Red Bull Hare Scramble

Nur 5 Rider bezwingen den Erzberg

Drama, unbeschreibliche Szenen und Teamwork beim Red Bull Hare Scramble.
Von Ben Johnson / Oli Schran

Beim wohl außergewöhnlichsten Finish in der Geschichte des Red Bull Hare Scramble erreichen Alfredo Gomez, Jonny Walker, Graham Jarvis und Andreas Lettenbichler gemeinsam die Ziellinie.


Hier die unglaublichen Höhepunkte des Red Bull Hare Scramble 2015:

© Philip Platzer/Red Bull Content Pool


Und hier kannst du dir das ganze Red Bull Hare Scramble als Video on Demand ansehen.


Die vier Top-Piloten hatten wohl an einem Punkt in der neuen NO-Help Zone "Downtown" im entschieden, nach gegenseitigen Support in der grünen Hölle des Hintererzbergwaldes, gemeinsam die Ziellinie zu überqueren. Sie wollten damit ein Zeichen setzen und alle 4 wurden - wie von dem Quartett erhofft - von der Rennleitung zum Sieger erklärt. Mario Roman erlitt zwar im Rennen eine Knieverletzung, kämpfte sich aber trotz allem durch und erreichte das Ziel kurz bevor das Zeitlimit des Rennens - von 4 Stunden - abgelaufen war.

Die unvorhergesehenen 4 Gewinner: Alfredo Gomez, Graham Jarvis, Jonny Walker and Andreas Lettenbichler und der 5. Mario Roman
Und dann waren es Fünf... Red Bull Hare Scramble © Robert Lynn / Future 7 Media


Das diesjährige Red Bull Hare Scramble hatte zwar den Wettergott auf seiner Seite, aber die glühende Sonne am Berg aus Eisen, machte es den besten Hard Enduro Fahren der Welt auch nicht einfacher den höllischen Track zu bezwingen. Wie immer spielten sich schon in den ersten Sektionen unglaubliche Szenen ab, bevor sich die Spreu vom Weizen, wie immer, am Carl´s Dinner Geröllfeld trennte.

Was danach folgte dürfte in die Sportgeschichte eingehen. Die neue Sektion "Downtown" forderte von den vier Gewinnern und Wade Young - der leider wegen eines verpassten Checkpoints disqualifiziert wurde - alles. Die fünf mussten im Team zusammenarbeiten, damit überhaupt einer die Chance hatte, diesen unmenschlichen Streckenabschnitt zu überstehen. In dieser sogenannten NO-Help Zone, haben die Fahrer gemeinsam ihre Bikes durch den Wald gezogen und erreichten den Checkpoint erst nach mehr als einer Stunde.

Nachdem Jonny Walker im letzten Jahr das Ziel bereits nach 1:37 Stunde erreicht hatte, war klar das Erzberg Rodeo Mastermind Karl Katoch den Kurs in diesem Jahr extrem hart gestalten wird. Der neue "Downtown" Abschnitt brachte aber selbst die Besten und Erfahrensten an ihre Grenze und diese mussten mitten im Rennen ihre komplette Strategie ändern, da sie aufeinander angewiesen waren.

Aus einem giftigen Kampf um die Spitze vor dem Wald, wurde ein gemeinsamer Überlebenskampf im Wald und viele Zuschauer und ausgeschiedene Teilnehmer fragten sich, ob dieser Abschnitt nicht einfach ein bisschen zu viel des Guten war. Eins steht aber fest, dass dieser Event sportlich wieder absolute Spitze war und die Komponente des Supports der Rider untereinander wieder mehr Gewicht bekommen hat. Die vier Sieger und die Rennleitung haben somit gezeigt, wie sportliches Fairplay funktioniert und erneut ein klares Zeichen gesetzt.

Ready to race: Jonny Walkeruand Taddy Blazusiak am Start
Jonny Walker und Taddy Blazusiak beim Start © Samo Vidic/Red Bull Content Pool


Bereits am Anfang des Rennens ging es turbulent zur Sache, als Walker und der fünfmalige Champion Taddy Blazusiak auf einer der Auffahrten kollidierten. Walker konnte seinen Lauf fortsetzen, aber für den Polen waren alle Hoffnungen auf seinen 6. Sieg beendet, als er samt Bike eine Steilauffahrt hinunterflog und das Motorrad zu stark beschädigt wurde, um das Rennen fortzusetzen.

Der führende Ex-Champ Walker war bis Carl´s Dinner in der Lage, die Verfolger viereinhalb Minuten auf Abstand zu halten. Nach einem kleinem Crash und daraus folgenden Problemen mit dem Bike gewannen Jarvis und Gomez aber recht schnell an Boden und konnten den Abstand auf eine Minute verkürzen.

Wade Young (RSA) macht im Geröllfeld Carl's Dinner mal Pause. Leider hat der 19 Jährige Finisher einen Checkpoint verpasst und wurde am Ende disqualifiziert
Wade Young macht Pause im Carl's Dinner © Samo Vidic


Nachdem die Fahrer den Wald hinter dem berüchtigten Geröllfeld verlassen hatten, passierten Jarvis und Gomez den Führenden, der Probleme mit dem Kühler hatte und versuchte, sein Bike nicht zu überhitzen. Bei der Ankunft im neuen Abschnitt "Downtown" schwand die Freude über die Führung aber schnell und das Rennen an der Spitze kam quasi zum Stopp.

Die neue "Grüne Hölle" und ihr extrem anspruchsvolles Gelände machten ein Überholmanöver unmöglich. Jarvis lag in der Rolle des Pfadfinders vorne und Gomez, Walker, Lettenbichler und Young bildeten die Schlange hinter ihm.

Die Hitze kochte Bikes auf und trocknete Rider aus © Samo Vidic/Red Bull Content Pool


In einer Mammutleistung und mit vorbildlichem Teamwork kam die Gruppe der 5 schließlich 30 Minuten vor Ablauf der Zeit aus dem Wald, hatte aber den berüchtigten Abschnitt "Dynamite" noch vor sich. In weiterer Folge stand die neue härtere Variante von "Lazy Noon" auf Kotochs ganz spezieller Karte. Die letzte Steilauffahrt wurde aber kurzfristig von der Rennleitung aus dem Rennverlauf gestrichen, da sich die Rider einfach schon genug im Wald abgearbeitet hatten und "Dynamite" nochmal alles von Ihnen abverlangte. Ein weiterer Hammer wie "Lazy Noon" wäre einfach nur Unmenschlich gewesen.

Das war alles schon ein wenig zu krass um ehrlich zu sein. Zudem hatte ich ein Problem mit meinem Kühler, was es nicht leichter machte. Aber die Hauptsache ist, dass wir es gemeinsam aus der Hölle im Wald herausschafft haben.

– Jonny Walker


Alle Top Rider waren sich einig das dieses Red Bull Hare Scramble das Härteste aller Zeiten war.

"Ich habe im Wald Witze gemacht, dass es in diesem Jahr wohl keiner ins Ziel schafft", sagte Jarvis nach der Siegerehrung. "Keiner von uns hat es selbstständig geschafft hochzukommen, also blieb uns nichts anderes übrig, als es zusammen zu versuchen. Die Zuschauer vor Ort haben es geliebt, weil genau solche wahnsinnigen Szenen der Kern des Rennens sind."

Bereits fünfmal hat es Andi Lettenbichler es auf´s Podium geschafft, aber in diesem Jahr kann er nun endlich den lange verdienten Titel  heim nach Deutschland nehmen. Nach dem Rennen sagte Lettenbichler völlig erschöpft:"Die Strecke war ok, aber die Streckenbauer können wohl nicht selber fahren, deshalb war es ein wenig schwer für uns alle."

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