Wer sind die besten WRC-Fahrer aller Zeiten?

Nur für zwei Journalisten ist Loeb der Favorit unter den weltbesten Rallye-Fahrern aller Zeiten
Von Greg Stuart

Wer kennt die Rallye-Weltmeisterschaft besser als ein Team von Journalisten, die die Renn-Serie um die ganze Welt verfolgen. In jedem Jahr sprechen sie mit den besten Fahrern der Welt – jetzt konnten sie uns offen ihre Meinung sagen.

Vor der Rallye Argentinien haben wir mit vier der bekanntesten Presse-Gesichtern aus dem Service Park gesprochen, um herauszufinden, wer ihrer Meinung nach die Fahrer sind, die den Rennsport geprägt haben und es wert sind, zu den Größten aller Zeiten gezählt zu werden.

Becs Williams – WRC Live-Kommentatorin

WRC-Held: Sébastien Loeb
Lieblingsauto: Citroën (unmöglich, zwischen Xsara, C4 oder DS3 zu wählen)

Die Rallye-Weltmeisterschaft hat während der letzten Jahre unglaubliche Fahrer erlebt: Ari Vatanen, Colin McRae, Markku Alén, Carlos Sainz und Michèle Mouton stehen ganz oben auf meiner Besten-Liste, aber der Größte ist der neunmalige Rallye-Weltmeister Sébastien Loeb.

Meine Karriere als Kommentatorin der Rallye-Weltmeisterschaft begann zur gleichen Zeit, als Loeb seine Karriere als WRC-Fahrer startete. Ich stand an der Seite und bewunderte seinen Aufstieg zum besten WRC-Fahrer aller Zeiten. Als er seinen siebten Weltmeistertitel bei der Rallye Frankreich im heimischen Elsass gewann, war ihm meine Verehrung sicher. Der Spitzname „Maschine“ wurde ihm über ein Jahrzehnt angeheftet, doch als ihn am letzten Kontrollpunkt seine Familie und Freunde erwarteten, brach er unvermittelt in Tränen aus. Es war unglaublich, diese andere Seite eines sehr privaten Weltmeisters zu sehen.

Es sieht so einfach aus – ist es aber nicht.

Es gibt einige Dinge, die Loeb ausmachen: seine unglaubliche Fahrtechnik, seine Anpassungsfähigkeit, seine Reaktionsschnelligkeit und sein Siegeswille kombiniert mit seiner „Ich fahre, weil es mir Spaß macht“-Einstellung. Sein Kampfgeist scheint nie zu versiegen. Es sieht so einfach aus – ist es aber nicht.

Hier das Sébastien Loeb-Video aus der Reihe „WRC’s Greatest Drivers“:

David Evans – Rallye-Redakteur für Autosport und Motorsport News

WRC-Held: Colin McRae
Lieblingsauto: Subaru Impreza 555

„Die RAC-Rallye 1995 war ein klares Rennen zwischen Colin McRae und Carlos Sainz um den Meisterschaftstitel. Als wenn die Aussicht auf zwei Fahrer, die sich in der letzten Saisonrunde ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern, nicht genug gewesen wäre, gab es außerdem noch zusätzliche Spannungsmomente. Die beiden waren Teamkollegen bei Subaru und es hatte zuvor eine ganze Reihe von Teamorders gegeben, die besagten, dass Sainz gewinnen und McRae als Zweiter ins Ziel kommen sollte. Der Hype um das Rennen war gigantisch.

Bei der Rallye verlor McRae in den Scottish Borders zwei Minuten, kämpfte sich wieder vor, überholte Sainz in Wales und stand in Chester als erster britischer Rallye-Weltmeister auf dem Podest. Es war legendär!

Er war der schnellste Fahrer der Welt und wollte dies allen und zu jeder Zeit beweisen.

McRae’s beharrliche Weigerung, als Zweiter durchs Ziel zu fahren, wenn noch eine Chance auf den Sieg bestand, zeichnet ihn für mich aus. Er war der schnellste Fahrer der Welt und wollte dies allen und zu jeder Zeit beweisen. Meine bleibende Erinnerung an McRae ist sein blau-gelber Subaru Impreza, ein Hinterrad in einem Graben, der Kopf des Schotten leicht geneigt und bereit weiterzufahren. Mutig, energisch, kampfeslustig und brillant.“

Was machte Colin McRae zu einem Weltklasse-Fahrer? Im Video gibt er uns eine exklusive Fahrstunde.

© Subaru

Anthony Peacock – Kreativdirektor bei Mediatica und ehemaliger Rallye-Redakteur bei Autosport

WRC-Held: Markku Alén
Lieblingsauto: Lancia Delta Integrale

„Warum habe ich Markku Alén gewählt? Weil er ein italienischer Finne ist. Er kombinierte in seinem Fahrstil die Grundschnelligkeit der Finnen mit der Leidenschaft und der Dramatik der Italiener. Natürlich ist er kein Italiener, aber er fuhr für mehr als 15 Jahre für Fiat und Lancia und spricht fließend italienisch.

Alen erschuf den Ausdruck „maximum attack – maximaler Angriff - und man kann leicht erraten, warum er ihn benutzte – erst kurz zuvor hatte Sébastien Loeb seinen Rekord für die meisten Etappensiege gebrochen! Alén war unglaublich schnell in einem Rallyeauto.

Alen erschuf den Ausdruck „maximum attack – maximaler Angriff

Die RAC-Rallye 1987 bleibt mir in besonderer Erinnerung. Alén kam bei diesem Rennen als Fünfter ins Ziel, aber bei diesem Event sah ich ihn zum ersten Mal fahren, ich war damals 12 Jahre alt, und ich werde diesen Martini Rennwagen nie vergessen.

Spulen wir 15 Jahre vor, als ich bei Autosport arbeitete. Alén präsentierte einen Lancia Stratos bei der Autosport International Live Action Show in Birmingham und fragte mich, ob ich mit ihm kommen möchte. Er nahm mich auf eine ausgedehnte Fahrt über die Landstraße mit – angeblich, um die Bremsen aufzuwärmen und das Auto zu testen. In Wirklichkeit waren es fünf Minuten unvergesslichen Rowdytums – die verrückteste Erfahrung meines Lebens.“

Hier gibt’s Markku Aléns brillante Fahrkünste auf Schnee in einem Ferrari FF im Video.

Julian Porter – WRC Fernsehreporter

WRC-Held: Sébastien Loeb
Lieblingsauto: seine Citroëns

„Zwei Momente haben meine Bewunderung für Sébastien Loeb geprägt. Einer davon ist der zweite Tag der Rallye Neuseeland im Jahr 2010. Loeb hatte am Tag zuvor einen Fehler gemacht, dadurch Zeit verloren und stand am zweiten Tag auf Platz sechs in der Gesamtwertung. Am gleichen Abend war er Zweiter und hatte sechs der acht Tagesetappen gewonnen. Seine Geschwindigkeit an diesem Tag war unglaublich.

Trotz seines Erfolgs ist er derselbe geblieben – immer offen und bodenständig.

Den zweiten Moment erlebte ich später im gleichen Jahr bei der Rallye Frankreich, die zu Ehren von Loeb in seine elsässische Heimat verlegt worden war. Er führte vom Start an und gewann die Rallye und die Weltmeisterschaft, alles in seiner Heimatstadt Haguenau. Ich glaube, besser kann es in einer Fahrerkarriere nicht laufen.

Was ich wirklich an Loeb bewundere, ist sein unbedingter Siegeswille, aber nicht um jeden Preis; in Finnland war er klug genug, zu sagen, dass er das Risiko nicht tragen möchte. Ich denke, dass er auf persönlicher Ebene, trotz all seiner Erfolge, derselbe geblieben ist – immer offen und bodenständig.“

WRC-Favoriten wählen ihre liebsten Rallye-Fahrer. Julain Porter und Becs William wählen Sebastien Loeb zu ihrem Favoriten.
Die Qual der Wahl: Journalisten wählen ihre Helden © Gepa Pictures/McKlein/Red Bull Content Pool

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