Mikkelsen: Dramatischer Sieg in Spanien

Sébastien Ogier fällt in der Endphase aus und macht den Weg frei für den Sieg von Andreas Mikkelsen
Andreas Mikkelsen Rallye Spanien 2015.
Überraschungssieg in Spanien für Mikkelsen © Volkswagen Motorsport
Von Greg Stuart

Sebastien Ogier lag 50,9 Sekunden in Führung - dann passierte das Unglaubliche: Er fährt mit seinem Wagen in die Leitplanke und verspielt so den Sieg bei der Spanien Rallye. Nicht fassen konnte daraufhin sein Glück Andreas Mikkelsen. Er durfte seinen ersten WRC Sieg verbuchen.

Eigentlich hatte er sich mit einem starken Lauf als Zweiter abgefunden, als er in der Ziellinie zwischen der23. und letzten Runde erfuhr, dass Mikkelsen unfallbedingt ausgefallen war.

"Ich kann es immer noch nicht fassen", gab Mikkelsen von seinen Gefühlen überwältigt, zu und umarmte seinen Co-Piloten Ola Fløene, der bereits den Tränen nah war. "Wir haben alles gegeben und konnten so Latvala überholen. Es lief einfach rund für uns und dass wir jetzt noch mit dem Sieg belohnt werden, ist unglaublich."

Kris Meeke bei der Rallye Spanien 2015.
Meeke fuhr für Citroën auf den Fünften © Citroën Racing Media

Ogier war das ganze Rennen über ordentlich aufs Gas gestiegen, um dann kurz vor der Endphase mit knapp einer Minute in Führung zu liegen. In einer Linkskurve verlor er dann allerdings die Kontrolle über seinen Wagen (eventuell weil er durch einen tieffliegenden Kamera-Heli irritiert war) und crashte in die Leitplanke.

Durch seinen Fehler profitierte ebenso Jari-Matti Latvala, der das ganze Rennen lang Probleme mit seinen Bremsen hatte und der sich ein spannendes Kopf-an-Kopf Rennen mit Mikkelsen geliefert hatte. Auch Daniel Sordo konnte für Hyundai sein Heimspiel ruhmreich mit den dritten Platz beenden, während Mads Østberg und Kris Meeke (Citroen) auf die vierte und fünfte Position fuhren.

Hayden Paddon kam im Hyundai vor Martin Prokop und Thierry Neuville auf den sechsten Platz, das Feld der zehn Erstplatzierten schlossen dann der Vorjahres WRC2 Gewinner Pontus Tidemand und Robert Kubica.

Durch dieses Rennen steht Nasser Al-Attiyah zum zweiten Mal in Folge als Sieger der WRC 2 fest.

Hier die Ergebnisse der Gesamtwertung

Der unschöne Crash von Ogier

Eigentlich sollte die Rallye Spanien wieder mal ein Beweis für Ogier's Fahrkünste in seinem Volkswagen Polo R WRC sein, und den Großteil des Rennens sah es auch stark danach aus, denn der Franzose meisterte Schotter und Asphalt mit links. In der finalen Phase des Rennens, die ihn direkt zu seinem achten Sieg in Folge in dieser Saison bringen sollte, passierte jedoch das Unglaubliche: Ogier ging zu stark in eine Kurve, schoss in die Leitplanke und verlor so den rechten Hinterreifen seines Polos. 

Sebastien Ogier bei der Rallye Spanien 2015.
Ogier: Vor dem Crash sah es nach Sieg aus © Volkswagen Motorsport

Mikkelsen - der bescheidene Sieger

Als er seine 23. Runde beendete war Mikkelsen vor allem überglücklich seinen Konkurrenten Jari-Matti Latvala vom zweiten Platz geschubst zu haben, beide Fahrer hatten die Runde mit nur 1,4 Sekunden Unterschied beendet. Als er jedoch hörte, dass Ogier aus dem Rennen ausgefallen war und er dadurch das erste Mal auf dem ersten Platz in der WRC landet, wurde es emotional im Volkswagen und die Tränen fingen an zu fließen.

Andreas Mikkelsen bei der Rallye Spanien 2015.
Mikkelsen konnte das Ergebnis nicht fassen © Volkswagen Motorsport

Sordo schafft beim Heimspiel das Podium

Sébastien Ogier's Crash wird wohl alleine schon dafür in die Geschichtsbücher eingehen, weil er Dani Sordo auf den dritten Platz befördert hat. Bereits im Vorfeld wurde Sordo, nicht zwingend ein Top 3 Kandidat, von seinen Landsleuten frenetisch gefeiert: "Es war unglaublich," erzählte Sordo den Reportern. "Überall gab es Menschen mit Flaggen und Transparenten, für mich war das ein unbeschreibliches Feeling im Auto zu sitzen!"

Dani Sordo bei der 2015 Rally Spanien.
Sordo war der Favorit der Fans © Hyundai Motorsport

Keine Fiesta für M-Sport

Die Leistung von Malcom Wilson's M-Sport Team war leider in Spanien alles andere als rühmlich. Bei der Tour de Corse hatte Ott Tänak schon nicht besonders abgeliefert, was ihn anscheinend zu einer guten Leistung am ersten Tag in Spanien antrieb, an dem er drei Runden für sich entschied. Am zweiten Tag, die Rallye fand nun hauptsächlich auf Asphalt statt, schlitterte Tänak direkt in die Leitplane und schrottete so seinen Ford Fiesta RS WRC.

Später war es dann sein Teamkollege Elfyn Evans, der in einer Kurve übers Ziel hinausschoss und seinen Fiesta mal eben Off-Road parkte. Der Punkteverlust könnte jetzt bedeuten, dass M-Sport seine Zweitplatzierung in der Herstellerwertung verloren hat.

Elfyn Evans bei der Rallye Spanien 2015.
Die Handys zum Himmel © M-Sport

Schnelligkeit und Fehler - der Klassiker von Kubica

Es ist nicht leicht mitanzusehen, wie Robert Kubica mit soviel Talent und Geschwindigkeit dann doch wieder durch einen Crash eine vordere Platzierung torpediert. Leider ist es schon fast ein altbekanntes Muster, und eben eines welches wir nun in Spanien wieder zu sehen bekamen: Kubica führte die Rallye nach dem ersten Tag an, konnte dort sogar die Schotterphase für sich entscheiden, obwohl er als Asphalt Spezialist gilt, um dann am zweiten Tag aufgrund von drei Situationen auf den insgesamt 10. Platz zurückzufallen.

In einem Interview hatte der Pole kürzlich angekündigt, dass er wohl in 2016 etwas Anderes probieren möchte - wahrscheinlich frustriert ihn sein fehlender Fortschritt mittlerweile selber.

Robert Kubica bei der Rallye Spanien.
Unglaublich: Die Kubica Performance © Jaanus Ree/Red Bull Content Pool

Paddon verlängert bei Hyundai

Hayden Pardon ist definitiv einer der außergewöhnlichsten Stats der diesjährigen Saison und es wundert nicht, dass Hyundai in bereits vor der Rallye Spanien erneut zu einem Drei-Jahres-Vertrag verpflichtet hat. Anfang des Jahres erscheint der neue i20 und es könnte sein, dass Hyundai mit ihm den Kampf gegen das bisher allgegenwärtige Volkswagen-Siegerteam gewinnt..

Hayden Paddon bei der Rallye Spanien 2015
Paddon verlängert seinen Vertrag mit Hyundai © Hyundai Motorsport

Alles Gute, Al-Attiyah!

Pontus Tidemand konnte zwar durch seinen dominanten Fahrstil seine WRC2 Kategorie für sich entscheiden, aber dennoch war es vor allem Al-Attiyah dem die Augen des Publikums auf der Strecke folgten. Seine Performance besorgte ihm dann auch den zweiten WRC2 Titel in Spanien in Folge und seinen dritten FIA Meisterschaftstitel in nur wenigen Wochen, denn Al-Attiyah hatte zuvor sowohl die Cross-Country World Cup Rallye, als auch die 11. Middle Eastern Rallye Meisterschaft für sich entschieden.

Nasser Al-Attiyah bei der Rallye Spanien 2015
Nasser Al-Attiyah siegte bei der WRC2 © Jaanus Ree/Red Bull Content Pool

Mehr von der Rallye Spanien gibt es auf WRC.com.

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