Fliegen lernen bei der Rallye Finnland

Die Topfahrer der WRC erklären, wie sie die legendären Sprünge der Rallye Finnland nehmen.
© McKlein Image Database
Von Richard Rodgers

Rallye Finnland, das bedeutet vor allem eins: Sprünge, Sprünge und noch mehr Sprünge (schaut euch zum Beweis unser Video oben an!). Wenn wir den Assen der Rallye-Weltmeisterschaft Glauben schenken, hat man in einem Rallye-Auto selten mehr als Spaß als beim Flug durch die finnische Luft. Doch das Fliegen richtig zu beherrschen, ist eine Kunst, wie RedBull.com herausfand...

Ohne Vertrauen geht es nicht

Laut Volkswagens bestem Finnen Jari-Matti Latvala muss man sich und dem Auto absolut vertrauen, bevor man mit dem Auto bei knapp 200 km/h abhebt. „Die Einstellung muss stimmen, damit man weiß, wie sich das Auto verhält. Das Schlimmste ist, wenn das Heck ausbricht oder die Front hochkommt. Das Auto muss beim Sprung gut ausbalanciert sein.“

M-Sports Thierry Neuville in seinem Ford Fiesta RS WRC bei der Rallye Finnland 2013.
Ganz wichtig: Räder gerade bei der Landung © McKlein Image Database

Der Absprung ist entscheidend

Vor dem Absprung muss man bremsen, um das Auto zu stabilisieren. Latvala bremst die Sprünge je nach Größe unterschiedlich an: „Kleine Sprünge fahre ich mit Vollgas an und bremse vor dem Absprung kurz, um nicht zu hoch abzuheben. Vor großen Sprüngen gehe ich einmal richtig in die Eisen und fahre dann mit Vollgas drüber.“

Rallye-Fahrer fliegen quer durch die Luft

Bei vielen Sprüngen der Rallye Finnland steht das Auto in der Luft quer, weil der Sprung in einer Kurve liegt. Noch mal Latvala: „Wenn man mit querstehendem Auto über den Sprung fährt, kommt es aufs Bremsen und Lenken an. Doch nach dem Absprung muss man die Räder wieder geradestellen. Denn wenn die Räder bei der Landung noch eingeschlagen sind, riskiert man einen heftigen Crash.“

Kris Meekes beschädigter Citroën DS3 WRC bei der Rallye Finnland 2013.
Wenn es in Finnland schiefgeht, dann aber richtig © McKlein Image Database

Pacenotes sind der Schlüsselfaktor

Mikko Hirvonens Co-Piloten Jarmo Lehtinen hilft die Erfahrung, um die Sprünge in Finnland zu beherrschen. „Manchmal verwenden wir in den Pacenotes nicht das Wort ‚Sprung’, sondern beschreiben, was der Sprung mit dem Auto macht“, sagt er. „Manche Sprünge erklären sich von selbst, aber wichtig ist, was nach dem Sprung passiert. Eventuell muss man direkt nach der Landung lenken, um die nächste Kurve zu bekommen.“ Latvala fügt hinzu: „Meine Pacenotes basieren darauf, wo ich den Sprung nehme: mittig, links oder rechts. Außerdem notiere ich „wenig Bremse“, „Bremse“ oder „viel Bremse“, je nachdem, in welchem Tempo ich den Sprung nehmen muss. Das funktioniert meistens!“

Sprünge machen Spaß...

Hirvonen, der die Rallye Finnland 2009 gewann, liebt die Sprünge. „Es gibt kein besseres Gefühl, als auf einer Etappe querstehend durch die Luft zu fliegen. Übel ist nur, wenn einem im Flug die Straße ausgeht!“ Citroën-Fahrer Kris Meeke findet: „Die Sprünge sind einmalig, aber man muss sie im richtigen Tempo anfahren. Schon fünf km/h zu schnell und man kann ein Problem bekommen. Denn in der Luft kann man nicht lenken. Doch die Aerodynamik und der Abtrieb hinten lassen das Auto ziemlich gut fliegen.“

Volkswagens Sébastien Ogier bei der Rallye Finnland 2013.
Für die Sprünge braucht man eine harte Federung © McKlein Image Database

... wenn das Auto mitmacht

Für M-Sport-Ingenieur Mathieu Horsky macht die Einstellung der Federung den Unterschied: „Die Federung muss ziemlich hart sein, damit die Autos die großen Sprünge verkraften. Ist die Federung zu weich, setzt das Auto bei der Landung auf dem Boden auf. Wir haben keine speziellen Dämpfer für Finnland, weil das Auto bereits gut eingestellt ist, um Top-Leistung zu bringen. Außerdem stecken die Autos große Sprünge besser weg, als wenn sie mit dem Rad auf einen Felsen prallen.

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