Der Mentor: Sébastian Loeb über Stéphane Lefebvre

Vor der Rallye Frankreich spricht der neunfache Champion über seine Arbeit mit dem JWRC-Fahrer.
© Gepa Pictures/McKlein/Red Bull Content Pool
Von Greg Stuart

Tendenziell dauern die Karrieren von Rallye-Piloten etwas länger als die von Rundstreckenfahrern. Während Sebastian Vettel seine erste F1-Weltmeisterschaft im Alter von 23 Jahren gewann, ist Colin McRae immer noch der jüngste Rallye-Weltmeister aller Zeiten - mit relativ stattlichen 27 Jahren und 109 Tagen.

Aus diesem Grund ist es im Rallyesport gut, schon früh einen Mentor zu haben – und Stéphane Lefebvre, der derzeit die Rallye-Juniorenweltmeisterschaft (JWRC) anführt, hat den besten überhaupt: den neunfachen Weltmeister Sébastien Loeb.

Lefebvre und Loeb sind aus demselben Holz geschnitzt

Die Karrieren der zwei Männer – und die von Sébastien Ogier – haben sich verblüffend ähnlich entwickelt: Allesamt sind Franzosen, denen mit Citroën der große Durchbruch in der JWRC gelang. Wie also möchte Loeb aus seinem jungen Schützling einen zukünftigen WRC-Teilnehmer machen?

„Ich hatte nie einen Coach, deshalb weiß ich nicht, inwieweit ich helfen kann“, erklärt Loeb gegenüber RedBull.com. „Dominique Heintz war mir beim Start in den Rallyesport behilflich, aber den Rest habe ich alleine gemacht. Niemand kann für dich fahren oder deine Gefühle durch andere ersetzen, aber ich denke, Stéphane weiß, was zu tun ist. Er ist in der Lage, sich in riskanten Situationen zurückzuhalten, kann nötigenfalls aber auch mächtig Gas geben. Ich halte ihn für clever.“

Stéphane Lefebvre bei der Rallye Polen 2014, wo er das JWRC-Rennen gewann.
Lefebvre kann auch auf Schotter punkten © McKlein Image Database

Während seines Aufstiegs war Loeb darum bemüht, das Vorurteil zu widerlegen, nach dem französische Fahrer vor allem Asphalt-Spezialisten sind. Er wurde zum perfekten Allrounder. Muss Lefebvre seiner Meinung nach dasselbe tun? „Ich glaube, er hat bereits gezeigt, dass er auf Schotter schnell ist“, so Loeb. „Seitdem ich bewiesen habe, dass auch ein französischer Fahrer auf Schotter schnell sein kann, und Ogier das bekräftigt hat, haben französische Fahrer dieses Image nicht mehr!“

Hat Lefebvre das Zeug zum Weltmeister?

Wer einen jungen Fahrer möglichst stark unter Druck setzen möchte, muss ihn nur zum zukünftigen Weltmeister erklären. Aber da Lefebvre in der JWRC – die sowohl Loeb als auch Ogier einst gewonnen haben – zwei Runden vor Schluss einen deutlichen Vorsprung genießt, muss die Frage erlaubt sein: Glaubt Loeb, dass Lefebvre irgendwann genauso erfolgreich sein wird wie er selbst? „Ja“, antwortet Loeb zögernd, „aber es ist noch zu früh, um es sicher zu wissen.“

Stéphane Lefebvre testet 2014 den Citroën DS3 WRC von Kris Meeke auf dem Issoire Circuit in Frankreich.
Der junge Franzose testete Kris Meekes DS3 WRC © Citroën Racing

Für Loeb ist es jetzt am wichtigsten, Lefebvre noch mehr Zeit in Citroëns DS3 WRC zu ermöglichen - einen ersten Vorgeschmack bekam er letzte Woche auf dem Kurs von Issoire in Frankreich - und zu prüfen, ob er mit dem Wagen ebenso gut klarkommt, wie mit seinem regulären DS3 R3T. Loeb saß noch nie mit Lefebvre im Auto („Ich sitze nicht gerne neben jemandem“, erzählt er RedBull.com), hält den Übergang aber für unproblematisch. „Ich glaube, Stéphane hatte Spaß beim Test und sofort ein gutes Gefühl. Ich denke nicht, dass es zu früh für ihn ist [in einen WRC-Wagen zu wechseln].“

Auf Lefebvre wartet eine aufregende Zukunft. Sollte er den JWRC-Titel unter Dach und Fach bringen, wäre er einer der gefragtesten jungen Fahrer im Rallyesport… falls er das nicht ohnehin schon ist. Und wie gut: Sollte er jemals an sich zweifeln, hat er einen direkten Draht zu einem neunfachen Rallye-Weltmeister.

Andere berühmte Schüler-Lehrer-Beziehungen in der WRC

Kris Meeke – Colin McRae

McRae, der Champion von 1995, war so beeindruckt von dem jungen Kris Meeke, dass er den Nordiren bei dessen erfolgreicher Jagd auf die britische Rallye-Juniorenmeisterschaft finanziell unterstützte und bis zu seinem Tod im Jahr 2007 als Mentor für Meeke zuständig war.

Colin McRae talking to his young protege Kris Meeke at the 2005 Wales Rally GB.
Colin McRae förderte die Karriere von Kris Meeke © Francois Buadin/DPPI

Thierry Neuville – Tommi Mäkinen

Im Jahr 2012 wollte Neuville als Citroën-Junior-Pilot Erfahrung auf Schnee sammeln. Im Vorfeld der Rallye Schweden wandte er sich zwecks Beratung deshalb an einen ausgewiesenen Experten: den vierfachen WRC-Champion Tommi Mäkinen.

Juha Kankkunen – Timo Mäkinen

Timo Mäkinen (kein Verwandter von Tommi!), der 1965 die Rallye Monte Carlo gewann, war mit Kankkunens Vater befreundet und brachte Kank Jr. das Fahren bei. Juha Kankkunen gehört neben Tommi Mäkinen und Sébastien Loeb zu der auserlesenen Gruppe von Fahrern, die mindestens vier WRC-Titel gewinnen konnten.

Am Wochenende hat Stéphane Lefebvre bei der Rallye de France-Alsace die Chance, dem JWRC-Titel noch einen Schritt näher zu kommen. Auf unserer Event-Seite findet ihr weitere News und Features.

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