POV: Jeffrey Herlings beim Red Bull Knock Out

Hier die Experten-Tipps von Herlings, Nathan & Ben Watson zum richtigen fahren im Sand
Jeffrey Herlings gibt im Sand Gas
Mr Sandman, Jeffrey Herlings © KTM Images/Red Bull Content Pool
Von Greg Stuart / Oliver Schran

Das Red Bull Knock Out ist mit unglaublichen 1.500 Fahrern am Strand von Scheveningen (NLD) das größte Strand-Rennen der Welt.

Bevor die Action im Sand wieder richtig in Gang kommt, hat Jeffrey Herlings (NLD), die Strecke als einer der ersten Tester unter die Stollen genommen. Jeffrey hat sich zwar gerade erst von seiner schweren Verletzung an der Hüfte erholt und ist seit dem Unfall beim MX2 in der Tschechei nur ein paar Mal auf dem Bike gesessen, doch die Chance beim Red Bull Knock Out – nach 7 Jahren Pause – am Start zu sein kann er sich einfach nicht entgehen lassen.

"Es war schon immer hart und es wird sicher in diesem Jahr noch härter werden. Der lockere Sand, das Meerwasser, das bei Flut bis auf die Strecke kommen kann, und ein Chaos aus hunderten von MX-Ridern auf der Strecke in jedem Heat sind einfach das Rezept für ein extremes Wochenende."

Schaut euch den GoPro Clip des Holländers an um zu verstehen, was streckentechnisch auf die Rider zukommt. Danach gibt es dann noch die ultimativen Tipps für den Sand von den englischen Watson Brüdern.


Richtig im Sand mit dem Bike voran zukommen ist eine Kunst für sich. Die Fahrtechnik ist eine komplett andere, das Bike Setup ist speziell und wie man die Sache taktisch im Rennen angeht unterscheidet sich auch von normalen MX- oder Enduro-Rennen.

Die englischen Pro-Rider Nathan und Ben Watson, haben bevor die Action am Strand startet eine Art Handbuch für euch zusammengestellt:


1. Füße hoch und zurücklehnen

Nathan & Ben Watson's Sand Fahrtechnik Schule
Gewicht immer hinten... Aber nicht zu weit! © Husqvarna Motorcycles

Um schnell durch den feinen Sand zu kommen müssen die Rider ihre Technik komplett umstellen, erklären die Brüder.

"Im Sand ist das Gewicht des Fahrers komplett über dem hinteren Teil des Bikes, um das Vorderrad zu entlasten. Der Sand ist immer hubbelig und im feinen Sand kann man leicht einsinken, was bei falscher Technik dazu führt das das Vorderrad wie eine Blockade wirkt, während das Hinterrad das Bike vorwärts schiebt. Das kann ja nicht funktionieren und der Fahrer wird je nach Situation mehr oder weniger nach vorne geworfen. Am besten ist es wenn das Vorderrad quasi über dem Sand schwebt."

"Des weiteren ist es wichtig die Füße in den Kurven auf den Pegs zu halten," fügt Ben hinzu. "Bei den meisten Sand-Tracks befinden sich große Kurven – auch Anlieger oder Berms genannt –, bei denen es besser ist, auf den Pegs zu bleiben, um schneller durchzukommen. Diese runden Kurven laden dazu ein, komplett im Stehen zu fahren, was bei einer normalen harten MX-Strecke nicht möglich wäre, da man dort die Kurve im Sitzen – mit Gewicht nach vorn – fährt, um das Bike quasi um die Kurve zu führen. Im Sand fließt das Bike fast um die Kurve, wenn man sie richtig anbremst und im Scheitel richtig herausbeschleunigt und dabei den Reifen an der richtigen Stelle in den Sand drückt um herauszupressen."


2. Stelle das Bike für den Sand richtig ein

Ben Watson macht das Bike für den Sand fertig
Ben Watson macht das Bike für den Sand fertig © Nathan Gallagher / Red Bull Content Pool

Ein ein MX-Bike, das für harte Motocross-Strecken eingestellt ist, braucht einige Modifikationen. Um sich einen Vorteil zu verschaffen, sollten auf jeden Fall spezielle Reifen für den Sand aufgezogen werden. Zudem muss das Fahrwerk neu justiert werden, die Mapping des Motors erfordert Aufmerksamkeit und auch die Bremsscheiben sind komplett anders.

"Da gibt es eine Menge zu tun, wenn man das Bike fit für Sand machen will," sagt Ben. Es sind eigentlich viele kleine Dinge hier und da, je nach Rider. Das Fahrwerk wird von jedem eingentlich härter und steifer eingestellt."

"Großes Thema: Reifen. Diese unterscheiden sich komplett von normalen MX-Reifen. Die Gummimischung ist anders und die Stollen sind so angelegt, dass der Sand aus den Zwischenräumen wieder leicht rausfließt.

"Beim Motor gibt es auch einen entscheidenden Unterschied," sagt Nathan. "Auf einem harten Motorcross-Track ist es besser, wenn das Drehmoment sich gleichmäßig entfaltet und die Traktion dadurch maximal erhalten wird. Im Sand hingegen muss das Bike aggressiver reagieren und man braucht mehr Power. Traktion zu verlieren ist hier nicht so das Problem bei mehr Power."


3. Sei sehr fit!

 

Fuß unten ist ein No-Go im Sand
Fuß unten ist ein No-Go im Sand © Husqvarna Motorcycles

Falls ihr glaubt, das Bike auf einem Hart-Boden MX-Track zu bewegen sei schon Schwerstarbeit, seid ihr falsch informiert. Der normale Track ist ein Kindergeburtstag im Vergleich dazu, das Bike und sich stundenlang über den Strand von Scheweningen zu peitschen...

"Als Fahrer im Sand sollte man extrem fit sein, da es körperlich extrem anstrengend ist. Auf einer harten Strecke mit vielen ebenen Abschnitten kann ich quasi den ganzen Tag fahren, der Sand macht dich früher oder später komplett fertig. So wie der Motor heiß läuft, werdet auch ihr heiß laufen. Die Körperhaltung muss ständig angepasst werden und die Strecke im Sand mit all seinen Unebenheiten fordert Körper und Geist extrem. Das stetige Stehen macht zudem sehr müde. Alle Top Sand-Piloten sind extrem fit."


4. Üben, üben und nochmals üben

Um irgendwann gut im Sand klar zu kommen, hilft nur stetiges Training, da außer im Sand unterwegs zu sein es quasi keine Trainingsmethode gibt, um besser zu werden. Die meisten Rider aus Holland, Belgien oder Nord-Deutschland haben hier einen klaren Vorteil, da die meisten Strecken dort sehr sandig sind. Tony Cairoli hat diesen natürlichen Vorteil für die Rider aus den Regionen erkannt...

"Als Tony Cairoly vor einigen Jahren der Dominator in der MX-GP wurde, hat er auf harten Strecken alle Gegner leicht besiegt, aber auf den Sandstrecken wurde er immer geschlagen," sagt Nathan. Das hat er erkannt und ist von Italien nach Belgien umgezogen, um stetig im Sand zu trainieren. Heute ist er einer der besten Rider im Sand."

Jeffrey Herlings ist der Sand König!
Jeffrey Herlings ist der Sand König! © KTM Images/Red Bull Content Pool


5. Von Jeffrey Herlings lernen

Als RedBull.com Nathan und Ben gefragt hat, wer aktuell der beste "Sand-Hase" ist, kam gleichzeitig wie aus der Pistole geschossen von beiden: Jeffrey Herlings!

"Herlings ist einfach der Beste im Sand," sagt Ben. "Er hat meiner Meinung nach genug Selbstbewusstsein, um zu erkennen, dass er jeden im Sand schlagen kann und genau dieses Wissen macht ihn noch stärker

"Ich glaube, er hat noch nie ein Rennen im Sand verloren," fügt Nathan hinzu. "Klar, er ist in Holland aufgewachsen und kennt Sandstrecken schon aus seinen Kindertagen, aber das ist nicht alles. Er ist einfach extrem gut im Sand und beherrscht das Bike in diesem Element perfekt."

Ihr wollt noch mehr über den Red Bull Knock Out 2015 erfahren? Hier geht es zu der internationalen Event Page:

www.redbull.com/knockout

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