Wie bändige ich ein World-Rallycross-Supercar?

Der schwedische WRX-Star Timmy Hansen erklärt, wie er seinen 600bhp-Peugeot unter Kontrolle behält.
© McKlein für Team Peugeot-Hansen
Von Carl McKellar

Timmy Hansen ist genau der Richtig, um zu erklären, wie man ein 600bhp-World-Rallycross-Supercar unter Kontrolle behält. Schließlich ist er der Sohn der schwedischen Rallycross-Legende und mehrfachen Europameisters Kenneth Hansen, der die meisten Siege in den 90er- und frühen 2000er-Jahren hinter dem Steuer eines Citroën einfahren konnte.

Inzwischen wurde die Fackel endgültig übergeben, also lasst euch von Timmy erklären, wie er das Beste aus seinem Peugeot 208 T16 herausholt – und seht in dem Video oben, wie er an diesem Wochenende einige Runden auf dem belgischen Kurs der World Rallycross Championship, dem Circuit Jules Tacheny Mettet, gedreht hat.

Wie holst du die beste Leistung aus so einem extremen Fahrzeug heraus?
Manchmal ist es fast unmöglich, den Wagen unter Kontrolle zu behalten. Vor allem bei Unebenheiten, Sprüngen und Randsteinen und schon war es das mit der schönen Geraden. Es geht darum, es bis ins kleinste Detail aufzuschlüsseln – wann und wie bremse ich, wann lenke ich, behalte ich das Tempo in der Kurve, wie positioniere ich den Wagen, um möglichst gut aus der Kurve zu kommen. Manchmal gehe ich alleine los, schließe meine Augen und simuliere die perfekte Runde in meinem Kopf. Dann weißt du, was du auf der Strecke erreichen willst, und bist etwas weniger nervös.

World-Rallycross-Fahrer Timmy macht sich in seinem Peugot 206 für das Rennen bereit..
Timmy macht sich bereit © McKlein für Team Peugeot-Hansen

Was passiert im Auto mit deinem Körper?
Es ist besonders einfach, außer Puste zu kommen – deine Herzfrequenz ist immer bei etwa 95 bis 100 % vom Grenzwert. Du musst so viel gleichzeitig machen: Bremsen, Lenken, Füße, Koordination. Es sind drei oder vier vollkommen verrückte Minuten, aber so kontrolliert, wie es eben geht. Man kann dieses Erlebnis nur schwer Leuten erklären, die es noch nicht selber erlebt haben.

Timmy Hansen springt beim World-Rallycross-Championship-Rennen in Holjes, Schweden in Führung liegend mit seinem Peugeot 206
Timmy springt an der Spitze des Feldes © McKlein für Team Peugeot-Hansen

Wie gehst du damit um, wenn einer deiner Gegner mit 160 km/h vor dir fährt und dir Schotter gegen die Windschutzscheibe schleudert?
Da kommt es wirklich auf deinen Mut an. Du kannst im Auto spüren, dass du in fast der gleichen Spur fährst, aber du siehst fast nichts. Mein Vater würde mit seiner Erfahrung wahrscheinlich Vollgas geben, aber ich nehme da schon ein wenig Tempo raus. Vielleicht bekomme ich ja auch bald noch die Eier dafür.

Timmy Hansen wärmt sich vor seinem World-Rallycross-Championship-Rennen in Holjes, Schweden auf.
Körperliche Fitness ist zwigend erforderlich © McKlein für Team Peugeot-Hansen

Stellen wir uns vor, dass Andreas Bakkerud vor der ersten Kurve auf deiner Innenseite und Petter Solberg auf deiner Außenseite fährt – wie sieht deine Strategie aus?
Ich weiß, dass Bakkerud hart bleiben und seinen Platz nicht aufgeben wird, aber ich erwarte auch, dass Petter – ein sehr aggressiver Fahrer – sehr spät bremsen wird. Deswegen wäre mein Plan, hinter Bakkerud zu gelangen, darauf zu warten, dass Petter nach außen driftet und dann komme ich in der zweiten Kurve aus dem Winkel. Ganz einfach!

Ist es möglich, beim Rallycross zu aggressiv zu sein?
Nach einem Jahr habe ich die unterschiedlichen Charaktereigenschaften der meisten Fahrer gelernt. Einige gehen wirklich bis ans Äußerste. Für mich sind Schieben und einige harte Stöße okay. Wenn dich jemand von der Strecke schiebt oder deinen Wagen aus dem Weg schmettert, dann geht das für mich zu weit.

Timmy Hansen steuert seinen Peugeot 208 T16 Rallycross-Wagen im Schlamm von Holjes, Schweden.
Wie soll man da die Kontrolle behalten? © McKlein für Team Peugeot-Hansen

Wie hart bist du inzwischen auf der Strecke?
Letztes Jahr wurde ich herumgeschupst, habe aber nicht selber ausgeteilt. Ich werde immer noch wütend, wenn ich Wiederholungen von meinem Heimrennen in Höljes sehe, als Bakkerud mich aus dem Weg gerammt hat, um den Sieg einzufahren. Aber das lasse ich jetzt nicht mehr mit mir machen. Nehmen wir zum Beispiel die Joker-Runde – wenn jemand vor mir rauskommt und mich schneidet, dann suche ich immer noch die Lücke. Das ist mein Teil der Straße. Er wird sich eine andere Spur suchen müssen. Man muss eine Duftmarke setzen und den Leuten zeigen, dass man es ernst meint.

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