Sébastien Ogier: Über Polo, Porsche und Polen

Porsche statt VW – vor der Rallye Polen fuhr der WRC-Champ eine Runde auf dem Red Bull Ring.
Sébastien Ogier fährt beim Porsche Supercup auf dem Red Bull Ring 2014 einen Porsche 911.
Sébastien Ogier im Porsche 911 in Österreich © GEPA Images/Red Bull Content Pool
Von Justin Hynes

Sébastien Ogier, der Führende der WRC, nahm sich am letzten Wochenende eine kurze Auszeit, um im Rahmen der F1-Action auf dem Red Bull Ring in einem Porsche ein paar Runden zu drehen. Im Interview verrät er uns, mit welchen Herausforderungen Fahrer auf einem Rundkurs zu kämpfen haben und warum die bevorstehende Rallye Polen genau das Richtige für sein Verlangen nach Geschwindigkeit ist.

Diese Woche steht die Rallye Polen an, doch letzte Woche warst du in Österreich und bist während des Grand Prix von Österreich beim Porsche Supercup mitgefahren. Worin liegt für dich der Reiz, neue Disziplinen auszuprobieren?
Der Fahrstil unterscheidet sich sehr von dem Stil, den ich von einer Rallye gewöhnt bin und darin liegt die besondere Herausforderung auf Rundkursen. Außerdem kann ich dort einfach Spaß haben und versuchen, mich so schnell wie möglich an etwas komplett Neues zu gewöhnen, das ganz anders ist als meine normalen Rennen. Ich stehe auch nicht unter dem Druck, ein gutes Ergebnis zu erzielen, auch wenn ich mir selbst natürlich gewisse Ziele setze. Ich weiß, dass wenn ich nicht mein Bestes gebe, ich auch keinen Spaß daran habe und nicht zufrieden bin.

Verändert es die Art und Weise, wie du fährst? Musst du alles „verlernen“, was du weißt?
Ja, alles am Fahren ist anders. Der Porsche hat Hinterachsenantrieb und noch dazu mehr Power, dadurch liegt der Wagen beim Gasgeben etwas unruhiger auf der Straße als ein Rallyewagen. Auch beim Bremsen ist er nicht ganz so stabil und es passiert schnell, dass die Vorderräder blockieren. Ich würde sagen, dass sich mein Rallyewagen wesentlich stabiler fährt. Doch um schnell zu sein, kommt es letzten Endes immer auf das Gleiche an – die Linie, die man nehmen muss. Und man muss immer so spät wie möglich bremsen und so früh wie möglich Gas geben.

© Francois Baudin/DPPI

Wir freuen uns auf die Rallye Polen. Du hast auch an der letzten Rallye dort teilgenommen, allerdings ist die Route dieses Jahr eine komplett andere. Welche Erinnerungen hast du an den Event von 2009?
Oh, das ist schon so lange her – fünf Jahre. Ich war damals sehr jung und es war meine erste Saison in der WRC. Ich habe allerdings ein paar schöne Erinnerungen an die Rallye: gute, ziemlich schnelle Etappen, aber der Boden war etwas weich und sandig. Aber ich glaube nicht, dass mir die Erinnerungen auch nur ansatzweise helfen werden. Dieses Mal ist es für alle eine neue Rallye. Ich erwarte ein hartes Rennen, vielleicht einige tiefe Spurrinnen bei der zweiten Runde. Ganz sicher wird es eine tolle Rallye, denn in Polen gibt es viele Rallyefans und ich bin mir sicher, das Robert [Kubica] noch mehr Fans mitbringen wird.

Es heißt, die Etappen sind sehr schnell. Fühlst du dich wohl, wenn du mit Vollgas fahren musst?
Die meisten Fahrer haben Lieblingsabschnitte – ich mag die schnellen Etappen. Da habe ich keine Angst. Wenn man schnell fährt, muss man seinen Pacenotes wirklich vertrauen. Sie müssen sehr genau sein, denn auf schnellen Abschnitten, wie wir sie dort wahrscheinlich sehen werden, verliert man viel Zeit, wenn man zögerlich fährt.

Sébastien Ogier fährt beim Porsche Supercup auf dem Red Bull Ring 2014 einen Porsche 911.
Ogier würde gern mal ein F1-Auto testen © GEPA Images/Red Bull Content Pool

Vor dem Saisonstart sagtest du, dass es schwieriger werden würde, den Titel zu verteidigen als ihn zu holen. Jetzt hast du in dieser Saison bereits vier Siege auf dem Konto – wie stehst du jetzt dazu?
Ich würde das immer noch unterschreiben! Das liegt vor allem an den Regeländerungen. Jeder weiß, dass ich kein Fan der Regeln bin, die den Führenden der Gesamtwertung zwingen, als Erster auf die Strecke zu gehen. Wenn man gegen einen starken Teamkollegen kämpfen muss wie ich gegen Jari-Matti [Latvala], dann hat man es eh schon schwer, ihn zu schlagen. Wenn man dann auch noch den kleinsten Nachteil hat, ist es noch schwerer, sich gegen ihn durchzusetzen.

Letzte Frage: Letztes Jahr meintest du, dass du gern mal den Wagen mit Sebastian Vettel tauschen würdest. Werden wir das bald erleben?
Darüber haben wir noch nicht genauer gesprochen, aber wenn Red Bull gerne hätte, dass wir das tun – aus welchem Grund auch immer – müsste ich nicht lange überlegen und würde ganz schnell zusagen.

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