Mat Rebeaud: Der Phönix aus dem Dreck

Der FMX- Champion will seine Krone zurück.
Mat Rebeaud © Joerg Mitter / Red Bull Content Pool
Von Kaspar Isler

1986 wurde bei Familie Rebeaud in Payerne ein wegweisendes Geschenk ausgepackt: Vater Antoine übergab dem vierjährigen Mat sein erstes Motorrad. Das Bike stellte mehr dar als bloss ein tolles Spielzeug. Es bedeutete die Weiterführung einer über drei Generationen gehegten Familientradition im Motocross-Sport. Selbsterklärend, dass er seine Kindheit und Jugend unter knatternden Motoren im so heiss geliebten Dreck verbrachte. Obwohl sein Talent früh erkannt wurde, wollten seine Eltern nicht alles auf eine Karte setzen und zwangen den Filius zu einer Lehre als Polymechaniker: «Ich war überhaupt nicht begeistert aber heute bin ich ihnen dankbar für diese Entscheidung. Meine Ausbildung hat mich Struktur, Disziplin und Fleiss gelehrt. Davon profitiere ich bis heute.»

Aufstieg mit Hindernissen
Mats Aufstieg an die Weltspitze war kometenhaft: 2005 räumte er in der IFMXF-Serie in Europa ab, 2006 folgte die Silbermedaille an den Winter X-Games. Noch im selben Jahr bezwang er sein bisheriges Idol Travis Pastrana und gewann damit in Mexiko City seinen ersten Red Bull X-Fighters Event. Fortan war sein Werdegang von Pokalen gesäumt, die er mitunter an den X-Games und den Red Bull X-Fighters regelmässig einheimste. Im 2008 dominierte er den FMX Sport schon fast nach Strich und Faden. 4 Siege, 2 Podiums aus 6 Contests resultierten im Gesamttoursieg der Red Bull X-Fighters. Mit der Silber Medaille an den Summer X-Games rundete er die erfolgreichste Saison seiner Karriere ab. Ein schwerer Sturz zwang den Überflieger im März 2015 in Mexiko in die Knie. Es sind sein eiserner Wille, beinhartes Training und die unbändige Lust, die Mat Rebeaud und seine KTM seit kurzem wieder abheben lassen.

Mat Rebeaud

Veraltete Vorurteile
Dass man als FMX-Profi mehr Berufsrisiko in Kauf nehmen muss als ein Versicherungsvertreter ist Mat bewusst. Am Vorurteil des selbstmörderischen Haudegens auf zwei Rädern stört er sich aber nach wie vor: «Was die Leute an Contests sehen, ist nur die Spitze des Eisbergs. Da entsteht für manchen den Eindruck wir würden uns einfach auf eine Maschine setzen und mit Vollgas und auf gut Glück über eine Rampe donnern. Das ist Quatsch! Wir betreiben diesen Sport tagtäglich und hochprofessionell. Wir trainieren Stunde für Stunde und unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen bis wir einen Trick vor Publikum zeigen.

Romantiker statt Rowdy
Generell widerlegt Mat Rebeaud mit ruhiger Stimme, klarem Kopf und wohl überlegten Sätzen das Klischee des halsbrecherischen Draufgängers. Angesprochen auf seinen Heiratsantrag im August 2015 zeigt sich unter der dicken Haut zudem ein waschechter Romantiker: «Ich besitze ein kleines Boot am Neuenburgersee, womit meine Freundin und ich oft rausfahren, um den Alltagstrubel zu vergessen. So taten wir es auch an jenem Tag bis ich das Boot mitten auf dem See stoppte und ihr die Fragen aller Fragen stellte», erinnert sich Mat. Die Erklärung für die Wahl des Ortes ist nicht minder herzerwärmend: «Egal, wo auf der Welt ich bin, kann ich auf jeden Globus schauen und sehe darauf den Neuenburgersee, der mich an sie erinnert. Seine Ziele für die nahe und ferne Zukunft sind klar: Im Dezember 2015 den Supercross Geneva gewinnen, 2016 in den Hafen der Ehe einlaufen und bei den X-Games und den Red Bull X-Fighters allen zeigen, dass der König wieder Anspruch auf seinen Thron erhebt.

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