Red Bull X-Fighters World Tour

Red Bull X-Fighters Athen: Die Analyse

Schlüsselmomente, Analysen und jede Menge Bonusmaterial, und das alles in einer packenden Story.
Von Oliver Schran

Vor mehr als 10.000 Zuschauern gewann der Australier Clinton Moore ein episches Finale in Athen gegen den Franzosen Thomas Pagès und holte damit beim zweiten Stopp der Red Bull X-Fighters World Tour 2015 seinen zweiten Sieg in Folge. Der komplett tätowierte Aussie zeigte im besten Rider Line-Up der Geschichte wahre Klasse, welche nicht nur das Tricklevel, sondern auch taktisches Kalkül beinhaltete um an seinem Triumph vom Saisonauftakt anknüpfen zu können. Moore attackierte den größten Kurs der Saison wie kein Anderer und war auch von einem verrückten Franzosen nicht zu schlagen.

Bevor wir in die Analyse des Events eintauchen, gibt Dany Torres (ESP) erst einmal durch seine Helmkamera die Chance, die Dimension des Tracks zu erfahren:

© Andreas Schaad/Red Bull Content Pool

Runde 1
Wie immer mussten die Fahrer, welche in der Quali nicht zu den Top 7 gehörten, in die erste Runde – bei der max. ein Flip/ RotationTrick erlaubt ist – um mit klassischen Tricks unter Beweis zu stellen, dass sie es wirklich draufhaben. Aus dieser Fünfer-Runde zieht aber immer nur ein Fahrer ins Quarter Final ein. Beim stärksten Rider-Line-Up der Geschichte war es nicht verwunderlich, dass es auch die stärkste 1. Runde aller Zeiten wurde. Superstar Tom Pages (FRA), war in der Quali gestürzt und musste sich gegen Kiwi Nick Franklin (Teilnehmer am 1. Red Bull X-Fighters!), den Chilenen Javier Villegas (Sturz im 1. Quali-Run am Vorabend), einen extrem starken Newcomer Christian Meyer (ESP) und den mehrfachen FIM Champion Remi Bizouard (FRA) durchsetzen. Am Ende lagen die beiden Franzosen nur 0,2 Punkte auseinander und, meiner Meinung nach, hätte auch der extrem starke Bizouard ein Weiterkommen verdient gehabt. Tom nutzte den Joker-Trick aber für einen Alley-Oop Flair, welcher noch nie in einem Event gezeigt wurde. Somit passt das schon.

Red Bull X-Fighters Athen - Remi Bizouard - Scorpion
Remi Bizouard der bunte Scorpion © flohagena.de / Red Bull Content Pool

Viertelfinale
Tom Pages, welcher durch seinen extrem beherzten 1. Lauf im Pastrana-Style die Menge auf seiner Seite hatte, musste im Viertelfinale gegen Tour-Rückkehrer und Ex-Champ Sheehan in den Zweikampf.  Das war für mich irgendwie bereits vor dem Start der Runde das Finale des Abends. Wer die Zwei in Madrid 2014 erlebt hatte, wusste, dass jeder mit dem Messer zwischen den Zähnen auf den Track geht.

Die anderen Duelle waren aber auch nicht ohne und Alt-Meister Torres (ESP) musste schon früh ins Pit, als New-Schooler Rinaldo (FRA) zeigte warum er der aktuelle FIM Champ ist. Das Duell Adelberg (AUS) gegen Jones (USA) gewann der Australier klar, und die Kopfverletzung, welcher er sich auf der Hinreise bei einer Art Kneipen-Rauferei mit Clinton Moore zugezogen hatte, schien ihn nicht stören. Rob ist eben aus einem anderen Holz geschnitzt, wie er schon in Glen Helen bewiesen hat: Im Training mal kurz den Kiefer gebrochen, später ist er aus dem Krankenhaus abgehauen, um bei der Quali doch antreten zu können.

Moore schmiss im Duell Levi Sherwood (NZL) raus, obwohl dieser mit einem megafetten Transfer Superflip auch einen wie immer sehr starken Run hatte. Als letztes Paar gingen Pages und Sheehan ins Rennen. Tom legte vor und hatte wohl den besten 90-Sekunden-FMX-Run, den ich je gesehen habe. Der verrückte Franzose eröffnete mit einem Alley-Oop Flair, zog dann einen extraflachen 360°, zeigte nach einem Double Grab eine neue Transfervariante über ca. 35 Meter, feuerte einen 540° aus dem Step-Up-Dirt-Take-Off zur Verwunderung aller, legte den ultra-krassen Bikeflip oben drauf und schloss mit einem Special Flip seinen Run. Alleine dafür lohnt es sich schon, das Replay unten anzuschauen (Start bei Minute 40). Was der amtierende Tourchamp danach aber ablieferte, gehört für mich auch in die Top-5-FMX-Runs die ich in den letzten zwölf Jahren auf der Tour erleben durfte. Die Judges hatten es extrem schwer und schließlich ging Tom mit 5:0 in der nächste Runde. Das sieht zwar erstmal nach einer Klatsche aus, ist es aber nicht! In jeder Kategorie – außer Energie – lag der Yamaha-Fahrer immer nur hauchdünn vor Sheehan. Whow, was für ein Battle!

Den oben beschriebenen Transfer SuperFlip von Sherwood und andere Top-Tricks gibt es in dem Video hier.

© Predrak Vuckovic - Red Bull Content Pool

Nun habt IHR die Chance - wie nach jedem Event - den "Best Trick" des Red Bull X-Fighters in Athen auf unserer FACEBOOK Fanpage zu wählen.

Im Semi Finale standen sich dann im Aussie-Duell die beiden “Kneipen-Boxer” Adelberg und Moore gegenüber, wobei wie im richtigen Leben, Clinton mit weniger Blessuren ins Finale einziehen konnte. Adelberg fuhr stark und sehr sauber, hatte aber gegen Tricks von seinem Team-Mate, wie den Bundy und 540° aus der Quarter, keine Chance.

Nach der besseren Plazierung als die von David Rinaldo in der Quali, durfte er sich aber schon früh verdient über den 3. Platz freuen.

Rinaldo musste gegen Pages ran und konnte sich den Helm für Exekution sichern. Obwohl Tom gleich beim Alley-Oop Flair wegrutschte und stürzte, rappelte er sich nochmal auf und lieferte erneut mit einer Hochrisiko-Fahrt ab. Die 10.000 Fans hatte Tom auf jeden Fall hinter sich und die Atmosphäre, welche er aufbauen konnte, errinnerte an die Zeiten von Travis Pastrana auf der Tour. David zeigte auch super Tricks und stand verdient kurz vor dem Finale, aber seine Leistung ging in diesem Tom-Hype etwas unter. Insgesamt ist aber auch hier zu sagen, dass die Judges Pages innovative Ader belohnt haben. Tom war nicht nur sehr stark in fast allem, sondern bei seinen ultra hartenTricks darf auch ein kleiner Patzer nicht immer so eng gesehen werden. Es ist etwas anderes, wenn Rider einen Trick schon zehn Jahre machen und dann dabei stürzen.

Das Jugding-System versucht somit jede Detailkomponente zu berücksichtigen, um zu einem fairen Ergebnis zu kommen, auch wenn es für die Fans und auch Rider manchmal - im ersten Moment - nicht danach aussieht.

Jubelnde Fans beim Red Bull X-Fighters 2015 in Athen
Die Fans brüllen beim Red Bull X-Fighters © Flo Hagena/Red Bull Content Pool

Der finale Showdown
Trotz so vieler Highlights stand das eigentliche Finale noch bevor, und es ging nun darum, den Track auch in 120 Sekunden bedienen zu können. Im Semi waren es ja nur 90 Sekunden, aber die Judges hatten wegen der Größe des Tracks die Zeit im Finale verlängert, was laut Regelwerk optional erlaubt ist.

Tom musste als Erster raus und eröffnete erneut mit dem Alley-Oop Flair, ging wieder in einen extrem flachen 360° über die lange Rampe, servierte einen Superman Flair, bearbeitete den Super-Kicker mit einem One Hand Hart Attack, stylte einen Flatliner Indy, plazierte den Special Flip wie vorher, stürzte aber bei seinem Bikeflip.

Als noch 20 Sekunden auf der Uhr standen, setzte Pages seinen Run fort, hatte aber durch den Fehler viel Zeit verloren und die restlichen 2 Tricks rissen es für ihn auch nicht mehr raus. Clinton hatte nun einiges vor sich, wusste aber nicht was, da er sich den Run von Tom nicht angeschaut hatte.

Er war voll auf seinen Lauf fokussiert und nicht einmal die tobende Menge schien ihn aus der Ruhe zu bringen. Dementsprechend mental vorbereitet, eröffnete der Aussie mit seinem Bundy, zeigte einen sauberen Flair, beackerte die Kicker-Ramp mit einem Double-Grab Lookback Indy im Schui Style, zeigte auch einen 360°, fuhr mit einem dicken KOD Flip fort, knallte ein Volt mit No Hand Landing als Trickpremiere mal eben so in den Marmorsand, spreizte sich beim Shaolin Flip, nutzte den Super Kicker für einen Cliffhanger, whippte einen klassischen Turn-Down und finished mit einem Dead Body Flip.

Um euch nicht die Spannung aufs Replay zu versauen, hört der Text nun auf. Aber: Mit einmal Play drücken seit ihr auch schon in Athen. Viel Spaß!

© Predrag Vuckovic/Red Bull Content Pool

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