Ryan Dungey freut sich doppelt

Der Red Bull KTM Factory Racing Rider verrät uns die Geheimnisse hinter seinen Erfolgen im Jahr 2015
AMA MX450 2015 Meister Ryan Dungey in Washougal
Dungey lässt in Washougal die Korken knallen © Garth Milan/Red Bull Content Pool
Von Aaron Hansel

Für Ryan Dungey war es ein ganz besonderes Jahr.

Zuerst sicherte er sich im April den AMA 450 Supercross Titel. Am Wochenende konnte er auch das 450 MX National in Utah mit einem Doppel-Moto-Sieg für sich entscheiden.

Hier erzählt er uns von den Höhen und Tiefen auf seinem Weg zum Ruhm.

AMA MX450 2015 Meister Ryan Dungey in Utah
Nummer 1! Dungey feiert den 450MX Titel © Simon Cudby/KTM Images

Ist das das Szenario, das du dir als Kind ausgemalt hast, als du davon geträumt hast, eine nationale Meisterschaft zu gewinnen?
Voll und ganz. Aber ganz zu schweigen davon, was es bedeutet, Profi zu werden – das war der erste Traum, der in Erfüllung ging.

Wenn du Meister werden willst, musst du verdammt hart arbeiten und viel Zeit und Energie in die Vorbereitung investieren. Du schaffst es nur mit einer guten Grundlage und tollen Menschen um dich herum, die dich unterstützen. Ohne meine Frau, meine Familie und mein Team wäre ich nie so weit gekommen.

Ich glaube, dass wir es wirklich verdient haben, hier zu stehen. Wir haben alles gegeben.

24 Motos sind ziemlich viele Rennen und ein winziger Fehler kann dich sehr viele Punkte kosten. Unglaublich wichtig ist an dieser Stelle auch ein guter Mechaniker. Es war schon fantastisch, dieses Jahr Supercross-Meister zu werden. Und dass ich dann auch noch die nationale Meisterschaft für mich entscheiden konnte, ist schier unglaublich. Das habe ich 2010 zum letzten Mal geschafft und damals war es schon ein fantastisches Gefühl. Aber dieses Mal ist es noch besonderer. Ich glaube, dass wir es wirklich verdient haben, hier zu stehen. Wir haben alles gegeben.

Aldon Baker als neues Teammitglied bedeutete einen großen Schritt nach vorne und auch das neue Bike war super. Es gab viele gute Dinge. Ein Rennen liegt noch vor uns und wir werden dranbleiben.

AMA MX450 2015 Meister Ryan Dungey in Utah
Dungey checkt die Startschranke in Utah aus © Simon Cudby/KTM Images

Letztes Jahr fand das Finale hier in Utah statt. Damals verdrängte dich Ken Roczen und jetzt sind auch viele junge Kerle da, die zeigen wollen, was sie können. Du bist nun schon seit einer ganzen Weile in der 450er Klasse. Ist es da schwierig, dir selbst zu sagen, dass du zurückkommen und die Supercross und die nationale Meisterschaft nochmal gewinnen kannst?
Es war wirklich schlimm, dass ich letztes Jahr verloren habe. Aber da war noch etwas, das mich verärgert hat. Ich hatte mich selbst und meine Gedanken irgendwie nicht mehr unter Kontrolle.

Ich hatte psychische Probleme. Irgendwann bekam ich sie in den Griff, aber da war es schon ein bisschen zu spät. Zum Glück kam dann Aldon Baker.

Ich war mitten im Training im Fitnessstudio, als mir klar wurde, dass ich Aldon brauchte.

Auch das Bike war natürlich hilfreich. Nachdem Roczen gegangen war, konnte ich nach Florida ziehen und die Nummer 1 werden. Ich glaube, dass sich die Dinge änderten, als ich in der zweiten Dezemberwoche für eine Woche zu Aldon nach Florida gefahren bin. Davor haben wir nur für lange Strecken trainiert. Marvin Musquin, [Adam] Cianciarulo und El Hombre [Jason Anderson] fuhren alle auf seiner Anlage. Ich war mitten im Training im Fitnessstudio, als mir klar wurde, dass ich Aldon brauchte.

Das war wirklich das Beste für mich und ich bin unendlich dankbar, dass alles so gut geklappt hat und ich direkt nach Dallas umziehen konnte. Wir mussten ein Haus finden und kaufen – es war ein längerer Prozess. Aber das neue Bike war definitiv ein neuer Schritt, eine Verbesserung, und die Jungs verbessern es immer noch. In ihm steckt noch viel Potential.

Wann hattest du psychische Probleme?
Unter der Woche. Ich versuchte, das Training komplett alleine durchzuziehen, und dachte viel zu viel über Dinge nach. Ich machte mich fertig. Am Sonntagabend hätte ich eigentlich zu Hause liegen und mich entspannen sollen. Doch was habe ich gemacht? Ich habe immer nachgedacht: ‘Okay, was soll ich machen? Sprinten? Moto?’ Ich war völlig verwirrt. Zum Glück konnte ich mich Aldon anvertrauen und sein Programm löste meine Zweifel in Luft auf, so dass ich wieder Selbstsicherheit entwickeln konnte. Ich konnte mich wieder sammeln, wobei Aldon eine große Hilfe war.

Du hast ein paar Mal erwähnt, dass du in diesem Sport ganz vorne sein willst. Erkläre uns, was du damit meinst.
Ich war schon einmal in dieser Position, ich glaube 2010. Manche Leute sagen vielleicht, dass es damals viel einfacher war und ich Glück gehabt habe, aber trotz allem war ich einfach zu jung, um zu verstehen, wie viel diese Position bedeutete.

Du kommst an einen Punkt, an dem du auf dich selbst achten musst. Aber du musst auch versuchen, den Sport voran zu bringen.

Jetzt habe ich eine zweite Chance bekommen, genau das zu tun. Ich will wirklich etwas bewirken und helfen - egal ob auf dem Track oder in der Organisation oder in der Crew. Oder einfach nur als gutes Vorbild für die Kleinen oder als Botschafter in den Medien.

Ich will einfach nur meinen Verpflichtungen nachgehen. Ich denke, dass viele Leute ihre Position nicht ausnutzen. Alles dreht sich nur um sie und darum, wann sie fertig sein werden. Der Rest ist ihnen egal. Du kommst an einen Punkt, an dem du auf dich selbst achten musst. Aber du musst auch versuchen, den Sport voran zu bringen.

Was sind deine Ziele?
Die Position, in der wir gerade sind, ist gut. Zwei Titel sind genial, aber ich würde die Position gerne noch stärken. Im Moment habe ich keinen Druck, aber bald startet die neue Saison und ich hoffe, dass wir bis dahin alle gesund sind.

Ich würde meinen Meistertitel gerne halten. Denn das ist etwas, was ich bis jetzt noch nicht gemacht habe. Das ist mein nächstes Ziel und es motiviert mich sehr.

Am Ende… ist es mein Ziel, einfach mit dem, was ich da draußen gegeben habe, zufrieden zu sein.

Dadurch wächst der Druck keineswegs. Jedes Mal, wenn ich da raus fahre, will ich mein Bestes geben. Mein Bestes ist mein Bestes und damit gebe ich mich zufrieden, wie ich es schon immer mache. Aber natürlich wäre es auch großartig, Meisterschaften und weiterhin Rennen zu gewinnen. Am Ende, wenn alles geschafft ist, ist es mein Ziel, einfach mit dem, was ich da draußen gegeben habe, zufrieden zu sein.

Wir kennen dich alle als diesen sanftmütigen Kerl. Aber du sagtest, dass du hinter den Kulissen auch mal ausrastest. Passiert das wirklich?
Ja, das war mein altes Ich. Aldon hat mir dabei aber wirklich gut geholfen. Es gab mehrere Momente, in denen ich fast durchgedreht wäre, aber das zeigt Schwäche. Ich lerne viel und ich will auch weiterlernen und mich nicht so verhalten. Ich muss mich unter Kontrolle bringen.

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