Sam Sunderland: So bereite ich die Dakar vor

Sam Sunderland, Gewinner der ersten Etappe der Dakar 2015, verrät uns seine Trainings-Geheimnisse.
Von James Hines

Im Sport gehört die mentale Vorbereitung genau so dazu, wie das richtige Equipment und eine ordentliche körperliche Fitness. Konzentriert zu bleiben ist eine Fähigkeit, an der jeder Spitzensportler hart abreiten muss, um perfekt zu sein. Das gilt vor allem bei Ausdauer-Veranstaltungen, Endurance-Rennen. In der Welt des Motorsportes gibt es keine größere Ausdauer-Challenge, als die berühmte Rallye Dakar.

Wir haben uns mit Red Bull KTM Pilot Sam Sunderland unterhalten und wollten herausfinden, wie er seinen Kopf auf dieses harte Rennen vorbereitet.

Marc Coma und Sam Sunderland am 14. November 2014 beim Red Bull Desert Wings Fotoshooting in Camargue, Frankreich.
Action mit Marc Coma © Flavien Duhamel/Red Bull Content Pool

Wie wichtig ist die geistige Vorbereitung bei einem solch langen Ausdauerrennen wie der Rallye Dakar?
Die mentale Seite ist im Rennsport wirklich wichtig. Damit hatte ich in meiner Jugend immer wieder Probleme, aber ich habe gelernt, dass der beste Weg, geistig fit zu sein, eine akkurate körperliche Fitness ist. Damit können mir selbst gar keine Zweifel oder Fragen über mich aufkommen und ich kann mich mehr auf das Rennen konzentrieren.

Hast du irgendwelche speziellen Übungen oder Abläufe?
Klar! Ich denke, dass alle Spitzen-Jungs im Rennsport irgendwie abergläubisch sind und Routinen haben. Bevor ich meinen Helm aufsetze, spreche ich immer ein paar Worte zu denen, die hoffentlich auf mich aufpassen und ich sagen diese Worte wieder, wenn ich die Brille aufziehe.

Sam Sunderland am 14. November 2014 beim Red Bull Desert Wings Fotoshooting in Camargue, Frankreich.
Sam beim Red Bull Desert Wings Training © Flavien Duhamel/Red Bull Content Pool

Sam Sunderlands Ultimative Riding-Playlist

Road to Zion – Damian Marley
Last Confession – Hilltop Hoods
Comes and Goes – Sweatshop Union
Super Official – Hilltop hoods
Welcome to Jamrock – Damien Marley
Falling Short – lapsley - Anne Mack presents
Field of Dreams – Bliss n Esso
Stolen Dance – Milky Chance
Faded – ZHU
Die Playlist von Sam Sunderland auf Spotify.

Welche geistigen Barrieren musst du bei einer Rallye durchbrechen?
Die Dakar ist so lang, dass du jeden Tag Barrieren brechen musst. Es ist ein immer währender Kampf gegen die Wüste und die Müdigkeit. Das einzige Mal, wo du fühlst die gebrochen zu haben, ist wenn du am letzten Tag über die Ziellinie fährst.

Hat die mentale Seite jemals einen Knackpunkt beim Gewinnen oder Verlieren für dich dargestellt?
Definitiv. Rallyes sind ziemlich taktisch. Du musst dich konstant auf unterschiedliche Situationen einstellen, da spielt der Kopf eine große Rolle, wie du dein Rennen einteilst. Du kannst nicht wie in einem 30-Minuten-MotoCross-Rennen alles geben. Du musst dir bewusst sein, das noch viele Tage kommen und welches Terrain vor dir liegt - wenn es Sand ist, willst du am nächsten Tag definitiv nicht der Erste sein, der startet, denn du verlierst Zeit in den Dünen. Es gibt immer eine Art Renn-Management und du bist 90 Prozent der Zeit auf dich selbst gestellt, da musst du gute Entscheidungen treffen.

Gibt es irgendwelche Rallyes, die dir Angst machen? Hast du irgendwelche schlechten Erfahrungen gemacht?
Die Dakar ist die härteste und braucht die meiste Vorbereitung. Du musst mit der Höhe über Null klar kommen, die Navigation, die körperliche Ausdauer. Die Sardegna Rallye in Italien ist auch sehr schwer, denn sie ist extrem langsam und technisch. Viele Jungs im Rallye-Sport haben einen Enduro-Hintergrund, ich aber komme vom MotoCross und Wüsten-Racing, daher muss ich hart arbeiten, um gegen sie zu bestehen.

Wie viel schreibst du beim Sieg einer Ausdauer-Rallye der Konzentration zu?
Auf keinen Fall wirst du ein Motorrad über 10.000 Kilometer auf dem härtesten Terrain der Welt ohne Probleme fahren. Daher denke ich, dass du wirklich konzentriert sein und die Probleme so schnell es geht lösen musst.

Sam Sunderland am 14. November 2014 beim Red Bull Desert Wings Fotoshooting in Camargue, Frankreich.
Sam Sunderland © Flavien Duhamel/Red Bull Content Pool

Du bist im Red Bull KTM Team untergekommen - dem erfolgreichsten Team aller Zeiten. Denkst du, dass es schwierig werden kann, die Erwartungen zu erfüllen?
Ich sehe daran das Positive - dass ich von den besten Leuten in diesem Sport umgeben bin, und dass die mir helfen können, meine eigenen Erwartungen zu erfüllen. Ich habe echt Glück, so eine Chance bekommen zu haben.

Wie sieht dein reguläres Training aus und wie integrierst du die mentale Seite dabei?
Es ist hart. Ich stecke viele Stunden in mein Training und für mich ist auch das schon Mental-Training - denn ich weiß, dass ich hart gearbeitet habe, ich spüre, dass ich es verdiene, gut unterwegs zu sein.

Ausdauer-Rallyes auf zwei Rädern scheinen ein einsames Unterfangen zu sein, von den Gefahren und der körperlichen Austrocknung ganz zu schweigen. Wie behält man auf einer langen Etappe die Konzentration?
Dieses Jahr hat die Dakar eine Etappe über 1.020 Kilometer. Das ist ein weiter Weg! Bei einer so langen Strecke musst du dich auf deinen Kampfgeist und deine Entschlossenheit verlassen. Du musst die Fähigkeit haben, den ganzen Tag hart zu pushen und dabei darfst du trotzdem das große Ziel nicht aus den Augen verlieren. Ich glaube, dass es genau das ist, was dich da durch bringt.

Die Rallye Dakar 2015 Dakar Rally ist am 04. Januar in Buenos Aires gestartet. Das komplette Rennen auf redbull.com verfolgen.

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