Hard Enduro Star Jonny Walker geht aufs Ganze

Der Brite braucht nur noch zwei Siege für eine perfekte Saison. Doch warum fährt er so meisterhaft?
Von Greg Stuart

Der britische Hard Enduro Rider Jonny Walker hat 2015 definitiv das nächste Level erreicht. Nachdem er einen Großteil der Karriere im Schatten seines Erzrivalen Graham Jarvis gestanden hatte, beschloss der 24-Jährige, dass es nun reicht und er mit Siegen an der Reihe ist. Mit Erfolg...
 

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Zuerst überzeugte Walker mit unglaublicher Geschwindigkeit bei der Hard Enduro Saisoneröffnung The Tough One an der englisch-walisischen Grenze und holte sich so den Sieg. Danach gewann er das Hell’s Gate, wurde Erster beim Red Bull Hare Scramble (wobei er sich seinen Sieg mit Jarvis, Andreas Lettenbichler und Alfredo Gómez teilen musste) und holte sich vor Kurzem auch Platz 1 bei den Red Bull Romaniacs. Das schaut bisher nach einer perfekten Saison aus. Walker muss jetzt "nur noch" das Red Bull 111 Megawatt in Polen und das Red Bull Sea to Sky in der Türkei gewinnen und dann hat er die perfekte Saison in der Tasche.

Das ist eine wahre Meisterleistung für einen jungen Mann, der vor ein paar Jahren noch überlegte, ob er Profi-Rider werden will oder weiterhin als Fenstermacher arbeiten soll.

RedBull.com hat sich direkt nach seinem Sieg bei den Romaniacs mit Jonny getroffen und mit ihm über seine Erfolge in diesem Jahr gesprochen. Wir wollten wissen, woher diese beeindruckende Verbesserung in seiner Performance kommt…
 

Hard Enduro Rider Jonny Walker bei den Romaniacs 2015
Egal welches Terrain - Jonny hat es drauf © Predrag Vuckovic/Red Bull Content Pool


Jonny, dieses Jahr bist du scheinbar auf der Überholspur. Warum fährst du momentan so gut – sogar so gut, dass Graham Jarvis in deinem Schatten steht?

Ich trainiere fleißig. Schließlich will ich nicht mehr von ihm geschlagen werden – davon hatte ich genug. In den letzten zwei oder drei Jahren wurde ich immer Zweiter, Graham Erster. Wenn du dann einmal denkst, dass es immer so laufen wird, musst du deine Denkweise unbedingt ändern. Denn die Zeit, die du investiert, entscheidet darüber, was du am Ende rausbekommst.

Was hat sich verändert?
Ich bin nach Frankreich gezogen, in den Süden bei Toulouse. Dort habe ich begonnen, spezifischer zu trainieren. Davor bin ich einfach auf mein Bike gestiegen und habe ein paar Runden mit meinen Kumpels gedreht. Das war mein Training. Jetzt trainiere ich für das Rennen, das als nächstes auf dem Plan steht. Wenn das ein Vier-Stunden-Rennen ist, übe ich vier Stunden am Tag.

Hast du da unten ein Truppenlager gegründet?
Nein. Es gibt nur so viele Tracks in Frankreich und deshalb bin ich dorthin gezogen. Ich kann dort so viel riden. Mein Mechaniker wohnt da unten. Sein Haus ist ungefähr fünf Kilometer weg von mir. Das heißt, dass ich mich voll auf das Riden konzentrieren kann, weil er sich um mein Bike kümmert. Außerdem brauche ich nur einen Tag bis nach Spanien und da gibt es auch fantastische Tracks. Du kannst eine Stunde lang fahren und weißt, dass die Sonne scheinen wird.

In meiner Gegend gibt es noch dazu so viele Leute, die Enduro-Fans und selbst Rider sind. Sie haben private Tracks in ihrem Garten. Das heißt, es ist wichtig, diese Leute zu kennen, damit du auf die Tracks kommst.

Die Chancen stehen ja gut, dass du dir mit den nächsten beiden Events den Gesamtsieg sicherst. Denkst du, du schaffst das?
Natürlich. Ich habe bisher alles in dieser Saison gewonnen, was es zu gewinnen gab. Jetzt habe ich nur noch das Red Bull 111 Megawatt und das Red Bull Sea to Sky vor mir und die Chancen stehen gut. Aber natürlich kann so viel passieren – mein Bike könnte kaputt gehen oder so. Aber ich wollte schon immer an der Spitze des Hard Enduro stehen und genau das habe ich in diesem Jahr geschafft. Wenn ich mir jetzt also noch den Gesamtsieg holen würde, wäre das verdammt cool.


Was war das härteste Rennen in diesem Jahr?

Mit Abstand die Red Bull Romaniacs. Das Gute ist, dass alle Rennen ein anderes Format haben. Da ist zum Beispiel das Tough One, das ich ziemlich leicht finde, weil ich einfach zwei Stunden dahinfahren kann. Und dann sind da die Romaniacs, die über fünf Tage gehen, sechs Stunden am Tag. Jedem Rider liegt eben ein anderes Format besser.

In der Woche bevor wir nach Rumänien gefahren sind, waren Jarvis und ich auf einem Rennen in Großbritannien. Es war ein zweistündiges Enduro und nach den zwei Stunden hatte ich einen Vorsprung von sechs Minuten. In Rumänien fuhren wir 24 Stunden lang und ich gewann mit zwei Minuten Vorsprung. Manchmal ist es wirklich verrückt!
 

Hard Enduro Rider Jonny Walker bei den Romaniacs 2015
Konzentriert & überzeugt: Jonny bei den Romaniacs © Andrei Mosloc/Red Bull Content Pool


Was sind deine Stärken im Vergleich zu Jarvis?

Ich habe gerade angefangen, die Tracks richtig gut kennen zu lernen – ich kann inzwischen sagen, was passieren wird, und solche Sachen. Wahrscheinlich gehe ich auch mehr Risiken ein als er. Vielleicht liegt es am Alter.

Wie wirst du dich auf das Red Bull Sea to Sky vorbereiten? Wirst du im Sand fahren, um für das Strandrennen gerüstet zu sein?
Nein, ich habe das Riden im Sand gelernt, das sollte kein Problem sein. Ich werde mich relativ schnell daran gewöhnen, auch wenn ich schon lange nicht mehr im Sand gefahren bin. Ich werde mich einfach auf das Hauptrennen konzentrieren. Schließlich zählt nur ein Rennen, bei den anderen beiden geht es nur um das Preisgeld. Natürlich würde ich gerne das schaffen, was ich vor zwei Jahren geschafft habe, als ich alle drei Rennen gewonnen habe: das am Strand, das im Wald und das im Gebirge. Ich bin der Einzige, der das je geschafft hat, aber ich will genau das nochmal erreichen. Und das kann ich auch.

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