muss jeder Fahrer eine sogenannte „Joker-Runde“ nutzen. Das ist eine (um etwa 200 Meter) verlängerte Variante der Strecke, die über eine Zubringerstraße führt. Dabei kommt es oft zu weiteren Kontakten, wenn die Fahrer in die Jokerrunde abbiegen, und ebenso, wenn sie wieder mit dem Feld zusammenstoßen. Da ist Timing gefragt…

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